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LUTHERNACHT – GELD.MACHT.MUSIK
(Diverse Komponisten)
Besuch am
22. September 2017
(Einmalige Aufführung)
Einige Besucher dieser intimen Abendveranstaltung in der riesigen Basilika des Klosters Knechtsteden mögen beim Blick auf das Podium vor dem abgedunkelten Altarraum ihren Augen nicht trauen: Mehr als 20 Blockflöten unterschiedlichster Größe und Tonlage warten darauf, vom dem B‑Five Blockflöten Consort zum klingenden Leben erweckt zu werden. Ob es die kleine Sopranino-Flöte oder das mannshohe Großbassinstrument ist, der Atem der Musiker muss reichen, diesen oft sehr voluminösen „Rohren“ sanfte, feste, harte oder leichtfüßig getupfte Töne zu entlocken, hohe Tonwellen flirren zu lassen oder einen soliden Bass zugrunde zu legen – das Ensemble schafft das mit Virtuosität und Spielfreude.
Quasi als Kontrapunkt wechseln sich Flöten mit zarten, von der Laute begleiteten Liedern ab, die Franz Vitzthum mit Countertenorstimme vorträgt. Viele der Lieder stammen aus dem Umfeld Martin Luthers, der selbst ein begeisterter Lauten-Hausmusiker und Komponist war, von ihm stammen zwei Lieder im Programm. Julian Behr ist ein zurückhaltender, verhalten spielender Lautist, der Vitzthum allen Raum lässt zur Entfaltung seines hellen, voluminösen Countertenors. Und dem gelingt es tatsächlich, ob vom Altarraum her oder aus der Mitte des hohen Kirchenschiffes trotz halliger Akustik wunderschöne, sanft und voll klingende Lieder zu intonieren, die durch das Kirchenschiff schweben. Luther hätte gewiss seine Freude an diesen Liedern gehabt. Dass in diesem Kirchenraum die zarten Töne der Laute, diesem Hausinstrument, mehr als einmal verloren gehen, muss man wohl beim Verzicht auf jegliche Elektronik in Kauf nehmen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Das B‑Five-Blockflöten Consort sowie Frantz Vitzthum und sein Begleiter Julian Behr präsentieren ein Programm, in dem sich Kirchenlieder, Motetten und Stücke für die damalige Hausmusik abwechseln. Jakob Fugger, überaus erfolgreicher Kaufmann und Bankier aus Augsburg, machte sich auch als Mäzen und Instrumentensammler im süddeutschen Raum einen Namen. Auf zwei der von ihm gesammelten Musikhandschriften greift das Flöten-Quintett zurück und erweckt Kompositionen religiösen wie weltlichen Charakters zu musikalischem Leben. Mit Werken von Josquin Desprez, Antoine Brumel, Heinrich Fink und Ludwig Senfl präsentiert es eine vielgestaltige Auswahl damaliger Kompositionen und gibt den Zuhörern ein reichhaltiges Bild damals populärer Musik. Dabei wechseln immer wieder die Stimmlagen der Flöten und die Zusammenklänge, die gleichwohl einen bestens abgestimmten harmonischen Klang ergeben.

So erhalten die Zuhörer einen intensiven Eindruck davon, weshalb für Luther das gemeinsame Musizieren und Singen Ausdruck seiner Theologie ist, so dass er die Musik als ein „herrlich und göttlich Geschenck und Gabe“ bezeichnet. Und die mit viel Freude und Lebendigkeit vorgetragenen Motetten und Tänze im Umfeld des Geldbürgers Fugger holen ein wenig das wachsende Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums mit seiner Lebens- und Tanzeslust in die ehrwürdige Basilika, die sonst eher den Eindruck einer dunklen Festung vermittelt.
Ein wenig getrübt wird die Freude an diesem musikalisch-künstlerisch gelungenen Abend durch eine Reihe von unnötigen und leicht zu behebenden Unzulänglichkeiten, von denen hier nur einige genannt sind: Fehlende oder unzureichende Beschilderung und Namensschilder, unübersichtliche Programmhefte, Fehler bei der akustischen Versorgung der Zuhörer … Hier wäre eine Zusammenarbeit mit Studierenden des Studiengangs Eventmanagement empfehlenswert, der von über 50 Hochschulen in Deutschland auch in direkter Nachbarschaft angeboten wird.
Horst Dichanz