O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Achim Reissner

Räume erweitern – Klänge verdichten

KLANGRÄUME
(Kaija Saariaho, Sergei Prokofjew)

Besuch am
1. Oktober 2017
(Einmalige Aufführung)

 

31. Nieder­säch­sische Musiktage, NDR-Sendesaal Hannover

Vielfarbige Schein­wer­fer­spots verwandeln die akusti­schen Decken­segel im großen Sendesaal des Norddeut­schen Rundfunks in Hannover in ein buntes, fröhliches Decken­mosaik, das eine perfekte Atmosphäre schafft für eine Perfor­mance, in  der eine Schüler­gruppe der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover  Räume und Klänge dieses Abends in vielfältige Bezie­hungen zum Programm setzt: Raum – ein facet­ten­reiches Festi­val­thema der 31. Nieder­säch­si­schen Musik­fest­spiele, die heute Abend hier zu Ende gehen.

Eine junge Dame, Ece Karbuz, Schülerin der zehnten Klasse, tritt vor ein Pult, das „Dirigen­tenpult“, und gibt mit großen Gesten und Zeichen Signale in den Zuschau­erraum. Von fast einem Dutzend Plätze antworten elektro­nische Klänge, Schüle­rinnen und Schüler schwenken große Kugel­laut­sprecher im Rhythmus des „Dirigates“ ihrer Mitschü­lerin, lassen Töne langsam durch den Raum schweben, heben zitternde Passagen in die Höhe, lassen Basstöne im Dunkeln verschwinden, immer synchron zu den gesti­schen Anwei­sungen von der Bühne. Die Zuhörer erleben Töne hinter sich, über sich, rund um sie herum elektro­nisch generierte Forti oder leise dahin summende Piano-Passagen. An der Decke und den Wänden schaffen und begleiten Schein­werfer und Spotlights Farbef­fekte, huschen farbige Punkte über die Wände oder tauchen die Bühne in gleißendes Licht – ein ständig sich verän­dernder Dialog von Schüle­rinnen und Schülern mit der Kompo­sition von Kaija Saariaho und dem Klangraum des Saal. Hier gehen Klang und Raum in einander über.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Die Kompo­nistin Kaija Saariaho führt die Besucher in die Welt der elektro­ni­schen Musik, sie erfindet compu­ter­ge­stützte Kompo­si­tionen und mischt speicher­ge­stützte Arbeiten  mit Live-Elektronik. Unter der versierten Leitung von Jukka-Pekke Saraste beginnen die gut 100 Musiker der Jungen Deutschen Philhar­monie, eine lebendige, neue Tonsprache zu präsen­tieren. Ob ihre eigenen Stimmen, ihre Instru­mente, ob analog und digital verfremdet,  ob stärkstes Fortissimo oder zarte Piano-Passagen, den jungen Musikern gelingt es, auch mit dieser elektro­ni­schen Musik eine angenehme Spannung zu erzeugen, die bei den Zuhörern ankommt.

Jukka-Pekka Saraste – Foto © Felix Bröde

In starkem Kontrast zu dieser Kompo­sition steht das strengen Kompo­si­ti­ons­regeln folgende Klavier­konzert von Sergei  Prokofjew, mit dem Tzimon Barto als Solist das Konzert fortsetzt. Der vielseitig begabte Pianist wendet sich gern und engagiert der zeitge­nös­si­schen Musik zu und präsen­tiert mit Prokofjews Klavier­konzert eine besonders populäre Kompo­sition der Neuen Musik. Von klassi­zis­ti­schen oder roman­ti­schen Elementen bis hin zu Jazzein­würfen bieten die drei Sätze des Klavier­kon­zertes Barto alle Heraus­for­de­rungen, die ein moderner Pianist beherr­schen muss. Ob es roman­tische Passagen, atembe­raubend schnelle Läufe oder Akkord­kas­kaden sind, Barto gestaltet sie. Schade, dass die Klavier­pas­sagen gegenüber dem großen Orchester doch einige Male in den Hinter­grund treten.

Auch der abschlie­ßende Teil, die Sinfonie Nr. 4 von Carl Nielsen, um 1915 entstanden, hält die Zuhörer in der Moderne. Hier überrascht Nielsen mit ungewohnten Disso­nanzen und zahlreichen Wechseln zwischen Orchester und Soloin­stru­menten, ob Oboe, Horn oder auch Kontrabass. Beein­dru­ckend und wahrlich aufrüt­telnd erleben die Zuhörer im vierten Satz ein spekta­ku­läres Pauken­duell, das den Klangraum der Aufführung neu ausmisst.

Ein begeis­tertes Festspiel-Publikum bedankt sich enthu­si­as­tisch mit minuten­langem Beifall bei Tzimon Barto, J.P. Saraste und der Jungen Deutschen Philhar­monie, denen es gelungen ist, mit jungen Musikern einen Kontakt zu einer modernen Musik zu knüpfen, der sich viele der Zuhörer nicht ohne Weiteres stellen würden. Und dem Schul­projekt „Klangraum Laterna Magica“ der Leonore-Goldschmidt-Schule Hannover gelingt es, nicht nur eine Brücke zwischen „klassi­schen Konzert­be­su­chern“ und einer jungen Generation mit eigenem Musik­ge­schmack zu schlagen, sie macht auf unent­deckte Formate der Begegnung mit moderner Musik aufmerksam. Wenn die Nieder­säch­si­schen Musiktage noch einer Legiti­mation bedürften, dieses Abschluss­konzert hat sie mehrfach geliefert.

Horst Dichanz

Teilen Sie O-Ton mit anderen: