O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Cinemascope und Tristesse

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
(Richard Wagner)

Besuch am
8. September 2017
(Premiere)

 

Landes­theater Detmold

Nach den nicht nur ein kleines Haus wie das Detmolder Landes­theater bis an die Grenzen seiner Möglich­keiten strapa­zie­renden Wagner­schen Riesen­werken vom Ring auf Rädern, der die Tetra­logie in die west- und nordwest­deutsche Fläche trug, über Parsifal, Tristan und die Meister­singer eröffnet Hausherr Kay Metzger seine letzte Spielzeit am Landes­theater mit dem frühesten der kanoni­schen Werke des Musik­dra­ma­tikers. Der Fliegende Holländer fordert selbst Häuser, die sonst selten Wagner riskieren, in noch erträg­lichem Maß.  Die in den Rängen nicht ausver­kaufte Premiere am Detmolder Landes­theater weckt gemischte Empfindungen.

Metzgers Regie­konzept bedient sich des aus Woody Allens cineas­ti­schem Meisterwerk The Purple Rose of Cairo bekannten Kunst­griffs. Die Titel­figur scheint geradewegs von der Leinwand zu einer fanta­sie­be­gabten, doch äußerlich grauen Maus namens Senta herab­ge­stiegen, deren Lebens­ersatz das Kino ist. Nicht anders schwingt sich Daland, der zunächst wie ein braver Binnen­schiffer daher­kommt, in seiner Einbildung zum Hochsee­ka­pitän auf. So weit, so gut und nachvoll­ziehbar.  Vielleicht auch noch, dass sich der Barkeeper der zum Kino gehörigen Gastro­nomie in den Steuermann hinein fanta­siert. Erik aber führt im cineas­tisch angehauchten Zwischen­reich von Imagi­nation und Realität kein glaub­haftes Leben.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Chöre erst recht nicht. Die Frauen werden zu Kellne­rinnen, die Seeleute zu permanent Trink­gläser abwischenden Berufs­kol­legen. Konse­quent, aber sinnfrei wächst sich die Konfron­tation von leben­digen und untoten Matrosen zum zwangs­ge­störten Gläser­putz­wett­bewerb aus. Trotz solchen Unfugs gelingen Metzger immer wieder berückende Szenen.  Wenn Holländer und Senta im vermeint­lichen Liebes­duett des zweiten Akts versonnen mitein­ander tanzen, steigt für einige wenige Takte eine Ahnung davon auf, wie viel mehr sie einander sein könnten als bloßes Mittel zum Zweck wechsel­sei­tiger Erlösung. Wird final die zum Opfertod Bereite ausge­blendet, während sie sich die Pistole gegen die Schläfe presst und nimmt an ihrer Stelle zum nachkom­po­nierten Erlösungs­schluss eine ergraute Cineastin als ihre Doppel­gän­gerin an einem der Tische Platz, so stellt sich unwei­gerlich tiefes Mitgefühl ein.

Für die auf der rechten Bühnen­seite von einem elegant geschwun­genen Bartresen dominierte Kinogas­tro­nomie mischt Petra Mollérus Art déco mit zeitge­nös­si­schen Lounge-Elementen in unent­schie­denen Braun­tönen.  Im Hinter­grund führt eine Treppe in den Kinosaal, über deren Absatz der Holländer auf einem Plakat den aktuell dort gezeigten Film über den Schrecken aller Zonen bewirbt.

Auch die Kostüme verant­wortet Mollérus. Die Titel­figur im langen Leder­mantel, Seemann­s­pullover und mit enormer Reise­tasche bedient sämtliche Rollen­kli­schees. Dalands Äußerem nach scheint der in Detmold zum Binnen­schiffer abgesunkene maritime Großkaufmann bereits etliche Leerfahrten hinter sich zu haben. Senta im biederen Twinset arbeitet offenbar als Schreib­kraft im Großraumbüro um die Ecke. Der Chor steckt in Unisex-Kellner-Dienstkleidung.

Foto © Kerstin Schomburg

Einstu­diert von Marbod Kaiser, gerieren sich Chor und Extrachor des Landes­theaters als vokale Schla­getots, deren undif­fe­ren­ziertes Fortissimo gegen die Wände des Audito­riums knallt.

Das Sympho­nische Orchester des Landes­theaters unter Lutz Rademacher nimmt die Ouvertüre zwar ein wenig vorsichtig, aber mit samtenem Strei­cher­klang. Später verlieren sich dynamische Abstu­fungen und der Sinn für die Archi­tektur der Kompo­sition. Immerhin sind satte Klänge in den tiefen Strei­chern und einige schöne Passagen der Holzbläser zu vernehmen.

Derrick Ballard als erfah­rener und versierter Holländer weiß intel­ligent zu phrasieren und Spannungs­bögen zu gestalten. Oft ist Ballards Sprach­be­handlung vorbildlich.  Susanne Serflings Senta fokus­siert sich auf die exponierten Töne, die im Lauf des Abends an Leucht­kraft gewinnen. Der Daland von Christoph Stephinger wechselt klug zwischen seriöser und Buffo-Attitüde. Ewandro Stenzowskis Erik setzt sich durch­schlag­kräftig in Szene, seine Phrasierung kann noch gewinnen. Stephen Chambers Steuermann tönt viril über das Liedhafte seiner Partie hinweg. Lotte Kortenhaus lässt als Mary mit unange­strengter stimm­licher Dramatik aufhorchen.

Der frene­tische Beifall, in den alle Betei­ligten einge­schlossen werden, nimmt sich im Verhältnis zu den eher soliden Leistungen des Abends befremdlich aus.

Michael Kaminski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: