O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Magali Dougados

Premiere der Premiere

LE NOZZE DI FIGARO
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
13. September 2017
(Premiere)

 

Grand Théâtre de Genève

Er hat bei Götz Friedrich, Jean-Pierre Ponnelle und August Everding gelernt. Seine letzte Insze­nierung der Hochzeit des Figaro war als Intendant an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Seit 2009 leitet er das Grand Théâtre de Genève. In Genf hat er aller­dings nicht insze­niert. Mit umso größerer Spannung wird nun der Einstand von Tobias Richter am eigenen Haus erwartet. Er hat dazu den Mittelteil der derzeit statt­fin­denden Trilogie de Figaro gewählt: Le Nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Haus ist wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.

War beim Barbiere di Siviglia ein von einem Pfeil durch­bohrtes Herz zu Beginn der Aufführung auf den roten Vorhang proji­ziert worden, ist es jetzt ein Doppelherz. Und natürlich wissen wir, was es bedeutet. Le Nozze di Figaro ist so oft aufge­führt worden – was soll man diesem Werk künst­le­risch noch neu hinzu­fügen? Richter entscheidet sich für eine handwerklich-solide Inter­pre­tation und setzt Künst­ler­namen auf die Gäste­liste des Ensembles, die mindestens in der Schweiz aufhorchen lassen. Das Bühnenbild ist in der Grund­linie durch die Trilogie vorge­geben. Der Entwurf stammt vom inzwi­schen 94-jährigen Ralph Koltaï, der aller­dings nicht, wie ursprünglich angenommen, auf die beiden gleichen beweg­lichen Wände setzt, sondern vielmehr die Grundidee der beiden Wände für jedes einzelne Stück durch­de­kli­niert. Richter braucht gleich sechs Wände inklusive Umbau­pause. Trotzdem funktio­niert die Idee und sogar besser als im ersten Teil der Trilogie. Wurden dort die Wände im späteren Verlauf teilweise doch eher unmoti­viert bewegt, wirkt der Einsatz im zweiten Teil wesentlich durch­dachter und moderner bis hin zur Abstraktion in der Gartenszene.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Sue Blane setzt der Moder­nität die histo­ri­sie­renden Kostüme aus der Entste­hungszeit der Oper entgegen, was für einen hohen Wieder­erken­nungswert und vor allem eine angemessene Veredelung sorgt. Schließlich ist Rosina inzwi­schen die Frau des Fürsten Almaviva und der Edel-Coiffeur mit ins Schloss gezogen. Linus Fellbom bleibt seiner Licht­ge­staltung treu, verzichtet diesmal auf überbor­dende Effekte und verlässt sich lieber auf grund­le­gende Stimmungs­ein­stel­lungen. Das geht genauso in Ordnung wie die Perso­nen­führung von Richter. Der lässt zwar auch häufiger das Personal an die Rampe treten, erweitert aber den Bühnenraum auf den Raum zwischen Graben und erster Sitzreihe und sucht in diesen Räumen den Kontakt zum Publikum. Ein ausge­wo­genes Maß an Bewegung, darunter freilich auch viel allzu bekannte musik­thea­tra­lische Gestik, aber auch immer wieder der Beweis, dass Mozart Tanzmusik geschrieben hat, sorgen für Kurzweil und auch Spaß – etwa wenn Marcellina und der Dirigent ein kleines Trink­gelage während ihrer Arie veranstalten.

Regula Mühlemann als Susanna – Foto © Magali Dougados

Guido Loconsolo ist der zweite Figaro der Trilogie – und fällt um Welten hinter dem ersten ab. Zwar gibt es stimmlich keine Einwände, aber darstel­le­risch bleibt er so blass, wie man lange keinen Figaro gesehen hat. Und so wird Graf Almaviva Held des Abends. Ildebrando d’Arcangelo verausgabt sich in jeder Hinsicht. Gesanglich wird er ohnehin längst als Mozart-Spezialist gefeiert. Hier zeigt er, warum man ihn auch aus tänze­ri­scher und schau­spie­le­ri­scher Sicht mögen muss. Sein Einsatz ist großartig. Regula Mühlemann gilt seit dem Erscheinen ihres ersten Albums in der Schweiz als kleines Stimm­wunder, ist aber auf dem inter­na­tio­nalen Parkett bislang erst zaghaft angekommen. Das muss sich für jeden dringend ändern, der ihre Susanna erlebt hat. Als Rosina begeistert Nicole Cabell. Avery Amereau singt und spielt den Cherubino einwandfrei, bleibt aber hinter den Erwar­tungen dieses luciden, engels­gleichen Wesens zurück, das nicht von dieser Erde scheint. Ein Sonderlob verdient Melody Louledjian, die aus dem Opern­studio als Einsprin­gerin eine ganz wunderbare Barbarina abliefert. Das nächste Lob geht an Richter, der Fabrice Farina als Don Curzio nicht stottern lässt. Auch so kann Farina der Rolle viel Spaß abgewinnen. Er beweist, dass körper­liche Beein­träch­ti­gungen nicht notwendig sind, um Lacherfolge zu garan­tieren. Vielen Dank. Monica Bacelli verdient sich ihre Lorbeeren als Marcellina, so wie die Neben­rollen adäquat besetzt sind.

Ein wahres Gesangs­ver­gnügen, dem auch der Chœur du Grand Théâtre de Genève in der Einstu­dierung von Alan Woodbrigde in nichts nachsteht.

An diesem Abend steht Marko Letonja dem Orchestre de la Suisse Romande vor. Mit etwas mehr Ernst­haf­tigkeit und inten­sivem Einsatz für die Sänger gelingt ihm auch eine bessere Balance zwischen Bühne und Graben als am Vorabend. Den Einsatz des Cembalos gibt er an Xavier Daml ab, der sich diskret, aber ausge­sprochen wirkungsvoll im Hinter­grund hält.

Das Publikum, das sich am Vorabend mit inten­sivem Szenen­ap­plaus aufdrängte, hat, so scheint es, gelernt, dass ein Übermaß an Klatscherei eher störend als hilfreich ist. So reduziert sich der heutige Applaus auf einige, wenige Stellen und wird stark verkürzt. Das ist angenehm und angesichts einer dreiein­halb­stün­digen Aufführung auch dem Fortgang förderlich. Zum Schluss aller­dings gibt es kein Halten mehr. Ensemble, Musiker und Leitungsteam werden gleicher­maßen mit Applaus und Bravo-Rufen bedacht, was angesichts der ausge­gli­chenen Leistung angebracht ist.

David Pountney und Tobias Richter wollen in ihrer Trilogie Brücken schlagen zwischen den Geschichten von Pierre Beaum­ar­chais. Mit Il Barbiere di Siviglia und Le Nozze di Figaro ist das gelungen. Die Brücke in die Gegenwart wird länger und steiniger.  Musika­lisch wird es so gut wie keine Rossini- oder Mozart-Zitate geben, die Orchester-Besetzung Mozarts wird erweitert um Akkordeon und Schlagwerk. Kompo­nistin Elena Langer verspricht für den dritten Abend einen „bitter­süßen Sinn von Humor“.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: