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Es gibt den Klassiker in der Oper, und es gibt Opernproduktionen, die schon bald als Klassiker durchgehen. Tosca in der Inszenierung von Robert Carsen, in der Ausstattung von Anthony Ward und der Lichtgestaltung von Davy Cunningham ist ein solcher Klassiker. Carsen ist ein Meister der Reduktion, und er hat ein sicheres Gespür dafür, wann eine extravagante Lesart zur Last wird und die Geschichte einfach und stringent erzählt werden muss. Bei Giacomo Puccini und seinen Dichtern ist es ohnehin eine Gratwanderung, denn Partitur und Libretto sind derart zu einer dichten Textur verwoben, dass es schier unmöglich wird, dieses Geflecht neu zu interpretieren. Das gilt auch für Puccinis Verismo-Oper Tosca mit dem Libretto von Luigi Illica, die 1900 in Rom uraufgeführt wurde.
Das Opernhaus Zürich startete in der Saison 2008/2009 mit Robert Carsens Version von Tosca und trumpfte mit Tenor Jonas Kaufmann als Mario Cavaradossi und Thomas Hampson als Baron Scarpia auf. Die Titelpartie sang damals Emily Magee. Vor zwei Jahren, bei den Festspielen 2016 am Opernhaus Zürich, waren es Catherine Naglestad in der Rolle der Tosca und Marcelo Alvarez als deren Geliebter. Marco Vratogna war Scarpia. Ein überzeugendes Dreiergespann. Diese Besetzung sieht man auch auf den Fotos. Nun, bald zehn Jahre später, schließt sich auf eine besondere Weise ein Reigen. Mit Anja Harteros steht eine Sopranistin auf der Bühne, die nicht von ungefähr als Traum-Bühnenpartnerin von Jonas Kaufmann gehandelt wird.
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Anja Harteros ist Tosca total. Mit jeder Faser kostet sie die hoch emotionale Partie aus und nutzt die unheimliche Bandbreite ihrer Tessitur. Puccini gibt ihr reichlich Gelegenheit dazu. Die Schauspielerin Floria Tosca, die einen Maler liebt und in die brutalen Mühlen des Machtmenschen Scarpia gerät, hält für eine Sopranistin im dramatischen Fach eine Vielzahl an Facetten bereit, und Harteros bringt sie alle zum Funkeln. Leicht und scheinbar schwerelos intoniert sie im Pianopianissimo, um kurz darauf in weiten Bögen ein fulminantes Glissando zum Besten zu geben. Harteros setzt die Akzente pfeilgerade und wie aus dem Nichts, öffnet ihre Kehle für ein glasklares Forte und stürzt im Bruchteil einer Sekunde ins Parlando hinab, das sonor und auch Mal dreckig klingt. Ihr Vissi d’arte ist eine Offenbarung. Harteros nutzt ihre hohe Differenziertheit in der Dynamik souverän und gänzlich ohne Prahlerei. Ihre Legati singt sie mit schwebender Eleganz, ihr Diminuendo ist engelsgleich.

Tenor Brian Jagde als Cavaradossi und wie 2016 Bariton Marco Vratogna als Scparia können nicht zu jeder Minute im gleichen Maß mithalten. In der Verhör-Szene im zweiten Akt gelingt es Vratogna erst nach und nach, mit seinem oftmals kantigen Bariton der schieren Mühelosigkeit seiner Bühnenpartnerin Harteros Paroli zu bieten. Jagde lässt sich in diesem furiosen Teil der Oper dazu verleiten, seine Kantilenen zu forcieren und scheitert prompt. Die darauf folgenden Takte im Brustton sind kaum mehr hörbar. Eigentümlich aus der Reihe tanzt die Sequenz vor Toscas Auftritt, in der der Chor aus der Ferne eine Gavotte erklingen lässt. Orchester, Chor und Solisten haben offensichtlich Mühe, im Gleichklang zu bleiben. Brian Jagde wächst schlussendlich im letzten Teil des Dreiakters über sich hinaus. Noch bevor er das Bravourstück E lucevan le stelle zum Besten gibt, beweist er großes Geschick in der Phrasierung. Mit der Sternenarie gelingt Jagde die ganz große Präsenz, stimmlich wie schauspielerisch. Seine Reduktion hat Kaufmann-Qualität, und obschon er noch nicht über den Schmelz seines Kollegen verfügt, hat diese Interpretation Weltformat.
Die Philharmonia Zürich unter der Leitung von Paolo Carignani spielt diesen Puccini auf den Punkt und ohne Effekthascherei. Fast zu perfekt, möchte man sagen, denn man hat dieses überaus radikale Werk des Maestros aus Lucca schon wesentlich kantiger und dramatischer gehört. Die feinen Nuancen sind zwar vorhanden, aber sie zünden nur bedingt. Eine Kritik auf hohem Niveau, es ist denkbar, dass sich der Orchesterapparat in der Folge dieses Tosca-Reigens noch steigern wird. Beim Chor der Oper Zürich unter Ernst Raffelsberger bedarf es keiner Korrekturen mehr. Gut möglich, dass hier einige der Sängerinnen und Sänger schon mehrfach im Einsatz waren für diesen Dauerbrenner von Robert Carsen.
Das Publikum feiert die Solisten mit starkem Szenenapplaus und lässt am Schluss der Vorstellung lang anhaltenden Beifallsdonner sowie Bravorufe vom Stapel, die an das ganze Ensemble gerichtet sind.
Peter Wäch