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Familientreffen im Gruselkeller

THE ADDAMS FAMILY
(Andrew Lippa)

Besuch am
17. Oktober 2017
(Einma­liges Gastspiel)

 

Forum Lever­kusen

Ob als Cartoon, Film, Fernseh­serie oder als Musical: Seit fast 90 Jahren sorgt The Addams Family für softe Grusel-Schauer bei Alt und Jung. Und Andrew Lippas Musical-Version sorgt seit 2009 für inter­na­tionale Dauer­er­folge. Nicht nur am Broadway, sondern auch am Theater Osnabrück, das jetzt mit diesem Kassen­schlager im Lever­ku­sener Forum gastiert. Dass etliche Plätze leer geblieben sind, erstaunt ein wenig. Aller­dings ist der Theatersaal des Forums für eine Stadt wie Lever­kusen auch ungewöhnlich großzügig bemessen.

Dem Vergnügen, das die Aufführung bereitet, tut das keinen Abbruch. Die Figuren haben großen Wieder­erken­nungswert, und der skurrile Wortwitz der grotesken Romeo-und-Julia-Adaption kommt neben dem beacht­lichen Pep in Tanz und Gesang zu seinem Recht. Der junge Regisseur Felix Seiler legt Wert auf lange Dialoge, die ein wenig bildungs­be­flissen mit kultur­ge­schicht­lichen Verweisen auf Kultur­güter vom Wilhelm Tell bis zum Parsifal gespickt sind.

Die musika­li­schen Beiträge geraten dadurch ein wenig episo­denhaft an den Rand gedrängt. Dafür gibt sich Seiler aber alle Mühe, jeder Figur ein markantes Profil zu geben. Ob die Mitglieder der extra­va­ganten, gothic angehauchten Addams-Family oder die der stock­kon­ser­va­tiven, klein­bür­ger­lichen Vorzei­ge­fa­milie der Beinekes. Dass sich ausge­rechnet die fesche Wednesday Addams in Lucas Beineke verknallt, gibt dem Stoff den richtigen Zunder. Das Treffen der Familien nutzt Seiler für feine komische Effekte, die ihren Höhepunkt in flotten, von Kati Farkas fanta­sievoll einstu­dierten Tanzszenen finden.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Auch Kostüm­bild­nerin Linda Schnabel schöpft aus dem Vollen und tobt sich bei der Einkleidung der vom Neander­taler bis zu Marilyn Monroe und Al Capone reichenden Ahnen regel­recht aus. Bühnen­bildner Nikolaus Webern sorgt mit einem wandel­baren Keller­ge­mäuer, angerei­chert mit raumfül­lenden, nebel­ver­han­genen Projek­tionen und bizarren Licht­ef­fekten, für die nötige Stimmung.

Hervor­zu­heben ist die enge Zusam­men­arbeit des Theaters Osnabrück mit Studie­renden des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück IfM. Und die IfM-Studie­renden Lasarah Sattler und Felix Freund als zentrales Liebespaar Wednesday und Lucas setzen besonders frische Akzente. Ebenso wie die mit Studenten besetzte Ahnen­ga­lerie aus der Gruft mit feschem Tanz und Gesang.

Pointiert treffen nahezu alle Darsteller den Nerv ihrer Figuren: Jan Friedrich Eggers und Katarina Morfa als mondänes Elternpaar Gomez und Morticia Addams ebenso wie Genadijus Bergorulko und Susann Vent-Wunderlich als Mal und Alice Beineke mit biederem Beigeschmack, von vielen weiteren effektvoll darge­stellten Neben­fi­guren ganz abgesehen.

An-Hoon Song sorgt mit der nahezu ausschließlich mit Studie­renden der IfM besetzten Addams-Band für den nötigen musika­li­schen Schwung.

Insgesamt ein großer, etwas harmloser, aber mit viel Witz und Pep aufge­mischter Theater­abend, den das Publikum mit entspre­chendem Beifall belohnt.

Pedro Obiera

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