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Foto © Catherine Ashmore

Für die nächste Generation

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
3. Oktober 2017
(Premiere)

 

Live-Übertragung aus der Royal Opera Covent Garden, London, ins Schloss­theater Münster

Mehr als 40 Jahre war John Copleys Insze­nierung von La Bohème ein fester Bestandteil des Spiel­plans der Royal Opera Covent Garden. In der beliebten, sehr detail­lierten, tradi­tio­nellen Insze­nierung gaben sich die berühm­testen Inter­preten ihrer Zeit die Klinke in die Hand. Auf DVD sind Ileana Cortrubas, Neil Shicoff und Thomas Allen festge­halten. Doch wie so oft am Theater ist es Zeit für etwas Neues. Aller­dings werden solche Änderungen mit Skepsis erwartet. Der neue Intendant an der Royal Opera, Oliver Mears, traut der neuen Produktion von Richard Jones jeden­falls eine Menge zu und lässt sie sogar weltweit ins Kino übertragen. Zu Recht: Auch im Schloss­theater Münster stößt die Insze­nierung bei einem recht überschau­baren Publikum auf viel Gegen­liebe. Rhodri Huw sorgt für eine sehr gute Leinwand­in­sze­nierung für die Kinos, die mit klaren Bildern und sehr gutem Ton überzeugt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Jones versucht erst gar nicht, die bekannte Oper neu zu inter­pre­tieren. Dadurch werden großartige Polari­sa­tionen innerhalb der Zuschauer vermieden. Seine Bohème ist in erster Linie einfach klassisch, aber eben auf eine moderne Art. Dafür gibt es dank Stewart Laing neue Bühnen­bilder und Kostüme. Laing setzt auf dezente Andeu­tungen, die völlig ausreichen, die Handlung zu bebildern. Dazu kommt die schöne Ausleuchtung von Mimi Jordan Sherin, die zusätzlich dafür sorgt, dass die Kulisse die Größe und Atmosphäre ausstrahlt, die man an einem Opernhaus wie der Royal Opera erwartet. Der karge Dachboden der Bohemiens ist ein schöner Gegensatz zu den geschickt angedeu­teten Galerien Paris‘, wo der zweite Akt spielt. Nahtlos verwandelt sich die Bühne in das Café Momus und dann in einen offenen Platz mit Laternen. Schade nur, dass der Chor, der, von William Spaulding vorbe­reitet, großartig und rhyth­misch durch­ein­ander singt, zu starr einge­setzt wird. Ansonsten ist die Perso­nen­regie sehr gut geworden. Sprich, die Sänger dürfen, sollen schau­spielern, weshalb auch die Bewegungs­re­gis­seurin Sarah Fahie dazu geholt wurde. Selbst wenn man das Rad in einer klassi­schen Insze­nierung nicht neu erfinden kann, so wird erfri­schend klischeefrei gespielt.

Foto © Catherine Ashmore

Jones hört dabei sehr gut auf die Musik, und Antonio Pappano zeigt deutlich, wie realis­tisch Puccini Emotionen, Natur und Leben inein­ander kompo­niert hat. Dank vieler kleiner Details hört sich diese so oft gespielt Oper fast wie neu an. Da gibt es so viele Kleinig­keiten zu entdecken, und das Orchester der Royal Opera spielt das mit einer Klarheit und Trans­parenz, die beeindrucken.

Bei den Sängern vertraut die Royal Opera auf eine junge, aber schon gestandene Sänger­ge­ne­ration. Fast hätte es ja ein Aufein­an­der­treffen der beiden Siege­rinnen des Gesangs­wett­be­werbs Neue Stimmen 2013 gegeben, den Nicole Car und Nadine Sierra in einem fast legen­dären Finale gewonnen hatten, erst- und einmalig in der Geschichte des Wettbe­werbs. Doch Sierra, die als Musetta vorge­sehen ist, musste aus gesund­heit­lichen Gründen die Produktion absagen, und Simona Mihai darf übernehmen. Ihre wenigen Töne im Trailer machen neugierig, doch leider erkrankt auch sie kurzfristig. Joyce El-Khoury springt dankens­wer­ter­weise in letzter Minute ein, eine optisch ideale Musetta, ihre Stimme hat Schärfen.

Nicole Car ist die Mimì wie auf den Leib geschneidert. Frei von allen Allüren eines Soprans, einfach nur wunder­schön auf der Linie gesungen, dazu auch sehr schlicht, aber auf den Punkt gespielt, ist sie einfach nur bezau­bernd. Michael Fabiano legt den Rudolfo sehr lebendig und weniger schwer­mütig an als viele seiner Kollegen. Nichts­des­to­trotz sind seine Phrasen erfüllt von strah­lender, emotio­naler Eleganz. Dass die obersten Töne eine gewisse Nervo­sität ausstrahlen, muss nur der Vollstän­digkeit halber erwähnt sein. Seine offene Art macht ihn zu einem Teil des Bohemiens-Quartett, das bestens besetzt ist. Der starke Mariusz Kwiecien ist ein authen­ti­scher Marcello, Florian Sempey als Schaunard eine kleine Rampensau und Luca Tittoto ein ganz boden­stän­diger Colline mit warmem Bass.

Vom Londoner Publikum bekommt man nur den mehr als herzlichen Applaus mit. Vom Münste­raner Publikum dagegen das Handy­klingeln im denkbar ungüns­tigsten Augen­blick und leider auch manches Gequatsche. Aller­dings auch das traurige Schnäuzen der Nase im Finale. Typisch La Bohème eben.

Christoph Broermann

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