O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Allerliebst

LA FILLE DU RÉGIMENT
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
8. November 2017
(Einma­liges Gastspiel)

 

Theater Gütersloh

Heute meist großen Häusern und promi­nenten Solisten vorbe­halten, war La fille du régiment einst ein Zugstück auch für materiell beschei­dener ausge­stattete Bühnen. Dass es sich adäquat dort reali­sieren lässt, beweist die Produktion des Olden­bur­gi­schen Staats­theaters, die sich daher getrost auf den Abstecher ins ostwest­fä­lische Gütersloh begeben darf.

Den halbsze­ni­schen Abend – sonst häufig weder Fisch noch Fleisch – münzt Felix Schrö­dinger in einen entschie­denen Vorteil um. Aus der anfäng­lichen Situation einer rein konzer­tanten Aufführung entwi­ckelt sich eine charmante, tempo­reiche, aktions­ge­ladene und immer gewin­nende Komödie. Den Impuls dazu gibt der einfache, aber effekt­volle Kunst­griff, einen völlig motiva­tions- und talent­freien Erzähler einzu­führen. Der fährt die als Dialo­gersatz gedachten Zwischen­texte immerfort gegen die Wand, so dass sich das enervierte Ensemble genötigt sieht, das, was weder fähig noch teilnehmend referiert wird, auch darzu­stellen. Also liefert es sich Wortge­fechte und Liebes­schwüre und spielt die Pointen voll heraus.  Besonders Marie, die Tochter des Regiments, zeichnet Schrö­dinger agil, wendig und voller burschi­kosen Esprits. Unter franzö­si­schen Bürger­sol­daten ist sie zuhause, im reaktionär-adligen Milieu der Mutter fühlt sie sich fremd und verloren. Forsch und charmant lässt sich die Tochter des 21. Regiments auf die Schultern ihrer andert­halb­tausend Väter heben, wirft sich – der Adelswelt überdrüssig – auch einmal verzweifelt über den Rollstuhl des kriegs­ver­sehrten Regiments­pa­tri­archen Sulpice oder klettert militä­risch neu ertüchtigt auf dem Hilfs­mittel herum, um sich final dort wie auf dem Sieger­podest zu präsen­tieren. Auf unwider­steh­liche Weise eignet der Titel­figur der Hang zum Trium­phalen, weil sie das Kriegs­wesen blitz­ge­scheit und liebenswert in Anmut und Lebens­freude umdeutet.  Ihr Verehrer Tonio hingegen ist ein Natur­bursche. Einfach und gerade, mit dem Herzen auf dem richtigen Fleck, der gehörigen Portion Beharr­lichkeit und Mut, fühlt er sich in der älple­ri­schen Lederhose wohler als im Uniformrock.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Dennoch bleibt das Solda­tische für die Handlung dominant. Donizetti füttert den franzö­si­schen Patrio­tismus, der zeitty­pisch ganz wesentlich vom Militä­ri­schen geprägt war, bis zum Anschlag oder vielmehr zum dreige­stri­chenen f in Maries finalem Jubelruf Salut à la France!. Die Soldaten des 21. Regiments, das im Jahr der Urauf­führung 1840 nicht mehr in Tirol, sondern in Algerien kämpfte, empfanden sich durch die Prominenz auf der Opern­bühne gewiss angespornt. Bei Schrö­dinger marschieren sie als possier­liche Mixtur aus Offen­ba­chiade und Funken­garde aus dem rheini­schen Karneval auf, wo es mit den Tanzma­riechen ja allerhand „Regiments­töchter“ gibt.

Für die unauf­wändig-prakti­kable Bühne und die reizvollen Kostüme sorgt Josefine Smid. Das Bild beschränkt sich auf Requi­siten und Projek­tionen vor allem des feschen Liebes­paares. Ein wenig erinnert das an den guten alten Dia-Abend. Im zweiten Akt überfüllt Rokoko­p­lunder die Bühne.

Je stärker die Vorstellung vom Konzert in die szenische Darbietung wechselt, desto ausgie­biger kostü­mieren sich Solisten und Chor. Die Damen tragen Garderobe aus der Zeit des sechzehnten Ludwig, die Herren werfen sich in die Schale napoleo­ni­scher Uniformen.

Foto © Stephan Walzl

Der von Thomas Bönisch einstu­dierte Chor des Olden­bur­gi­schen Staats­theaters klingt anfangs etwas dünn, gewinnt aber zunehmend stimm­liche Statur und Verve. Große Spiel­freude besitzt er ohnehin.

Eher spröde steigt das Olden­bur­gische Staats­or­chester unter Felix Pätzold in den Abend ein, lockert sich dann aber und musiziert rhyth­misch präzise mit schlankem Ton und geist­reich ausge­hörten Details besonders beim Schlagwerk und in den Celli.

Das stimm­liche und darstel­le­rische Spektrum von Sooyeon Lee als Regiments­tochter Marie reicht von quirlig-coura­giert bis empfindsam-melan­cho­lisch. Lee feuert auf das Publikum eine regel­rechte Kolora­tur­ka­nonade ab. Ihr dreige­stri­chenes f landet einen Volltreffer. Die lyrischen Passagen ihrer Partie erfüllt Lee mit Innigkeit und Wärme. Philipp Kapeller als Tonio gebietet über eine statt­liche Mittellage und kraft­volle Höhe. Die neun hohen c seines Schlagers Ah mes amis meistert er tadellos. Zudem legt er argumen­tie­rende Emphase in die Arie. Ill-Hoon Choung ist ein Sulpice mit kernigem, elegant timbriertem Bariton. Hagar Sharvit gibt der Marquise de Berken­field die darstel­le­rische und vokale Aura einer leicht hyste­ri­schen Diseuse. Keine abwegige Rollen­auf­fassung. Der Erzähler von Stefan Vitu bringt jene schau­spie­le­rische Virtuo­sität auf, die zur glaub­haften Darstellung von Inkom­petenz auf der Bühne erfor­derlich ist.

Den äußerst warmher­zigen Applaus des mit großstäd­ti­scher Eleganz geklei­deten Güters­loher Publikums durch­setzen zahlreiche bravi für Sooyeon Lee und Philipp Kapeller. Kein Zweifel, die Olden­burger haben sich in die ostwest­fä­li­schen Herzen gespielt und gesungen.

Michael Kaminski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: