O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Troubadour im Varieté

IL TROVATORE
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
25. Oktober 2017
(Premiere am 30. September 2017)

 

Opernhaus Graz

Schon zu Beginn steht er im Spalt des etwas geöff­neten Vorhangs. Und auch dann taucht er immer wieder auf und mischt besonders kräftig beim Finale mit. Mit seinem weißge­schminkten Gesicht und nackten Oberkörper ist er eine Mischung aus Mephisto und Confé­rencier. Ben Baur wertet bei Giuseppe Verdis Il Trovatore, der heurigen Eröff­nungs­pro­duktion am Grazer Opernhaus, die Figur des Ferrando enorm auf und lässt ihn zum omniprä­senten Beobachter des Geschehens werden, der auch oppor­tu­nis­tisch immer wieder die Seiten wechselt. Zudem trans­fe­riert der Regisseur, der auch für die Szenerie verant­wortlich zeichnet und bereits in der letzten Saison Charles Gounods Romeo et Juliette hier am Haus insze­niert hat, die krude, schaurige Geschichte von Kindsraub und Brudermord, Liebe, Eifer­sucht und Rache ins Varieté-Milieu des Berlins der 1930-er Jahre und zeigt sie aufge­motzt mit Ballett in entspre­chenden Kulissen als Tanz auf dem Vulkan, die im zweiten Teil aus den Fugen gerät.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Diese Konzeption und die mit vielen Neben­hand­lungen und Details aufge­fettete Story ist nicht besonders erhellend und lässt die Handlung nicht plausibler werden. Vielmehr geben etliche Ungereimt­heiten noch mehr Rätsel auf. So sind etwa die gegne­ri­schen Soldaten von den anderen als solche nicht unter­scheidbar. Nach seiner berühmten Stretta wird Manrico gleich von den Soldaten des Grafen festge­nommen. Azucena wird nicht als Gefangene herbei­ge­schleppt, sondern schlendert hochero­tisch mit rotem Kleid locker daher, macht den Grafen an und wagt mit ihm sogar ein eng umschlun­genes Tänzchen. Der schneidet der schon vom Gift gezeich­neten Leonora zur Sicherheit auch noch die Kehle durch. Dafür läuft Manrico, der den Grafen schon am Ende des ersten Teils nieder­ge­stochen hat, zum Finale selbst­mör­de­risch in das gezückte Messer des Grafen.

Einem Bonmot von Enrico Caruso zufolge wäre Il Trovatore ganz leicht zu besetzen, man bräuchte nur die vier besten Sänger der Welt. Vielleicht doch etwas sehr hoch gegriffen, aber unbestritten ist, dass die Partitur von Giuseppe Verdi enorme Anfor­de­rungen an die Haupt­partien stellt, für die es nicht leicht ist, adäquate Beset­zungen zu finden. Der Grazer Oper ist bei ihrer Eröff­nungs­pro­duktion dieses Kunst­stück zumindest teilweise gelungen, denn abgesehen von kleinen Einschrän­kungen spielen die Protago­nisten durchaus in der sänge­ri­schen Oberliga mit.

Foto © Werner Kmetitsch

Verdi wollte die Figur der Azucena ursprünglich in den Mittel­punkt stellen und die Oper nach ihr benennen: Nora Sourouzian wird dieser Funktion voll gerecht und füllt sie nicht nur mit ihrer Riesen­stimme, sondern auch großer Bühnen­präsenz, Nuancen­reichtum und glühender, gestal­te­ri­scher Kraft aus. Mit klarer Höhe weiß Lana Kos eine besonders innige Leonore zu singen. Stefano Secco ist ein Manrico mit einer sehr breiten tieferen und mittleren Lage, vielen forcierten Spitzen­tönen: Er kann sich aber im Laufe des Abends massiv steigern und zum Finale sehr beein­drucken. Rodion Pogossov gibt einen robusten Luna mit sicheren Spitzen­tönen, dem es jedoch an schönen, lyrischen Tönen fehlt. Die kleineren Partien sind mit Wilfried Zelinka, einem darstel­le­risch exzel­lenten, aufge­wer­teten und sehr diffe­ren­ziert klingenden Ferrando, und Sonja Saric, einer etwas gar zu braven Ines, adäquat besetzt.

Aber natürlich hat Caruso im eben erwähnten Zitat den Chor vergessen, denn der spielt in diesem populären Meisterwerk eine tragende Rolle: Einstu­diert von Bernhard Schneider, singt er stimm­ge­waltig, prägnant und meist konform mit dem Graben.

Aus dem tönen beim Grazer Philhar­mo­ni­schen Orchester durchaus feinsinnige, ausge­feilte, aber auch mitrei­ßende, spannungs­ge­ladene Töne. Nur bei den Tempi ist Maestro Andrea Sanguineti sehr eigen­willig. Neben extrem zugespitzten finden sich dann wieder seltsam gedehnte. Besonders nervend ist zu Beginn des zweiten Teils ein minuten­langes, entbehr­liches, hinzu­ge­fügtes Amboss-Gehämmer.

Das Publikum spendet immer wieder zurück­hal­tenden, höflichen Applaus. Zum Finale gibt es dann auch einige Buhs für den Dirigenten.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: