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Herz in Flammen

IL TROVATORE
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
10. September 2017
(Premiere)

 

Oper Frankfurt

Noch immer eilt dem Trovatore bei einem erheb­lichen Teil des Publikums der Ruf voraus, die Handlung sei völlig konfus. Wo drama­tur­gische Stringenz fehle, richte auch der fähigste Regisseur wenig aus, allen­falls lasse sich auf ein Fest der Stimmen hoffen. Die Premiere zur Spiel­zeit­er­öffnung der Frank­furter Oper unter­nimmt nichts, um dieses Vorurteil zu entkräften.

David Bösch stellt Bilder und arran­giert Tableaus. Die Figuren­kon­stel­lation bleibt im Dekora­tiven stecken. Der Abend läuft auf das entschiedene Bekenntnis zu hübschen Grüppchen hinaus. Bekenntnis wohlge­merkt, denn oft fehlt dem Arrangeur schlicht die Optik, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Bösch, der vom Schau­spiel kommt, scheint für verlorene Liebesmüh‘ zu halten, im Musik­theater Motive und Tiefen­schichten auszu­loten. Die Akteure bleiben daher weitgehend sich selbst und ihren jeweils mehr oder minder vorhan­denen darstel­le­ri­schen Gaben überlassen.  Inzwi­schen wird derart vorsint­flut­liche Spiel­leitung meist selbst an mittleren Bühnen im romani­schen Sprachraum kaum mehr geduldet. Wenngleich sie dort in der Regel immerhin handwerklich in Ordnung geht.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Das Bühnenbild von Patrick Bannwart bietet durchaus Optionen für ernst­zu­neh­mende Regie­arbeit. Nahegelegt wird eine Bürger­kriegs­si­tuation. Vor einem abstrakt-expres­sio­nis­ti­schen Hinter­grund­pro­spekt in Schwarz und Grau beherrscht ein Panzer inmitten eines zerschos­senen Waldes wiederholt die Szene. Azucena bewohnt einen schrott­reifen Wohnwagen. Überhaupt zeigt das Lager des fahrenden Volks viel Liebe zum Detail, so ein aus Autowrack und Vorderteil eines Pferde­wagens kombi­niertes Vehikel.  Später wird für Azucena  ein zwar nicht annähernd exeku­ti­ons­taug­licher, dafür aber optisch attrak­tiver Schei­ter­haufen aus mikado­artig zusam­men­ge­steckten Ästen und Zweigen aus der Versenkung gefahren, über dem final der Umriss eines monumen­talen Herzens in Flammen aufgeht. Vor purem Kitsch bewahrt dieses Bild, dass es in braunes Streu­licht getaucht ist.

Foto © Barbara Aumüller

Die in unspe­zi­fi­scher Weise der Gegenwart angenä­herten Kostüme verant­wortet Meentje Nielsen. Manrico in Strei­fenhose und Leder­ja­ckett gehört modisch ins mediterrane Halbwelt­milieu. Leonora kommt in rosafar­benem Plisseerock und gepunk­tetem Oberteil weniger züchtig als spießerhaft daher. Am langen Solda­ten­mantel Lunas klimpert reichlich Ordens­la­metta. Nebenbei bemerkt, wider­sprechen solche am Mantel befes­tigten Auszeich­nungen dem Uniform­re­glement. Auch im Klosterbild zeigen sich verfehlte Kostüm­de­tails.  Zwar sehen Novizinnen, die die ewige Profess ablegen, also dauerhaft in den Orden eintreten, tatsächlich wie Bräute aus, aber keine von ihnen trägt ein ärmel­loses Kleid wie eine der Choris­tinnen. Attraktiv gesehen dagegen sind die Reisigen. Sie bestehen mehrheitlich aus Jahrmarktgauklern.

Der von Tilman Michael einstu­dierte Chor der Oper Frankfurt übt im Lager der Fahrenden äußerste vokale Zurück­haltung.  Wenn auch die volks­tüm­liche Deftigkeit des angeblich lustigen Lebens der Reisigen nicht vermisst wird, so muss nicht unbedingt ein Chorwerk wie von Mendelssohn daraus gemacht werden. Ansonsten entledigt sich der Chor seiner Aufgabe unauf­fällig zweckdienlich.

Mit dem Opern- und Museums­or­chester setzt Jader Bignamini auf zügige bis forsche Tempi, federnde Eleganz, feine dynamische Abstu­fungen, Sänger­freund­lichkeit und höchst ausge­wo­genen Ensem­ble­klang, Kapell­meis­ter­tu­genden, die kulti­viertes Musizieren und drama­tische Verve vereinen.

Piero Pretti als Manrico gestaltet leiden­schaft­liche Bögen und findet zu schönen Piani. Das hohe C der Stretta ist achtbar, wenngleich ohne Charisma. Die Leonora der Elza van den Heever sorgt für die vokalen wie darstel­le­ri­schen Glanz­lichter des Abends.  Van den Heever geht bruchlos vom zartesten Piano zu lyrisch-empha­ti­scher Strahl­kraft und drama­ti­scher Attacke über. Brian Mulligan verfügt über die hohe Tessitura der echten Verdi-Baritone, was ihm erlaubt, seine Partie ganz auf Linie zu singen. Die Spitzentöne sitzen perfekt. Darstel­le­risch fehlt Mulligan die Anleitung durch den Regisseur. Erst zur General­probe für die erkrankte Tanja Ariane Baumgartner einge­sprungen ist Marianne Cornetti. Ihre Azucena wird von großer Erfahrung in dieser Partie geprägt. In der Kerker­szene berührt Cornetti durch eindring­liche Lyrismen. Kihwan Sim ist ein markanter Ferrando.

Starker Beifall für die musika­li­schen Akteure. Zahlreiche Buhrufe für das Regieteam, vor allem für David Bösch, der vor den szeni­schen Heraus­for­de­rungen des Trovatore schlicht kapitu­liert und das Frank­furter Premie­ren­pu­blikum intel­lek­tuell weit unterfordert.

Michael Kaminski

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