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Foto © Thomas Kost

Ziemlich gelungener Aufbruch

VATERUNSER DEUTSCH
(Diverse Komponisten)

Besuch am
9. November 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Tage Alter Musik in Herne, Kreuzkirche

Ursprünglich heißt die Stadt Haranni und wurde zum ersten Mal 880 im Steuer­re­gister der Benedik­ti­ner­abtei Werden an der Ruhr erwähnt. Um 1150 verän­derte sich der Name zu Hernen, später fiel das n weg. Im 18. Jahrhundert wird Herne als ein weitläufig aus 116 Häusern bestehendes und einem Flecken ähnlichen Kirchdorf beschrieben. Bereits 1561 wurde von Pfarrer Krafft Messing die Refor­mation in Herne einge­führt. Am 2. Dezember 1875 fand die feier­liche Einweihung der Kreuz­kirche statt.

Die Kirche gibt es immer noch, nur das Kirchdorf hat sich ein klein wenig verändert. Rund 150.000 Einwohner zählt die Stadt zwischen Bochum und Reckling­hausen heute und weist nach München und Berlin die größte Bevöl­ke­rungs­dichte auf. Landesweit steht die Stadt einmal im Jahr im Fokus der Musikwelt. Im November finden dann die Tage Alter Musik statt, ein Radio­fes­tival, das vom Westdeut­schen Rundfunk in Zusam­men­arbeit mit der Stadt veran­staltet wird, heuer bereits zum 42. Mal.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Unter dem Titel Aufbruch! werden neben einer bedeu­tenden Musik­in­stru­men­ten­aus­stellung „Rebellen, Reformer und Revolu­tionäre in der Musik zwischen Mittel­alter und Romantik“ an den Haupt­spiel­stätten Kultur­forum und Kreuz­kirche thema­ti­siert. Vom 9. bis zum 12. November treten hier namhafte Vertreter der Alten Musik auf. Sämtliche Auffüh­rungen werden aufge­zeichnet und vom Westdeut­schen Rundfunk übertragen. Den Besuchern vor Ort steht auch in diesem Jahr wieder ein hochin­for­ma­tives und ausführ­liches Programmbuch zur Verfügung, das keine Wünsche offenlässt.

Das Eröff­nungs­konzert Vater­unser Deutsch findet in der gutbe­suchten Kreuz­kirche statt. „Geist­liche Vokal- und Instru­men­tal­musik aus Luthe­ri­schen Kernlanden“ ist angekündigt. Ein weites Feld, aus dem das Ensemble Neobarock sein Programm zusam­men­ge­stellt hat, das zeitlich von 1496 bis 1730 reicht. Im Mittel­punkt, das heißt an den Enden der beiden Auffüh­rungs­teile, steht jeweils ein gesun­genes Vater­unser, getreu dem Luther-Zitat „Wer singt, betet doppelt“. Und damit erschöpft sich auch der Teil der Vokal­musik. Was durchaus verständlich erscheint, wenn man weiß, dass Neobarock ein Strei­cher­quartett mit Cembalo ist. So erscheint doppelt luxuriös, dass das Festival für zwei kurze Auftritte die Mezzo­so­pra­nistin Marianne Beate Kielland dazu geladen hat.

Volker Müller – Foto © Thomas Kost

Leicht­füßig startet der Abend mit einer Kirchen­sonate von Philipp Heinrich Erlebach, die von der üblichen Sonatenform durch Tanzsätze abweicht. Das ermög­licht den beiden Geigern Maren Ries und Volker Müller, gleich zu Beginn ihre Virtuo­sität zu zeigen. Begleitet werden sie im Basso Continuo von Ariane Spiegel am Cello und Jean-Chris­tophe Dijoux am Cembalo. Die „kleine Besetzung“ reicht auch für die kleinen Lehrstücke zur Einübung des Kontra­punkts von Johann Walter, Luthers engem Freund und musika­li­schem Berater. Und man kann sagen, dass die Musiker sie ausrei­chend geübt haben. Die einsätzige Sonate von Johann Vierdanck beendet das rein instru­mentale Programm des ersten Teils und leitet zum ersten Höhepunkt des Abends über.

Noch zur Zeit der Refor­mation war es auch in luthe­ri­schen Gottes­diensten üblich, dass das Vater­unser nicht wie heute gemeinsam gebetet, sondern vom Liturgen in Rezita­tivform vorge­tragen wurde. Neobarock hat zwei Beispiele der dazuge­hö­rigen kompo­nierten Figural­musik ausge­wählt. Das Vater­unser von Christian Geist ist für Mezzo­sopran, zwei Geigen und Basso continuo kompo­niert. Die stimm­lichen Anfor­de­rungen halten sich in überschau­barem Rahmen. Umso erstaun­licher, dass hier eine Sängerin vom Format einer Kielland auftritt.

Nach einer Sonate von Johann Rosen­müller und einigen weiteren Übungs­stücken von Johann Walter wird es dann mit der Choral­fan­tasie von Johann Fischer etwas gewich­tiger. Chris­tiane Veltman und Dorian Wetzel treten mit ihren Bratschen hinzu und verleihen dem Abend mehr Fülle. Zum glänzenden Finale steht das dreisätzige, ebenfalls deutsch­spra­chige Vater­unser von Christian Ritter auf dem Programm, mit dem dann auch Kielland – endlich – ihre stimm­lichen Fähig­keiten unter Beweis stellen kann.

Das Publikum staunt und etliche Besucher bringen das in der Pause auch zum Ausdruck. Von dieser Stimme hätte man gern mehr gehört statt sich mit der insgesamt doch eher leichten Kost der Geiger zu begnügen. Dass die formi­dabel und durchaus vergnüglich vorge­tragen war, wird vom Publikum gern applau­diert. Ein angenehmer Abend, der aber für das weitere Festival noch viel Luft nach oben lässt.

Michael S. Zerban

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