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Foto © Michael Rathmann

Mythologie im modernen Gewand

DIDO AND AENEAS
(Henry Purcell)

Besuch am
21. September 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Theaterscheune

Mit einem Haufen Strandmüll vor der Bühne erinnert Valerij Lisac beiläufig an die sicht­baren Überbleibsel vieler Flucht­ver­suche, bei denen Verfolgte seit fast 3000 Jahren aus vielen Gründen immer wieder das Mittelmeer als hoffnungsvoll-tragische Route für einen Ausweg genutzt haben – heute wie zur Zeit der Gründung Karthagos um 8oo v.Chr. Statt ein Gemälde des Grauens zu zeichnen, konzen­triert sich Lisac auf das Verhältnis der Prinzessin Dido zum griechi­schen Fürsten Aeneas in der Überlie­ferung des Librettos von Nahum Tate nach Vergil. Dem Interesse und der Spiel­freude der Schüle­rinnen und Schüler zweier örtlichen Gymnasien kommt das sehr entgegen. In schwarze Trikots gekleidet bewegen sie sich oft tanzend fast profihaft auf der Bühne und stellen auch das Team für Licht und Ton. Lediglich für die beiden Haupt­rollen hat sich Regisseur Lisac Profis geholt, in zahlreichen weiteren Rollen unter­stützen Studie­rende der Hochschule für Musik und Tanz Köln die Schüler.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Sinnfällig beginnt das Stück mit der Anekdote um die zerteilte Kuhhaut, mit der Dido auf Geheiß des Königs die Grenzen der neu zu gründenden Stadt Khartago umreißen soll. Fraulich-listig lässt sie die Kuhhaut in lange, dünne Streifen schneiden und kann so König Iarbas Raum für eine neue Stadt abluchsen. Geschickt ersetzt Lisac die Tierhaut durch eine moderne gold-silbern glänzende Rettungs­folie, lässt sie zerteilen und stellt so die Anekdote knapp und aktuell dar. Diese Abstraktion lässt den Zuschauern viel Raum für eigene Assozia­tionen, die von einer Hinter­grund­pro­jektion langsam sich bewegender Meeres­wellen gestützt werden. Erst im Schlussteil wechselt die Farbe des Meeres in blutiges Rot.

Foto © Michael Rathmann

Mit einer längeren Ouvertüre hat das Cölner Barock­or­chester unter Leitung von Peter Seymour die Zuhörer musika­lisch einge­fangen und mit tanzenden oder melan­cho­li­schen Klängen in die Zeit höfischer Musik zurück­ver­setzt. Dabei gelingen ihm gemeinsam mit dem Vokal­quartett Acappe­lonia lebensfroh-leicht­füßige Passagen und Klänge ebenso wie einige schwer­mütige Melodien gegen Schluss der Aufführung. Mancher Zuhörer mag überrascht sein, wenn er sich verge­wissert, das dem Vokal­ensemble vier Stimmen reichen für ihren vollen, facet­ten­reichen Klang. Philipp Lamprecht sorgt mit einer Trommel und Perkus­si­ons­in­stru­menten für einen leben­digen, zwingenden Rhythmus, in dem auch „Knall­ef­fekte“ auf der Trommel nicht fehlen. So können sich die Besucher über ein durch und durch gelun­genes Klangbild freuen, dem man seine 250 Jahre nicht anmerkt. Und die Schüle­rinnen und Schüler wuseln emsig und mit viel Spiel­freude in der alten Remise des Klosters über die Bühne.

Als erzäh­lende Elemente treiben die Gesangs­dar­bie­tungen die Handlung vorwärts. Bethany Seymour als Profi-Sopran und James Gilchrist, erfah­rener Tenor auf vielen Bühnen, überra­schen mit raumfül­lender Stimme und Ausdrucks­stärke.  Theresa Klose und Anna Lautwein, beide Sopran, unter­stützen ihre Gefährtin Dido spiele­risch und gesanglich wirkungsvoll. Ein darstel­le­risch wie stimmlich besonders wirkungs­volles und ansehn­liches Trio bilden Basak Ceber, Chris­tiane Mayer und Anna Lautwein als herrlich verrückte Hexen. Einen flatterig-schwe­benden Geist gibt Luca Segger, abschließend taucht noch Maximilian Fieth als gewich­tiger Sailor auf.

Henry Purcell, ein bei uns wenig bekannter, in seinem Heimatland England dafür als „orpheus britan­nicus“ geehrter Barock­kom­ponist des 17. Jahrhun­derts, hinter­lässt mit seiner Oper Dido und Aeneas eine für die Zeit der Fürsten­feste typische, hoch elegante Kompo­sition höfischer Musik, die noch nichts von ihrer Leben­digkeit verloren hat. Dem a‑capella-Chor und dem kleinen Orchester gelingt es bestens, barocke Lebens­freude zu übermitteln. Neben einem unter­halt­samen zeitge­mäßen Opern­abend mit einer leben­digen, fröhlichen bis senti­men­talen Barock­musik erleben die Zuschauer, dass es dem Festival Alte Musik in Knecht­s­teden ein weiteres Mal gelungen ist, Tradition und Zeitgeist mitein­ander zu verbinden und klassische Musik sehr lebendig an eine junge Generation zu vermitteln.

Horst Dichanz

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