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Musik – Teil der Unendlichkeit

RAUM UND KLANG
(Diverse Komponisten)

Besuch am
2. September 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Nieder­säch­sische Musiktage, Dom St. Petrus, Osnabrück

Wieder einmal macht ein nordi­scher Komponist, diesmal der Estländer Arvo Pärt, mit einem berüh­renden Te Deum auf sich aufmerksam. Sein umfas­sendes Werk füllt die erste Hälfte dieses außer­or­dent­lichen Konzertes, mit dem in diesem Jahr die Nieder­säch­si­schen Musiktage eröffnet werden. Seit Jahren hat sich dieses Musikfest  zu einer Insti­tution entwi­ckelt, die für außer­ge­wöhn­liche Musik­erleb­nisse steht.

Im Flächenland Nieder­sachsen sucht der Veran­stalter immer wieder Kulturorte, die den Raum Nieder­sachsen auch kulturell gliedern. Der Osnabrücker Dom St. Petrus, eine wuchtige, spätro­ma­nische Kirche, seit 785 in vielen Bauphasen ständig erweitert,  bietet mit seinem Haupt­schiff  und zwei Seiten­schiffen viel Platz und einen großen Klangraum, in dem sich Musik raumfüllend ausbreiten kann. Die Kirchen­ar­chi­tektur stellt Musiker und Dirigenten auch vor manch schwierige Aufgabe, der weite Raum und seine mannig­fachen Echos eignen sich längst nicht für jede Kompo­sition. Doch für ein Te Deum bietet der Dom eine einzig­artige Atmosphäre,  die übrigen ausge­suchten Konzert­stücke erweisen sich ebenfalls als bestens geeignet für diese  Kirchen­akustik. Paul Hillier, der schon mehrfach zeitge­nös­sische Kompo­si­tionen des Kompo­nisten Arvo Pärt aufge­führt hat, setzt mit dem Te Deum von 1983 ein zeitge­nös­si­sches Werk an den Beginn des Eröffnungskonzertes.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Mit leisen Tönen, die an grego­ria­nische Klänge erinnern, setzen Chor und Orchester ein und füllen schon bald mit einem mächtigen Forte den Kirchenraum. Auf der Basis einer festen Basslinie entfalten die Streicher ihre Melodie­bögen, die mal in ferne Räume entschweben, dann im Fortissimo im Vorder­grund präsent sind. Mit immer neuen Varia­tionen wechseln sich die Stimmen in der Führung der einzelnen Sätze ab. Kaum hörbar mischt ein Tonband leichte Geräusch­pas­sagen hinzu und stellt eine Verbindung zum Alltag her. Der Chor lässt dieses beein­dru­ckende Te Deum mit einem allmählich verklin­genden Sanctus und einem Glocken­schlag ausklingen – minuten­lange, andächtige Stille.

Foto © Helge Krückeberg

Für den zweiten Teil des Festabends kann sich das Publikum im anschlie­ßenden Kreuzgang bei festlicher Beleuchtung erholen und auf Kompo­si­tionen freuen, die eine Zeitspanne von fast 500 Jahren umspannen. Mit Thomas Tallis´ Motette Spem in Alium kann das Chorwerk Ruhr gleich zu Beginn seine durchweg solis­ti­schen Quali­täten präsen­tieren, wenn es in acht Chören zu je fünf Stimmen agiert. Hier und da erklingen im Dom Solostimmen, a‑Cap­pella-Phasen und dynamische Passagen, die von unter­schied­lichen Stellen in den Kirchenraum klingen. Der Chor gibt Johann Sebastian Bachs Canon perpetuus in den hohen Kirchen­ge­wölben einen nahezu sphäri­schen Klang, in Ligettis Lux aeterna kann das ChorWerk ein weiteres Mal von seinen a‑capella-Quali­täten überzeugen, und in Bachs Ricercar a´6 lassen die Streicher lange, fast selbst­ständige Melodie­bögen erklingen, die sich langsam auflösen. Mit Peteris Vasks Dona nobis von 2001 stellt Hellier ein Werk der Neuen Musik vor, das sich vorbe­haltlos zum Ausdruck religiöser Gefühle bekennt und erklingen lässt. Vasks, dessen Werke von Musik­kennern auch als „kompo­nierte Ikonen“ bezeichnet werden, bietet dem Chorwerk Ruhr und den Osnabrücker Sympho­nikern eine musika­lische Plattform, die in unserer immer sachlicher werdenden Welt selten geworden ist. Hillier und seine Musiker nutzen diese Aufgabe für eine intensiv-ausdrucks­starke, häufig berüh­rende Darbietung.

Nach mehreren Minuten besinn­licher Stille will der Beifall des begeis­terten Festpu­blikums auch nach einer Viertel­stunde kaum enden – Raum und Klang sind sich bei diesem Konzert zeitgemäß und beein­dru­ckend begegnet.

Horst Dichanz

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