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KLANGRÄUME
(Kaija Saariaho, Sergei Prokofjew)
Besuch am
1. Oktober 2017
(Einmalige Aufführung)
Vielfarbige Scheinwerferspots verwandeln die akustischen Deckensegel im großen Sendesaal des Norddeutschen Rundfunks in Hannover in ein buntes, fröhliches Deckenmosaik, das eine perfekte Atmosphäre schafft für eine Performance, in der eine Schülergruppe der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover Räume und Klänge dieses Abends in vielfältige Beziehungen zum Programm setzt: Raum – ein facettenreiches Festivalthema der 31. Niedersächsischen Musikfestspiele, die heute Abend hier zu Ende gehen.
Eine junge Dame, Ece Karbuz, Schülerin der zehnten Klasse, tritt vor ein Pult, das „Dirigentenpult“, und gibt mit großen Gesten und Zeichen Signale in den Zuschauerraum. Von fast einem Dutzend Plätze antworten elektronische Klänge, Schülerinnen und Schüler schwenken große Kugellautsprecher im Rhythmus des „Dirigates“ ihrer Mitschülerin, lassen Töne langsam durch den Raum schweben, heben zitternde Passagen in die Höhe, lassen Basstöne im Dunkeln verschwinden, immer synchron zu den gestischen Anweisungen von der Bühne. Die Zuhörer erleben Töne hinter sich, über sich, rund um sie herum elektronisch generierte Forti oder leise dahin summende Piano-Passagen. An der Decke und den Wänden schaffen und begleiten Scheinwerfer und Spotlights Farbeffekte, huschen farbige Punkte über die Wände oder tauchen die Bühne in gleißendes Licht – ein ständig sich verändernder Dialog von Schülerinnen und Schülern mit der Komposition von Kaija Saariaho und dem Klangraum des Saal. Hier gehen Klang und Raum in einander über.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Die Komponistin Kaija Saariaho führt die Besucher in die Welt der elektronischen Musik, sie erfindet computergestützte Kompositionen und mischt speichergestützte Arbeiten mit Live-Elektronik. Unter der versierten Leitung von Jukka-Pekke Saraste beginnen die gut 100 Musiker der Jungen Deutschen Philharmonie, eine lebendige, neue Tonsprache zu präsentieren. Ob ihre eigenen Stimmen, ihre Instrumente, ob analog und digital verfremdet, ob stärkstes Fortissimo oder zarte Piano-Passagen, den jungen Musikern gelingt es, auch mit dieser elektronischen Musik eine angenehme Spannung zu erzeugen, die bei den Zuhörern ankommt.

In starkem Kontrast zu dieser Komposition steht das strengen Kompositionsregeln folgende Klavierkonzert von Sergei Prokofjew, mit dem Tzimon Barto als Solist das Konzert fortsetzt. Der vielseitig begabte Pianist wendet sich gern und engagiert der zeitgenössischen Musik zu und präsentiert mit Prokofjews Klavierkonzert eine besonders populäre Komposition der Neuen Musik. Von klassizistischen oder romantischen Elementen bis hin zu Jazzeinwürfen bieten die drei Sätze des Klavierkonzertes Barto alle Herausforderungen, die ein moderner Pianist beherrschen muss. Ob es romantische Passagen, atemberaubend schnelle Läufe oder Akkordkaskaden sind, Barto gestaltet sie. Schade, dass die Klavierpassagen gegenüber dem großen Orchester doch einige Male in den Hintergrund treten.
Auch der abschließende Teil, die Sinfonie Nr. 4 von Carl Nielsen, um 1915 entstanden, hält die Zuhörer in der Moderne. Hier überrascht Nielsen mit ungewohnten Dissonanzen und zahlreichen Wechseln zwischen Orchester und Soloinstrumenten, ob Oboe, Horn oder auch Kontrabass. Beeindruckend und wahrlich aufrüttelnd erleben die Zuhörer im vierten Satz ein spektakuläres Paukenduell, das den Klangraum der Aufführung neu ausmisst.
Ein begeistertes Festspiel-Publikum bedankt sich enthusiastisch mit minutenlangem Beifall bei Tzimon Barto, J.P. Saraste und der Jungen Deutschen Philharmonie, denen es gelungen ist, mit jungen Musikern einen Kontakt zu einer modernen Musik zu knüpfen, der sich viele der Zuhörer nicht ohne Weiteres stellen würden. Und dem Schulprojekt „Klangraum Laterna Magica“ der Leonore-Goldschmidt-Schule Hannover gelingt es, nicht nur eine Brücke zwischen „klassischen Konzertbesuchern“ und einer jungen Generation mit eigenem Musikgeschmack zu schlagen, sie macht auf unentdeckte Formate der Begegnung mit moderner Musik aufmerksam. Wenn die Niedersächsischen Musiktage noch einer Legitimation bedürften, dieses Abschlusskonzert hat sie mehrfach geliefert.
Horst Dichanz