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TURANDOT
(Giacomo Puccini)
Besuch am
13. August 2017
(Premiere am 21. Juli 2017)
Die Bühne des Sferisterio ist vollgestellt mit überdimensionalen Schaukästen. Dienstmänner in blauen Overalls schreiten wichtig ohne besonderen Auftrag herum. Prinzessin Turandot im schweren, westlich gestylten Seidenkleid gesellt sich dazu und verteilt Kusshändchen, so auch an den hereinschreitenden Dirigenten des Abends Per Giorgio Morandi. Dann verdunkelt sich das Theater und die wohlbekannten Harmonien der letzten unvollendeten Oper des italienischen Meisters des Verismo erfüllen den Raum. Auf der Bühne geht es wenig harmonisch zu. Die Geheimpolizei des chinesischen Kaisers und seiner Prinzessin drangsalieren das Volk, und die wie steife Puppen hereingetragenen Sänger Davinia Rodriguez als Liu im weißen Brautkleid und Alessandro Spina als Timur, hier ausnahmsweise jung und elegant im Smoking, ohne jegliche Sehprobleme.
| Musik | ![]() |
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| Regie | ![]() |
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Revolutionär versuchen das Kreativteam Ricci und Forte den beliebten Stoff um die rätselhafte und rätselaufgebende Prinzessin neu zu gestalten. Dabei fallen bekannte Regiemuster von Kollegen wie Fura dels Baus mit an Seilen hängenden Männern oder die Menschengestalten mit Tierköpfen von Kryzstoff Warlikowski ins Auge. Die Geschichte wird zur Traumwelt der jungen eingesperrten Prinzessin. Sie bestimmt und steuert von magischer Hand ihre Wachmänner, die das Volk, in verschiedenen Grüntönen mit kleinen Hüten und andere Handelnde auf der Bühne beaufsichtigen. Ping, Pang und Pong treten im zweiten Akt als Clowns auf, Turandot reitet auf einem riesigen Eisbären herein und badet im Blut bei ihrer Fragestunde. Calaf erscheint im schwarzen, eleganten Anzug, nicht wirklich im Geschehen integriert, tritt sozusagen als neuer Unbekannter in die Traumwelt der Prinzessin. Oder die Lösung ist nicht wirklich ihre Wunschvorstellung. So ist vielleicht auch die überraschende Lösung im dritten Akt zu verstehen, wenn Turandot am Ende Liu mit einem Revolver erschießt, der ihr zuvor von dieser gereicht wurde. Eine romantische Verbindung ist hier nicht das Ende, nein, zum Zeichen der Erkenntnis legt Turandot ihren weltlichen Reichtum ab. Sie wird von Calaf in einen schäbigen schwarzen Mantel und plumpe schwarze Stiefel gesteckt. Die wenig einfallsreichen Kostüme stammen von Gian Lucca Sbicci.

Stimmlich lässt die Besetzung im Vergleich zu den anderen Produktionen Wünsche offen. Irene Theorin, ursprünglich für die Rolle der Turandot vorgesehen, verletzte sich und fiel für die meisten Vorstellungen aus. Die junge Französin France Dariz übernahm die anspruchsvolle Aufnahme. Sie meistert die Herausforderung der mächtigen Partie, zeigt aber zu wenig dramatische Präsenz und Angriffslust in der Höhe, sowohl in der Fragestellung der Rätsel als auch in Ihrer großen Arie. Der Amerikaner Rudy Park schreit kraftvoll seine vermeintlich italienischen Melodien und zeigt ein stimmliches Potenzial, das an der Technik noch arbeiten muss. Gefühlvoll mit kleiner, verhaltener Sopranstimme erobert Davinia Rodriguez den Zuspruch des Publikums. Ebenso Alessandro Spino mit einem warmen Timbre als Timur. Andrea Porta als Ping, Gregory Bonfatti als Pang und Marcello Nardis als Pong verlieren sich auf der großen Bühne als auch an manchen Stellen der Partitur.
Pier Giorgio Morandi zeigt viel Musikalität und Mut in seiner Führung des Orchesters. In der Führung der Instrumente setzt er die dramatischen und romantischen Akzente des Märchens und steuert einen Schuss Exotik bei.
Das Volk auf der Bühne, noch in orangefarbene Warndecken gehüllt, macht Fotos und nimmt begeistert Abschied. Der Abschied des Publikums am letzten Aufführungsabend bleibt gespalten, wie am Premierenabend. Begeisterung, Ratlosigkeit oder totale Ablehnung herrschen vor. Auf alle Fälle ist es eine progressive Deutung für ein italienisches Festival und zeigt den künstlerischen Anspruch der Intendanz.
Helmut Pitsch