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Foto © Will van Iersel

Wie ein Weihnachtsmärchen

MY FAIR LADY
(Frederick Loewe)

Besuch am
22. Oktober 2017
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Es ist erstaunlich, welchen Aufschwung die Wupper­taler Oper in kurzer Zeit unter der neuen Leitung von General­intendant Berthold Schneider nehmen konnte. Nach einem so anspruchs­vollen wie anstren­genden Kraftakt mit Heiner Goebbels Surrogate Cities/​Götterdämmerung zum Saison­auftakt ist ein wenig Entspannung erlaubt. Die gönnt sich Wuppertal mit der Übernahme einer kunter­bunten und munteren Insze­nierung von Frederick Loewes seit 1956 ungebrochen erfolg­reichem Musical My Fair Lady vom Pfalz­theater Kaiserslautern.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Geschichte um den ehrgei­zigen Sprach­for­scher Professor Higgins, der mit allen Mitteln das in schlimmstem Slang des Londoner Markt­viertels Covent Garden polternde Blumen­mädchen Eliza Doolittle in kurzer Zeit zur sprachlich elabo­rierten „Herzogin“ drillen will, glänzt und schillert in der Insze­nierung von Cusch Jung wie ein schön verpacktes Weihnachts­märchen. Das Auge bekommt viel zu sehen, gesungen wird ordentlich und der Genre-erfahrene Regisseur lässt es sich nicht nehmen, die Tanzszenen selbst und das mit flottem Händchen einzustudieren.

Foto © Will van Iersel

An Humor fehlt es der Produktion nicht, was zu einem beträcht­lichen Teil der überra­genden komödi­an­ti­schen Leistung von Nadine Stöneberg als Eliza zu verdanken ist, die gleicher­maßen virtuos als prole­ta­rische „Rinnstein­pflanze“ wettert und zur gesell­schafts­fä­higen Grande Dame mutiert. Und das mit Musical-gestählter Stimme und vollem Körper­einsatz in Spiel und Tanz. Die Erwar­tungs­hal­tungen werden voll erfüllt, wenn Eliza ihre verzwei­felten Sprech­übungen absol­viert und sich in Ascot zunächst blamiert. Der Unter­hal­tungswert der Insze­nierung ist hoch. Aller­dings bleibt alles in einem harmlos verspielten Rahmen gefangen. Dass Professor Higgins Erzie­hungs­ver­suche von einem bösen Standes­dünkel getragen werden, ohne den Charme und Wert der urwüch­sigen Dialekte oder gar der Menschen erkennen zu können oder wollen, das bleibt außen vor. Die sozial­kri­tische Botschaft George Bernard Shaws geht zudem in der roman­tisch verzu­ckerten Kulisse, mit der Christoph Weyers den sozialen Zündstoff im Prole­ta­rier­viertel von Covent Garden übertüncht, und in den blitz­sauberen, liebevoll kreierten Kostümen von Sven Bindseil verloren. Ohne den ironi­schen Biss Shaws wirkt das Stück, trotz der schwung­vollen Musik, leicht angestaubt. Erst recht, wenn berlinert wird wie in einem Film der 1950-er Jahre.

Dass der Abend dennoch nicht an Schwung verliert, dafür sorgt Michael Cook am Pult des kraftvoll zupackenden Wupper­taler Sinfo­nie­or­chesters. Cook erweist sich als Kenner des Genres, der von walzer­se­ligen Tönen bis zu energie­reichen Chorat­tacken die Fäden fest in Händen hält.

Das vorwiegend mit Gästen besetzte Ensemble führt eindeutig die in jeder Sekunde und jedem Takt präsente Nadine Stöneberg als Eliza. Thomas Braus wirkt als Professor Higgins ohne die chauvi­nis­tische Schärfe, die die Partie braucht, profilarm. Sebastian Campione glänzt als Elizas Vater, der das derbe, aber gutmütige Herz auf dem rechten Fleck trägt; Dagmar Hessenland überzeugt mit einem schil­lernden Rollen­porträt der vornehmen, aber längst nicht so chauvi­nis­tisch wie ihr Sohn angehauchten Mrs. Higgins. Nahezu alle Rollen sind vorzüglich besetzt, der Chor sorgt für Bühnen­leben wie auch das Extra-Ballett der Wupper­taler Bühnen.

Das rechte Stück, um in der bevor­ste­henden Weihnachtszeit die Kassen klingeln zu lassen. Der Wupper­taler Oper sei es ebenso gegönnt wie dem begeis­terten, aber während der Vorstellung recht redse­ligen Publikum.

Pedro Obiera

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