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Foto © O-Ton

Jo und Jan rocken die Kirche

BACH & ZELENKA
(Johann Sebastian Bach, Jan Dismas Zelenka)

Besuch am
20. September 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Basilika

Wie können wir die Kirche – und deren Besuch – für die Menschen attraktiv gestalten? Eine Frage, die auch Jo und Jan schon beschäftigt hat. Ihre patente Antwort: Wenn wir die richtige Musik machen, werden die Leute schon kommen. Beide könnten vom Glauben kaum unter­schied­licher sein. Der eine ist Luthe­raner, der andere Jesui­ten­zögling, also Erzka­tholik mit Hang zur Selbst­gei­ßelung. Beide schreiben Musik. Jo muss jeden Sonntag, den der liebe Gott schafft, neue Stücke liefern. Da findet schon mal das Parodie­ver­fahren Anwendung: Aus bestehenden Werken werden neue zusam­men­ge­stöpselt, immerhin klanglich an die neuen Texte angepasst. Denn dazu eignet sich die Musik wunderbar – die richtigen Botschaften für die Gläubigen zu vermitteln.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Kurzmesse in g‑Moll von etwa 1738, die zu den so genannten Luthe­ri­schen Messen gehört, die Johannes Sebastian Bach kompo­niert hat. Das Festival Alte Musik Knecht­s­teden stellt sie in der Basilika der Missa Omnium Sanctorum gegenüber, die Jan Dismas Zelenka 1741 schrieb. Es ist also eine Weile her, dass die beiden sich mit den Problemen von heute beschäftigt haben. Ist mithin die Musik längst veraltet oder hilft sie damals wie heute, Menschen für Kirchen­musik zu begeistern? In konven­tio­neller Auffüh­rungs­praxis möchte man kaum den Staub der Parti­turen einatmen. Und das entspräche auch weniger dem Ruf des Festivals.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Wie schon beim Eröff­nungs­konzert ist die Basilika bis auf den letzten Platz gefüllt. Menschen, die in einem Alter sind, in dem man üblicher­weise Pop-Konzerte besucht, sind nicht erschienen. Václav Luks hat den Weg in das Kloster im Kreis Neuss gefunden, um seine Sicht auf die beiden Musiker darzu­stellen. Mitge­bracht hat er sein Ensemble nebst dem 20-köpfigen Chor Collegium Vocale 1704. Was zu diesem Zeitpunkt wohl die wenigsten wissen, ist, dass Chor und Orchester zu großen Teilen aus hochka­rä­tigen Solisten bestehen. Solcher­maßen ausge­stattet, kann Luks bei histo­ri­scher Auffüh­rungs­praxis seinen eigenen Blick­winkel auf die barocke Musik präsentieren.

Václav Luks ist im tsche­chi­schen Rakovník geboren. Seine Ausbildung erhielt er am Konser­va­torium in Pilsen in den Fächern Horn und Cembalo. Später sattelte er auf die Alte Musik und das Dirigat um. Damit hatte er das nötige Rüstzeug zusammen, um in Prag das Collegium 1704 zu gründen. Die Jahreszahl 1704 bezieht sich auf die Aufführung des Jesui­ten­spiels Via Laureata im August dieses Jahres in der Prager Sankt-Nicolaus-Kirche, mit der sich Jan Dismas Zelenka einen Namen in der europäi­schen Musik­szene machte. Dementspre­chend hat sich das Collegium zur Aufgabe gesetzt, die Musik Zelenkas in Europa bekannt zu machen.

Aneta Petrasová – Foto © O‑Ton

Und das ist auch dringend notwendig. Aber ein Orchester wird nicht einge­laden, weil es unbekannte Musiker vertritt, sondern weil es möglichst bekannte Namen im Programm führt. Also fängt man mit Bach an und hängt Zelenka dran. Drama­tur­gisch eine mehr als gelungene Steigerung. „Pracht­volle Chorsätze, kunst­volle Fugen und liebliche Arien“ biete man dem Publikum, klingt es im Vorfeld arg blumig seitens des Festivals. Im Konzert geht es glück­li­cher­weise handfester zu. Druck‑, kraft- und saftvoll bearbeiten die Musiker ihre histo­ri­schen Instru­mente, ohne die Dynamik zu groß werden zu lassen. Da darf man neudeutsch ohne Übertreibung von einem „satten Sound“ sprechen. Nicht langwei­lende, pietis­tische Kirchen­musik quält das Ohr des Publikums; statt­dessen sorgt moderne Musik für Kurzweil und Spannung. Das gilt auch für den frischen Vortrag der Solisten, die beim Gloria Bachs aus dem Chor heraus­treten. Tenor Václav Čižek, Altistin Aneta Petrasová und Bass Tomáš Král – die beiden letzt­ge­nannten werden von Katharina Andres wunderbar solis­tisch an der Oboe begleitet – stellen sich meisterlich der schwie­rigen Akustik der Basilika. Bei Zelenka übernimmt Kamila Mazalová die Alt-Partie und Aleksandra Lewan­dowska gesellt sich mit silbrig-hellem Sopran dazu.

Welcher der beiden Kompo­nisten der bessere Handwerker ist, mögen Musik­wis­sen­schaftler entscheiden, der größere Künstler ist hier im direkten Vergleich Jan Dismas Zelenka, der neben kirchen­mu­si­ka­li­scher Stilistik auch Konzert-Elemente italie­ni­scher und böhmi­scher Prägung einfließen lässt. Da wird im Chor auch schon mal kräftig mitge­wippt, ohne auch nur einen Augen­blick an Konzen­tration einzu­büßen. Und das macht sicher auch einen großen Teil der Wirkung aus: Hier wird nicht künstlich der Kirche gehuldigt, sondern mit viel Freude Musik gemacht. Um das zu erreichen, arbeitet Luks am Pult wie ein Berserker. Als Chorleiter und Instru­men­talist hat er Chor und Orchester gleicher­maßen im Blick, holt die Streicher ebenso mit ausho­lenden Armbe­we­gungen ab, wie er die Choristen mit den flatternden Fingern des Hornisten motiviert. Auch optisch kommt hier viel Spaß auf und so vergehen anderthalb im Fluge.

Jo und Jan wären’s zufrieden gewesen: Mit solcher Musik holt man die Menschen in die Kirche. Findet auch das Publikum und jubiliert.

Michael S. Zerban

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