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Vor gerade erst zwei Wochen hat die Komische Oper Berlin ihre erste Saisonpremiere herausgebracht, da folgt schon der nächste Streich. Nach Debussys Oper Pélleas et Mélisande in der Regie von Barrie Kosky steht ein weiteres gewichtiges Werk des 20. Jahrhunderts auf dem Spielplan: die 1980 in Rotterdam uraufgeführte Oper Satyagraha von Philip Glass, einem der bedeutendsten Vertreter der Minimal Music. Häufig ist das Werk bisher nicht inszeniert worden, aber es gab spektakuläre Realisationen wie die von Achim Freyer 1981 in Stuttgart. Anlass für die Berliner Aufführungsserie ist der 80. Geburtstag des Komponisten. Sie ist die zweite Station einer Dreiländerkoproduktion, deren Premiere im April in Basel stattfand. Der dritte und letzte Halt wird die Vlaamse Opera Antwerpen sein, deren Ballett Sidi Larbi Cherkaoui leitet. Der Belgier mit marokkanischen Wurzeln ist momentan einer der gefragtesten Choreografen und seine Verpflichtung als Regisseur der Oper ein echter Coup.
Satyagraha bildet das Mittelstück einer Operntrilogie von Philip Glass, über drei herausragende Persönlichkeiten der Weltgeschichte: den Physiker Albert Einstein in Einstein on the Beach, den ägyptischen Pharao Echnaton in Akhnaton und den indischen Friedensstifter Mahatma Gandhi in Satyagraha. Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Macht der Wahrheit. Er steht für Gandhis Philosophie vom gewaltlosen Widerstand, die er angesichts der Klassen- und Rassenkämpfe in Südafrika entwickelte. Von seinem Wirken während dieser Zeit handelt die Oper vordergründig. Doch die historischen Fakten bilden nur Fixpunkte. Auch der Ursprungsmythos, geistige Utopien von einer besseren Menschheit und spirituelle Reflektionen finden sich im Libretto wieder, das sich statt aus konkreten Dialogen aus Lebensweisheiten zusammensetzt.
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Die Spielfläche von Henrik Ahr besteht aus einer an Metallschnüren aufgehängten, beweglichen Plattform, die je nach Szene hoch‑, heruntergefahren oder in die Schräge gekippt wird. Cherkaoui zeigt in seiner Inszenierung die überlieferten Geschehnisse – das Leben auf der Farm Tolstoi, die Gründung der Indian Opinion, das Verbrennen der Ausweise in Johannisburg – in schlichten, fast ritualisierten Bildern. Dabei spannt er den Bogen bis in die Jetztzeit. Den Marsch auf Newcastle, den die indischen Minenarbeiter 1913 organisierten, stellt er als aktuelle Demonstration von Minderheiten gegen Ausgrenzung dar. Zusätzlich zu den Solisten und dem Chor, die zeitlos-praktische Gewänder des Modedesigners Jan-Jan Van Essche tragen, setzt Cherkaoui seine 2010 gegründete Tanztruppe Eastman als drittes, ständig präsentes Element ein. Analog zur Musik entwickelt er für das Kollektiv abstrakte Bewegungsabläufe, die die wellenförmigen melodischen Tonfolgen aufgreifen und sich ebenso wiederholen wie diese. Was allerdings trotz fabelhafter Präsenz der Eastman-Gruppe mitunter zu einer gewissen Eintönigkeit führt. Eher konkrete Szenen, wie die Gewaltausbrüche, bei denen schwarzgekleidete Tänzer Gandhi bedrohen, setzen stärkere Akzente.

Für die Solisten sind die Gesangspartien eine Herausforderung, nicht nur wegen des in Sanskrit geschriebenen Librettos, sondern auch wegen der Dauerrepetition und der sich stetig nur minimal verschiebenden Endlosmelodien. Mirka Wagner, Cathrin Lange, Karolina Gumos und Tom Erik Lie sind dieser Aufgabe rundum gewachsen, vor allem aber ist es Stefan Cifolelli als Gandhi in täuschend ähnlicher Maske. Weißgekleidet bildet er das Zentrum des Geschehens, eine zarte Gestalt mit sanft fließendem Tenor, die am Ende alleine, in Meditation versunken, auf dem erhöhten Podest sitzt: ein entrückender Moment.
Der Dirigent Jonathan Stockhammer erzeugt mit dem Orchester der Komischen Oper einen drei Stunden währenden magischen Sog. Doch die Musik von Glass bedarf auch einer unerbittlichen, nicht nachlassenden Präzision, damit die kleinen motivischen Veränderungen zur Geltung kommen. Daran aber hapert es zumindest in der Premiere. Zwischen Bühne und Orchestergraben klappert es mitunter erheblich, auch der sonst von David Cavelius so perfekt einstudierte Chor klingt nicht durchweg intonationsrein.
Nur fünf Aufführungen sind angesetzt, die alle bereits ausverkauft sind. Die Mehrheit des Premierenpublikums zeigt sich nach der Vorstellung begeistert, einige Besucher aber haben weniger Geduld mit den meditativen Längen des Werks und gehen bereits in der Pause.
Karin Coper