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Foto © Alfredo Tabocchini

Aktionismus ohne Intimität

MADAMA BUTTERFLY
(Giacomo Puccini)

Besuch am
12. August 2017
(Premiere am 22. Juni 2016)

 

Macerata Opera Festival, Sferisterio

Oriente heißt das diesjährige Motto der Macerata-Opern­fest­spiele. Madama Butterfly von Giacomo Puccini verkörpert hierbei bestens das Land der aufge­henden Sonne. Die Geschichte der jugend­lichen Cio Cio San greift ein umstrit­tenes Thema der japani­schen Gesell­schaft auf, die Käuflichkeit von Liebe und hier insbe­sondere der unschul­digen Kindfrauen.

Diesen Missstand greift der Regisseur dieser Neuin­sze­nierung, Nicola Berloffa, zentral in seiner Inter­pre­tation an. Die gesamte Geschichte spielt im Ambiente eines schmuck­losen Freuden­hauses. Nur wenige Details im Bühnenbild von Fabio Cherstich weisen auf japanisch-exoti­schen Bezug hin, das aus einer großen Bühne mit seitlich angebauten kleinen Zimmern, die sich mit Schie­be­türen öffnen lassen, besteht. Ein paar Holzbänke davor aufge­reiht sollen den Zuschau­erraum ergeben. Der füllt sich schnell mit ameri­ka­ni­schen Soldaten mit ihren Seesäcken, die scheinbar zur Hochzeit von ihrem Kompagnon Pinkerton mit der schönen, mädchen­haften Geisha Cio Cio San einge­laden sind. Auf der Bühne sammelt sich die Braut mit ihrer Familie in japani­schen Kostümen, aber auch mit westlichen Acces­soires wie Pelzstola oder modischen Brillen. Goro fungiert als abgebrühter Manager des Etablis­se­ments. Der Konsul Sharpless füllt sich sichtlich unwohl in diesem Ambiente. Ein intimes Häuschen, das die Braut ihr eigen nennen darf, taucht nirgends auf. So verbringt sie auch die langen Jahre des Wartens in dieser Umgebung mit ihrer treuen Dienerin und ihrem heran­wach­senden Sohn. Auch die Rückkehr Pinkertons findet im Etablis­sement statt, die im traurigen Selbstmord der Geisha auf der Bühne vor den Augen der anwesenden Soldaten holprig stattfindet.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Durch diese Erzähl­weise wird sicherlich der Missstand wahrlich bühnenreif angeprangert. Inwieweit Libretto und insbe­sondere die Musik diese Darstellung unter­stützen, ist zweifelhaft. Die lyrisch ergrei­fenden Momente des Wartens und dessen Erfüllung gehen im hekti­schen Aktio­nismus auf der Bühne unter. Ständig tauchen Besucher auf, die mit diversen Damen in den Separees verschwinden, selbst unpas­sende Ringkämpfe auf den Bänken gesellen sich dazu.

Foto © Alfredo Tabocchini

Auch die anmutige Darstellung von Maria Jose Siri kann hier nicht zur vollen Wirkung kommen. Fein ist ihr Sopran, leicht spielt er sich in den Höhen und gefühlvoll lässt sie ihn in der Tonfolge in die Tiefe gleiten. Elegant, ohne übertriebene Ausbrüche erfreut sie das Publikum, das viel Szenen­beifall spendet. Manuela Cluster begleitet sie eindrucksvoll als treue Dienerin Suzuki, die sowohl servil, aber auch hilfs­bereit durch­set­zungs­stark in Erscheinung tritt. Plump, passend zur seinem Rollenbild wirkt Antonello Palombi als gefühl­loser Soldat Pinkerton, der mit geringer Sensi­bi­lität die schick­sals­hafte Beziehung eingeht. Druck, überdrehte Höhen und trotz Körper­fülle wenig Schmelz charak­te­ri­sieren seine Stimme. Nicola Pamio als Goro und Alberto Mastro­marino als Sharpless erfüllen sicher und mit lockerem Spiel ihre Rollen.

Massimo Zanetti führt das Orchester mit viel Musika­lität und leichter Hand. Die exoti­schen Harmonien feilt er präzise, die roman­ti­schen Orches­ter­stellen im Zwischen­spiel zu dritten Akt lässt er jeden Musiker spürbar auskosten. Die Sänger unter­stützt er durch maßvolle Tempi und Lautstärken. Mit der trockenen Akustik des Sferis­terio kommt er gut zurecht.

Das Publikum findet viel Gefallen an der Regie und der musika­li­schen Umsetzung und dankt allen mit herzlichem Beifall.

Helmut Pitsch

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