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Foto © Thomas Kost

Portugiesisches Erwachen

FRÜHLING VOR DEM BEBEN
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. November 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Tage Alter Musik in Herne, Kulturzentrum

Im Jahr des Refor­ma­tions-Jubiläums sind „Rebellen, Reformer und Revolu­tionäre“ auch in den Festival-Programmen gefragte Protago­nisten. Und so wenden sich die Tage Alter Musik in Herne in diesem Jahr dem Aufbruch zwischen dem ausge­henden Mittel­alter und der sich vielfach ankün­di­genden  roman­ti­schen Neuzeit zu. Dieser Aufbruch macht sich vor allem an den Höfen und bei der aufstre­benden urbanen Bourgeoisie bemerkbar und erreicht Regionen, die selten im Fokus der Beobachtung oder der musik­his­to­ri­schen Betrachtung stehen wie beispiels­weise Portugal und seine Haupt­stadt Lissabon. Dabei ist die portu­gie­sische Kultur­szene um 1700 sehr lebendig, vielfältig und eigen­ständig. Hinzu kommt nach einem verhee­renden Erdbeben 1755 eine Aufbau­welle, die die Portu­giesen für zahlreiche Reformen nutzen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Das Ensemble Os Musicos do Tejo, die Sopra­nistin Joana Seara und der Bassist Joao Fernandes können ihr Publikum davon überzeugen, dass die Reformen auch die Musik-und Kultur­szene erreichen und bis heute wirken.  Bei den Tagen Alter Musik, ein vom WDR und der Stadt Herne veran­stal­tetes Festival Alter Musik erzählt  ihr „Portu­galabend“ ein wenig vom verblassten Glanz  des einstigen Portugal. Die Portu­giesen, seit dem 17. Jahrhundert  Mitspieler im Poker um die europäische Macht, sind allmählich der immer gleichen Kirchen­musik müde und ärgern sich über die Vormacht der italie­ni­schen Oper, die sogar zur „offizi­ellen Musik“ bei Hofe wird. Doch die Prunk­sucht ihres Königs Karl V. führt zu einem art-drain, er bestellt Kompo­si­tionen bei italie­ni­schen Künstlern, wirbt Künstler nach Portugal ab, unter ihnen Domenico Scarlatti. So finden sich im Programm neben den portu­gie­sische Kompo­nisten gleich mehrere italie­nische, unter ihnen Scarlatti und de Almeida.

Auch viele der mitwir­kenden Künstler haben portu­gie­sische Wurzeln: die lebhafte, stimm­si­chere und tempe­ra­ment­volle Joana Seara, João Fernandes mit volltö­nendem, sehr flexiblem Bass, und viele Musiker der Os Musicos do Tejo, die mit großer Spiel­freude den Abend zu einem musika­lisch fröhlichen Erlebnis werden lassen. Dirigent Marcos Magalhães hat brasi­lia­nische Wurzeln.

Jarrod Cagwin – Foto © Thomas Kost

Im ersten Teil des Abends finden sich Werke der portu­gie­si­schen Kompo­nisten de Almeida, Seixas,  Avondano, Pereira,  Camara und des Italieners Pergolesi. Im Wechsel mit Solopartien präsen­tieren Marcos Magalhães und das Ensemble Os Músicos do Tejo sympho­nische Kompo­si­tionen und Opern­arien, die dem Geschmack der italie­ni­schen Oper folgen. Joana Seara begeistert mit ihrem weich anset­zenden Sopran, gefühl­vollen Melodien und fast spiele­risch gesun­genen Kolora­turen bis in höchste Lagen – eine Freude. João Fernandes´ sehr flexibler Bass überzeugt mit erfreu­lichem Volumen, gefühl­vollen Passagen und wachsender Dynamik.  Auch im Duett sind die beiden Solisten bestens aufein­ander einge­spielt und steigern mit einer buffo-ähnlichen Arie die Stimmung.  Bravo-Rufe und viel Zwischenapplaus.

Auch im zweiten Teil des Abends wechseln Instru­men­tal­stücke und Gesangs­partien, die jetzt aber deutliche Einflüsse brasi­lia­nische r Volks­musik verraten. Sklaven aus den südame­ri­ka­ni­schen Kolonien Portugals haben sie damals einge­führt. Musiker und Solisten zeigen, dass südame­ri­ka­nische Rhythmen bestens mit portu­gie­si­schem Tempe­rament harmo­nieren. Seara und Fernandes nutzen die Chance, ihre locker-beschwingten Seiten zu präsen­tieren und das südliche Tempe­rament aufzu­nehmen – zur Freude der Besucher. Eine zunächst abwartend-zurück­hal­tende Zuhörer­schaft lässt sich allmählich, vor allem in diesem zweiten Teil immer mehr von der Musik gefangen nehmen und folgt mit zuneh­mendem Beifall der tempe­ra­mentvoll vorge­tra­genen Musik,  die Stimmung steigt. Schließlich erklatscht sich ein begeis­tertes Publikum gleich zwei Zugaben, und Richard Hery an den Rhyth­mus­in­stru­menten darf einen Extra-Beifall für sich verbuchen. Er sichert mit Handtrommeln brasi­lia­nische Rhythmen und lockt die Zuhörer rhyth­misch in die Musik. Marcos Magalhães lässt trotz aller Spiellust seines Ensembles den Sängern genügend Entfal­tungs­spielraum.  Nicht enden wollender Beifall, Bravorufe – ein hoch zufrie­denes und beschwingtes Publikum möchte den Abend eigentlich noch fortsetzen.

Horst Dichanz

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