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Foto © Ben van Duin

Langeweile pur

COSMOPOLIS
(Eric Sleichim)

Besuch am
22. September 2017
(Urauf­führung)

 

Ruhrtri­ennale, Jahrhun­dert­halle Bochum

Einen glanz­vol­leren Abschluss hätte man der dreijäh­rigen Amtszeit von Johan Simons als Intendant der Ruhrtri­ennale schon gewünscht. Dass Simons Musik­theater Cosmo­polis nach dem gleich­na­migen Roman von Don DiLillo an Aufwand beschei­dener angelegt ist als seine zurück­lie­genden Produk­tionen, wie etwa Glucks Alceste oder Accattone nach einem Pasolini-Stoff, dagegen spricht nichts. Wohl aber gegen ein Stück, das sowohl drama­tur­gisch als auch musika­lisch zu den schwächsten Produk­tionen aller Triennale-Zeiten gehört.

Das Publikum bedankt sich in der voll besetzten Bochumer Jahrhun­dert­halle dennoch artig mit lang anhal­tendem Beifall für die misslungene Urauf­führung. Das Thema von DeLillos Roman aus dem Jahre 2003, der sich wie eine dunkle Vision des später folgenden Banken-Crashs liest, ist nach wie vor aktuell. Bühnen­tauglich ist die Vorlage dennoch nicht. Die langen, sprachlich trocken gehal­tenen Dialoge lesen sich spannend, im Film von David Cronenberg wirken sie schon zäher und in der theatra­li­schen Aufbe­reitung durch Johan Simons und seinen Kompo­nisten Eric Sleichim nur noch langweilig.

POINTS OF HONOR

Musik
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Handlung: Der junge, durch Börsen­spe­ku­la­tionen zum Milli­ardär avancierte Eric Packer fährt in einer Super-Luxus­li­mousine, die er zu seiner reprä­sen­ta­tiven Wohn- und Arbeits­stätte ausgebaut hat, durch New York auf dem Weg zu weiteren Speku­la­tionen und zum Friseur. Im Auto hält er Hof, hier trifft er eine Kunst­agentin, tätigt Geschäfte und vergnügt sich mit diversen Liebschaften, wobei ihn die Realität, etwa Demons­tra­tionen von Globa­li­sie­rungs­gegnern, nur wie Reflexe aus einer fernen, entfrem­deten Welt berührt. Am Ende des Tages ist er nicht nur bankrott, sondern verliert auch noch sein Leben durch einen rachsüch­tigen Angestellten.

Die Verformung des Menschen durch eine künst­liche, digita­li­sierte, auf Papiere und Zahlen beschränkte Welt und der langsame Erkennt­nis­prozess des Roman­helden von der persön­lich­keits­zer­stö­renden Kraft der puren Jagd nach Geld macht den Reiz des Romans aus, der aller­dings nur wenig Stoff für eine bühnen­wirksame Handlung liefert. Und so besteht Simons Adaption aus einer zweistün­digen Folge knochen­trocken rezitierter Dialoge zwischen Packer und seinen wenigen Vertrauten. Und die finale Aussprache zwischen ihm und seinem Mörder, brav auf einer Sitzbank wie in einer gemüt­lichen Talk-Show absol­viert, tötet den letzten Lebensnerv des Stücks.

Foto © Ben van Duin

Komponist Eric Sleichim mit seinen vier Saxopho­nisten des Bl!ndman-Ensembles kann hier ebenso wenig retten wie der „Electro-Boy“ Benjamin Dousse­laere an einem elektro­ni­schen Mischpult, der das Publikum ab und zu mit ein paar pisto­len­ar­tigen Knall­ef­fekten erschreckt und die ausschließlich gespro­chenen Dialoge mit einer belang­losen Geräusch-Sauce überzieht. Die Saxophone halten sich in der Regel außerhalb des Blick­felds auf und zitieren aus weiter Ferne ein paar an Bach und Satie angelehnte Klänge, die die Tristesse des matten Trauer­spiels noch verstärken. Musika­lisch eine absolute Nullnummer.

Und szenisch siedelt Simons das Geschehen auf einem Kinder­spiel­platz an, da Kinder, so Simons, ebenso wie die selbst­herr­lichen Börsen­spe­ku­lanten „die Geschicke der Welt wie Götter im Olymp lenken, ohne selbst betroffen zu sein.“ Eine kühne Analogie, die vorn und hinten nicht aufgeht. Der Mörder, darge­stellt von Bert Luppes, spielt im Sandkasten, Elsie de Brauw als Packers Ehefrau und der Sicher­heitschef Mandela Wee Wee schaukeln, und Eric Packer macht es sich auf einer Kinder­sitzbank gemütlich. So banal die Szenerie von Bettina Bommer wirkt, so zäh verdickt sich der Ablauf des Werks.

Schade. Der Abschied von Johan Simons hätte einen glänzen­deren Rahmen verdient.

Pedro Obiera

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