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ANJA HARTEROS
(Liederabend)
Besuch am
24. September 2017
(Einmalige Aufführung)
Anja Harteros, die Elsa im künftigen Bayreuther Lohengrin, gefeierte Sängerin mit dem weit gespannten Repertoire von der Figaro-Gräfin bis zur Aida, teilt mit vielen ihrer Kollegen die Liebe zum intimen Liedgesang. Nun wachsen zwar Opern- und Liedgesang an einem Baum, sind jedoch nicht unbedingt aus dem gleichen Holz geschnitzt. Gerade große Opern-Karrieren erleichtern nicht unbedingt den Zugang zur kleinen Schwester der Oper, dem Lied. Ungefährdet von diesem Problem sind auch die Lied-Ambitionen von Anja Harteros nicht, die auch dem Essener Publikum spätestens seit ihren fulminanten Auftritten als „Artist in Residence“ vor vier Jahren ans Herz gewachsen ist und die die Vorzüge ihres persönlichen Charismas und ihrer wandlungsfähigen und raumgreifenden Stimme in ihrem jüngsten Liederabend nachhaltig einbringen kann.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Publikum | ![]() |
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Man hört der Sopranistin in jedem Ton die Liebe zum Genre an, und so präsentiert sie ein anspruchsvolles Programm mit ausgefeilten Interpretationen zum Teil weniger bekannter Gesänge von Franz Schubert, Robert Schumann, Alban Berg und Richard Strauss in der halb gefüllten Philharmonie, die den unterschiedlichen Stimmungsgehalt der Lieder pointiert zum Ausdruck bringen. Minutiös feilt sie das Eigenprofil der vielfältig gefärbten Lieder aus. Besonders überzeugend gelingen ihr von erlesener Legato-Kultur getragene Gesangslinien wie in Schumanns Was will die einsame Träne, Schuberts Schwanengesang oder Richard Strauss‘ Waldseligkeit. Und mit der dezent lasziven Gestaltung von Schumanns Hidalgo kann und muss sie auch ihre Opernerfahrung nicht verbergen. Solange sie sich dynamisch zurückhält, kommt ihre gute Diktion und kontrollierte Stimmführung perfekt zur Geltung. Allerdings dreht sie dynamische Höhepunkte, wie etwa in Schumanns Stille Tränen, so weit auf, dass Schärfen und tremolierende Unebenheiten hörbar werden, die die Gesangslinien gefährden und besonders den frühromantischen Gesängen von Schubert und Schumann nicht immer gut bekommen.

Die sieben frühen Lieder von Alban Berg mit ihrer expressionistischen Textur reagieren darauf wesentlich unempfindlicher, zumal Harteros hier sehr klug ihre Stimmfärbung differenziert. Und rundum zur Höchstform läuft die Sängerin dann im Richard-Strauss-Block auf. Der balsamische Grundton eines Liedes wie Allerseelen oder die agile Lebensfreude von Cäcilie kommen ihrer Persönlichkeit glücklich entgegen.
Wolfram Rieger, der erfahrene Mann am Klavier, passt sich dem Duktus der Sängerin wie ein Handschuh an und gefällt durch noble, aber keineswegs blasse Zurückhaltung, so dass von nahezu idealer harmonischer Übereinstimmung gesprochen werden kann.
Das Publikum reagiert entsprechend begeistert, nervt freilich durch voreilige Klatscher an den falschen Stellen.
Pedro Obiera