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TRIOWELTEN
(Diverse Komponisten)
Besuch am
2. September 2017
(Einmalige Aufführung)
Niederrhein-Musikfestival, Kirche Wickrathberg, Mönchengladbach
Zu den spezifischen Besonderheiten der vielen kleinen und kleineren Kammermusikfestivals, die sich allerorts in den letzten 30 Jahren in Deutschland etabliert haben, gehört der Reiz der regionalen Spielstätten, die den Konzerten unabhängig von ihrem künstlerischen Niveau ein unverwechselbares Ambiente verleihen. Das gilt auch für das Niederrhein-Musikfestival, das mittlerweile seit dreizehn Jahren mit großem Erfolg und viel Geschick an sechs Orten des Niederrheins ein erfreulich großes Publikum erreicht: ob im Schloss Dyck nahe Grevenbroich, im Franziskanerkloster Kempen, in der Mühle Zanders bei Nettetal oder, wie jetzt, in der ehrwürdigen Kirche Wickrathberg im Umfeld von Mönchengladbach. Die Kirche kann auf eine bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückreichende Geschichte zurückblicken und ist seit 1546 Heimstätte der evangelischen Gemeinde. Ihre überschaubare Größe sorgt für eine intime Atmosphäre, und akustisch eignet sie sich hervorragend für Kammermusikabende.
Triowelten nennt sich das jüngste Programm. Die zahlreichen Zuhörer erwartet freilich kein klassisches Klavier- oder Streichtrio, sondern die seltenere Besetzung für Flöte, Klavier und Violoncello. Drei namhafte und dem Festival eng verbundene Künstler sorgen für überwiegend flotte, alles andere als sakrale Töne. Zusammen mit der künstlerischen Leiterin Anette Maiburg an der Flöte sind mit dem jungen, bereits mit Preisen hoch dekorierten Pianisten Florian Noack und dem namhaften Cellisten Guido Schiefen zwei regelrechte Publikumslieblinge am Werk.
Den Auftakt besorgen Anette Maiburg und der Pianist mit der hoch virtuosen Fantasie über Webers Oper Der Freischütz für Flöte und Klavier aus der Feder des Nestors der modernen französischen Flötenschule, Paul Taffanel. Blitzblank geputzte Variationen, die die Flöte zwar nicht von ihrer tiefgründigsten, aber immerhin von ihrer brillantesten Seite zeigen. Und die renommierte Flötistin enttäuscht das Publikum mit ihrer Spielfertigkeit in keinem Ton.

Im Scherzo und dem Final-Allegro nicht weniger akrobatisch als bei Taffanel, geht es in den restlichen Sätzen des Trios in g‑moll op. 63 von Carl Maria von Weber doch etwas romantisch-gefühlvoller zu, so dass das als Schäfers Klage deklarierte Andante die Flötistin zu einer erfreulich nuancierten Tongebung animiert.
Auch wenn das Entstehungsjahr 1944 andere Erwartungen wecken mag, greift der tschechische Meister Bohuslav Martinů in seinem Trio für Flöte, Violoncello und Klavier den neoklassizistisch agilen Charakter auf, den er bei seinem Pariser Aufenthalt in den 20-er Jahren so schätzte und der dem silbrigen, aber auch etwas sterilen Klang der Flöte entgegenkommt. Besonders hervorzuheben an dieser Interpretation ist das homogene künstlerische Einverständnis der drei Musiker, auch wenn das Klavier und die Flöte das noble Spiel des Cellisten ein wenig an den Rand drängen.
Mehr Gelegenheiten, seinen warmen, intensiven Cello-Ton entfalten zu können, hat Guido Schiefen dann in den Vier Jahreszeiten von Astor Piazzolla. In den für das Streichinstrument vorgesehenen Kantilenen hält sich auch der Pianist erfreulich zurück. Ansonsten packt Noack bisweilen kräftiger zu als nötig. Die Flöte hat dabei weniger Probleme, sich gegen die klangliche Übermacht wehren als das Cello, so dass die Interpretation insgesamt etwas grobschlächtig gerät. Ohnehin ist die Flöte mit ihrem nur begrenzt biegsamen Ton kein glücklicher Ersatz für das ursprünglich vorgesehene Bandoneon, mit dem sich das spezifische Kolorit und die bohrende Intensität der Musik erheblich differenzierter und organischer ausdrücken ließen.
Dennoch ein hochwertiger Kammermusikabend in denkbar reizvoller Umgebung mit einem bis zum letzten Ton dankbaren und aufmerksamen Publikum.
Pedro Obiera