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Foto © Matthias Stutte

Angst zwischen den Welten

DEINE LIEBE IST FEUER
(Mudar Alhaggi)

Besuch am
30. September 2017
(Premiere am 15. September 2017)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Fabrik Heeder

Eine Flucht beginnt nicht an den Ufern des Mittel­meers, sondern in den Köpfen von Menschen, die in solch unerträg­liche Lebens­um­stände geraten, dass ein Verbleib am Ort des Geschehens unmöglich erscheint. Die Vorstellung, in einer Wohnung leben zu müssen, die mitten in einem Kriegs­gebiet liegt, Schuss­ge­fechte vor der Haustür, Bomben­ein­schläge im Hinterhof, dürfte den meisten Menschen, die Flücht­lingen die Hilfe verweigern, zu abstrakt sein, als dass sie ihr Geschwafel von Obergrenzen unterließen.

Hala und Rand sind zwei junge Frauen, die in einer Wohnung in Damaskus leben. Irgendwann in dem Zeitvakuum zwischen dem Arabi­schen Frühling und heute, wie die Uhr ohne Ziffern andeutet. Hala wartet auf den Bescheid, dass ihre Ausreise nach Beirut offiziell genehmigt wird. Rand möchte genauso dringend aus der Mause­falle, hängt aber an ihrem Freund, dem Wachsol­daten Khaldoun, der überra­schend auftaucht, weil er 24 Stunden Urlaub bekommen hat. Er will nicht deser­tieren, um mit Rand ins Ausland zu fliehen, weil er Angst um seine Mutter und seine Schwestern hat. Das ist die Ausgangs­si­tuation des Stücks Deine Liebe ist Feuer von Mudar Alhaggi, das Rafat Alzakout nach einer Übersetzung aus dem Arabi­schen von Sandra Hetzl und Nicola Abbas als deutsche Erstauf­führung in der Fabrik Heeder, einer Außen­spiel­stätte des Theaters Krefeld Mönchen­gladbach, insze­niert hat.

Foto © Matthias Stutte

Die Studio­bühne hat Lydia Merkel einge­richtet. Die Zuschauer des Kammer­spiels sitzen u‑förmig um die Bühne – scheint gerade en vogue zu sein, die zusätz­lichen Karten­ver­käufe sind sicher willkommen, wenn denn die Karten verkauft werden – deren weiße Rückwand ausrei­chend Platz für ein paar Videos von Carola Schmidt und Juma Hamdo bietet. Anfangs ein paar Zusam­men­schnitte aus Syrien, später die Live-Übertragung eines Schau­spielers. Da wäre sicher mehr drin gewesen. Die Bühne selbst minima­lis­tisch. Ein Rahmen, der mit Patro­nen­hülsen ausgelegt ist, bildet den Wohnraum. Eine Matratze auf dem Fußboden, ein fahrbares Sofa im Vorder­grund mit einem Beistell­tisch und ein paar Acces­soires bieten ausrei­chend Anhalt für den Handlungs­rahmen. Die Kostüme, ebenfalls von Merkel, sind zeitlos, lassen aber wenigstens Hala ziemlich blass aussehen. In wenig schlüs­siges Licht wird die Bühne von Detlev Voormann gesetzt, der zudem mit dem Timing hinter­her­hinkt. Das wirkt ebenso lieblos wie der Ton, den Conan Filde­brandt einspielt. Das liegt aber sicher weniger am Tonmeister als an der Fanta­sie­lo­sigkeit des Regisseurs.

Alzakout zeigt hier Sprech­theater aus vergan­genen Jahrzehnten. Das Buch hat sicher seine Schwächen, und die deutsche Übertragung wirkt vor allem im ersten Teil auch nicht immer gelungen. Das kann aber für die Einfalls­lo­sigkeit des Regis­seurs keine Entschul­digung sein. Die brenzlige Ausgangs­si­tuation lässt er ebenso verpuffen wie die Schreib­blo­ckade des Autors, der zum Stück hinzu­tritt. Er ist längst nach Beirut, später nach Berlin geflohen, landet schließlich in einem Aufnah­me­lager in Thüringen – und findet keinen Fortgang für sein Theater­stück. Statt des psycho­lo­gi­schen Konflikts stehen die Pausen im Vorder­grund, die entstehen, weil der Autor das Stück nicht weiter­schreibt. So löblich es seitens des Theaters ist, eine Reihe außer­eu­ro­päi­scher Gastspiele zu instal­lieren, so wenig reicht es, sie irgendwie auf die Bühne zu bringen.

Da können auch die Schau­spieler nur noch wenig retten. Adrian Linke hat als Autor manchen ewigen Monolog im Stehen oder Sitzen zu bewäl­tigen. Selbst­ver­ständlich gelingt ihm das tadellos, weil er hier vom Regisseur weit unter Wert verkauft wird. Als Hala gibt Carolin Schupa ihren Einstand im Ensemble. Sympa­thische Ausstrahlung und Spiel­freude werden erkennbar, hier und da blitzen auch schon mal kurze Momente auf, die erkennbar werden lassen, warum sie ihr Engagement bekommen hat. Profi­lieren wird sie sich in späteren Rollen. In der Gegend rumsitzen und bedeu­tungsvoll ins Leere schauen kann sie dank Alzakout jetzt schon. Ähnlich verhält es sich bei Vera Maria Schmidt, die als Rand immerhin auch schon mal so etwas wie erotische Anflüge zeigen darf und wirklich gefällt. Die dankbarste Rolle übernimmt Philipp Sommer, der als Khaldoun Handlungs- und Emoti­ons­treiber ist, ehe er zum Schluss abser­viert wird.

Mit schöner Stimme trägt Schupa zum Schluss das Gedicht Deine Liebe ist Feuer vor, ehe sie die letzte Kerze ausbläst. „Das Meer ist kleiner als ein Tropfen Tau und weiter als die Grenzen der Seele“, heißt es in den letzten Zeilen der arabi­schen Schnulze, die dem Stück seinen Namen gab. Dem Publikum gefällt das, und es applau­diert herzlich vor allem den Schau­spielern ob ihrer Leistung außerhalb der Pausen. Schau­spiel­di­rektor Matthias Gehrt darf sich über seine Neuzu­gänge freuen.

Michael S. Zerban

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