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An dieser Stelle erblüht die Musik in Zartheit und schwingt sich zu einem Gipfel betörendsten Liebreizes empor.“ Es ist die erste Begegnung zwischen Werther und Charlotte, die kein Geringerer als der Komponist Gabriel Fauré, ein jüngerer Zeitgenosse und Verehrer von Jules Massenet, hier so bewundernd beschreibt. Und tatsächlich schimmert die klare Mondschein-Melodie, die zuvor in einem Zwischenspiel erstmalig erklingt, verzaubernd durch den Dialog der Sänger hindurch. Dass dieser Werther von Jules Massenet am Stadttheater Klagenfurt genauso erklingt und so zum musikalischen Ereignis wird, verdankt er in erster Linie dem Mann am Pult. Denn Lorenzo Viotti weiß genau, worauf es ankommt und was er will. Der erst 27-jährige, der hier am Haus schon 2016 mit Bizets Carmen reüssierte und mittlerweile bereits weltweit bedeutende Orchester und an renommierten Opernhäusern dirigiert, zeigt einmal mehr sein großes Talent und seine Begabung.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Bei überwiegend breiten Tempi kostet der in Lausanne geborene Dirigent, sein Vater war der viel zu früh verstorbene, große Dirigent Marcello Viotti, die Kantilenen weidlich aus und erzeugt pointiert einen weiten Nuancen- und Farbenreichtum mit verschwenderischem Raffinement und luzider Durchsichtigkeit, den man bei den auch immer wieder solistisch exzellent in Erscheinung tretenden Musikern des Kärntner Sinfonieorchester selten erlebt. Feinste, extrem ausgereizte Piani aus dem Nichts hört man ebenso wie einen aufbrausenden Klangrausch und packende, hochemotionale Ausbrüche. Und dabei geht Lorenzo Viotti behutsam und rücksichtsvoll mit den Sängern um.

Und diese fühlen sich bei ihm sichtlich wohl: Anaik Morel singt die Charlotte raumfüllend, aber auch betörend, mit zärtlichem und innigem Ausdruck. Sie kann auch ihre unterschiedlichsten Gefühlsregungen, ihr Changieren zwischen Sehnsucht und Zerrissenheit szenisch bestens artikulieren. Attilio Glaser singt den verträumten, unglücklich verliebten und depressiven Titelhelden mit viel Schmelz, lyrischer Emphase und absoluter Höhensicherheit. John Brancy ist ein nobeltimbrierter Albert mit warm leuchtendem Material. Keri Fuge singt eine reizende, mädchenhafte Sophie. Auch die kleineren Rollen mit Karl Huml als Le Bailli und Amtmann, Joshua Owen Mills als Schmidt und Jisang Ryu als Johann hört man makellos. Vital und fröhlich singen die Kinder der Singakademie Carinthia, deren Einstudierung Apostolos Kallos besorgte.
Mit dieser hochemotionalen, musikalischen Siedehitze kann Vincent Huguet nicht ganz mithalten. Er ließ sich von Aurélie Maestre einen grauen betonartigen Raum mit verschiebbaren Wänden bauen, mit drei großen Baumstämmen mittig und einem Wald im Hintergrund. Darin erzählt der Regisseur die Geschichte ohne große Interpretation klar, detail- und ideenreich, aber recht nüchtern. Der Amtmann ist ein Künstler, der in seinem Atelier Bilder malt, die an Monet erinnern. Immer wieder taucht ein Junge auf, offensichtlich Klein-Werther, der schon zu Beginn einen Alptraum hat und auch als Bote für die todbringenden Waffen fungiert. Insgesamt ist die Personenführung recht konventionell und im ersten Teil etwas langatmig. Deshalb kommen hier szenisch auch die Gefühle zu kurz. Die Schlussszene, diesmal im Wald mit dem verblutenden Werther, der symbolhaft an seinem nunmehr umgefallenen Lebensbaum angelehnt liegt und dessen Blutung Charlotte noch verzweifelt mit ihrem Tuch zu stoppen versucht, und den singenden Kindern mit ihren Laternen im Hintergrund geht jedoch unter die Haut!
Das Publikum ist restlos begeistert, es spendet uneingeschränkt viel Applaus und jubelt lautstark. Von einigen gibt es sogar stehende Ovationen.
Helmut Christian Mayer