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Foto © O-Ton

An deine glückliche Brust

HAYDNS ORPHEUS
(Joseph Haydn)

Besuch am
27. August 2017
(Premiere am 26. August 2017)

 

Haydn-Festival, Schloss Augus­tusburg, Brühl

Schloss Augus­tusburg. Ein Name, der seit Jahrhun­derten für Glück und Wohlstand steht. 1725 begann der Bau des künftigen Rokoko-Meister­werks auf den Ruinen einer mittel­al­ter­lichen Wasserburg. Drei Jahre später begann der kurbaye­rische Hofbau­meister François de Cuvilliés mit der Ausge­staltung des Gebäudes, das sich zur Lieblings­re­sidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbi­schofs Clemens August aus dem Hause Wittelsbach entwi­ckelte. Balthasar Neumann fertigte den Entwurf für den Gebäu­deteil, der heute profan das Treppenhaus genannt wird. Aber es ist mehr. Ein Gesamt­kunstwerk von Archi­tektur, Plastik und Malerei. Außerdem ein Wunderwerk der Akustik. Aber das hat zum Zeitpunkt seiner Entstehung wohl noch niemanden inter­es­siert. Seit 1949, also der Gründung der Bundes­re­publik Deutschland, bis zum Umzug des Bundes­prä­si­denten 1994 in das Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten war Schloss Brühl Reprä­sen­ta­ti­onssitz der Bundes­re­gierung. Heute ist es im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, Weltkul­turerbe – und eine der Spiel­stätten des Haydn-Festivals.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Andreas Spering hat das Festival 2002 im Rahmen der Brühler Schloss­kon­zerte gegründet. Er steht auch in diesem Jahr, wie es schöne Tradition ist, am letzten Tag des Festivals am Pult auf dem Podest des Treppen­hauses. Eine Treppe führt dort hinauf. Zwei seitliche Treppen bringen den Besucher in das obere Geschoss, wo sich der Rokoko-Glanz fortsetzt. Aus Sicht des Publikums auf den ersten Blick eine unmög­liche Spiel­stätte. Egal, wo man sitzt, vielleicht mit Ausnahme der ersten Sitzreihe der oberen Galerie, hat man ein einge­schränktes Sichtfeld. Und tatsächlich sind hier die teuersten Sitzplätze immer als erste verkauft. Wenn, wie heute Abend, überhaupt Sitzplätze frei bleiben. Denn wer sich auskennt, weiß, dass die Akustik dieses Treppen­hauses wirklich überwäl­tigend ist. Und es ist völlig egal, wo man sitzt. Aber wenn man schon das Glück hat, einen Platz zu bekommen, von dem aus man einen Blick auf die Sänger hat, wäre es schön, sie auch erkennen zu können. Hier hat die Licht­technik schlicht gepatzt.

Foto © O‑Ton

Um die 32 Musiker der Capella Augustina verbreiten einen atembe­rau­benden Klang, der bis in die letzten Ritzen dringt. Selbst die Choristen der Augustina vocale auf der rechten Empore begeistern in der Einstu­dierung von Joachim Höchbauer mit weltent­rückter Stimme. Unter hohem Körper­einsatz und mit viel Umsicht sorgt der Dirigent dafür, dass Einsätze und Balance bis in die feinsten Nuancen stimmen.

Spering hat sich in diesem Jahr für Haydns Orpheus entschieden, im Origi­nal­titel L’anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice – Die Seele des Philo­sophen oder Orpheus und Eurydike. Auf gut zwei Stunden zusam­men­ge­kürzt, ergibt sich eine aufre­gende, intensive konzer­tante Aufführung, die ihres­gleichen sucht.

Wesent­lichen Anteil daran haben die Solisten, die sich in der Akustik einer solchen Spiel­stätte im besten Sinne nahezu alles leisten können. Johanna Winkel gönnt sich als Euridice Pianissimi in schmel­zender Form. Als Orfeo singt Robin Tritschler ausge­zeichnet vom Blatt. Wirklich beein­dru­ckend ist der Bass Thomas E. Bauer als Creonte, der auch mal vom Notenbuch aufblickt und allein mit seinem Auftritt Ausdruck schindet. Als letzte tritt Sunhae Im auf und erntet mit ihrer Arie Al tuo seno fortunato – An deine glücklich Brust – Szenenapplaus.

Der Schluss­ap­plaus fällt angesichts der Leistung vergleichs­weise kurz aus. Inzwi­schen wird es ja auch immer mehr zur – üblen – Gewohnheit, den letzten Auftritt abzulichten anstatt den Akteuren zu danken.

Und als sei es des einen Feuer­werks barocker Musik nicht genug, eilen die Gäste anschließend ins Freie, um das mittler­weile schon legendäre, tatsäch­liche Abschluss­feu­erwerk des Haydn-Festivals nicht zu verpassen. Im Park hat das Neue Rheinische Kammer­or­chester unter der Leitung von Gerhard Peters Platz genommen. Mit techni­scher Hilfe präsen­tieren die Musiker die Music for the Royal Fireworks von Georg Friedrich Händel, während Feuer­werker Helmut Reuter mit seinem Team das Publikum mit Kaskaden, Girlanden und Eruptionen bunten Lichts über den Baumwipfeln des engli­schen Landschafts­gartens ein letztes Mal verzaubert.

Michael S. Zerban

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