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Foto © Michael Pöhn

Primadonna spielt Primadonna

ADRIANA LECOUVREUR
(Francesco Cilèa)

Besuch am
12. November 2017
(Premiere am 16. Februar 2014)

 

Wiener Staatsoper

Frei von Schmerzen schwebe ich wie eine weiße Taube matt ins fahle Licht.“ Es sind die letzten Worte einer Sterbenden in einer sehr berüh­renden Szene. Anna Netrebko weiß die lange Sterbe­szene mit vielen, zarten Schat­tie­rungen auszu­kosten und wirkt zum Schluss völlig entrückt. Die Titel­figur aus der Oper Adriana Lecou­vreur von Francesco Cilèa ist eine histo­rische Figur aus der Voltaire-Zeit, die eine hübsche Prima­donna der Schau­spiel­bühne war. Netrebko ist eine hübsche Prima­donna der Opern­bühne, die diese Partie geradezu ideal verkörpern kann. Bei der Wieder­auf­nahme dieser Rarität an der Wiener Staatsoper sitzen bei ihr alle Gesten, auch die bewusst gesetzten, kleinen Manie­riert­heiten, die für die Partie ja auf jeden Fall passen. Faszi­nierend sind wieder einmal ihr dunkles, warmes Timbre und ihre feinen Pianissimi. Bestechend ist ihre makellose Technik, ihr Legato, alle ihre Spitzentöne und ihre hohe musika­lische Sensibilität.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Aber auch ihre gesang­lichen Mitstreiter sind erste Sahne: Eine prächtige Bühnen­er­scheinung mit enormer Präsenz ist Elena Zhidkova als ihre Rivalin. Sie singt die Fürstin Bouillon mit dunklem Mezzo und enormer drama­ti­scher Wucht. Piotr Beczala als Maurizio klingt nur anfänglich etwas angestrengt, singt aber dann mit wunder­barem Timbre, geschmei­digen Linien und ungefähr­deten Höhen. Roberto Frontali als ebenfalls in sie verliebter Michonnet singt die Partie sehr kraftvoll wie auch kernig und kann auch sehr berühren. Er ist der Ruhepol des Geschehens und stets anwesender freund­schaft­licher, ja, väter­licher Halt für die Prima­donna. Vom übrigen, reich besetzten Ensemble gefallen noch Raúl Giménez als intri­ganter Abate mit schön geführtem Tenor wie auch Alexandru Moisiuc als stimm­ge­wal­tiger Fürst.

Foto © Michael Pöhn

Reich aufge­fä­chert hat Evelino Pidó die reizvollen Klang­farben der vielschich­tigen Partitur im Wiener Staats­opern­or­chester. Da ist Platz für mannig­faltige Emotionen, viele Lyrismen, aber auch Ironie und packende Dramatik.

Obwohl sie aus 2010 stammt, erstmalig wurde sie im Royal Opera House Covent Garden London gezeigt und 2014 von der Wiener Staatsoper, wo die Oper überhaupt erstmalig gezeigt wurde, übernommen wurde, wirkt David McVicars Insze­nierung der schwer nachvoll­zieh­baren Geschichte von den vergif­teten und todbrin­genden Veilchen auf Grund der histo­ri­sierten Ausstattung doch etwas antiquiert: Etwa die prunk­volle, an der Grenze zum Kitsch vorbei­schram­mende Theater­bühne oder das luxuriöse Landpalais, ausge­dacht von Charles Edwards, aber auch die geradezu pracht­vollen, üppigen Roben von Brigitte Reiffen­stuel. In dieser Rokoko-Ausstattung, die unwill­kürlich an eine alte Insze­nierung von Strauss‘ Rosen­ka­valier erinnert, wuseln die Livrierten herum, da wogen die Reifröcke, da wackeln die Fächer. Dazu passt auch das kurze Ballett, wie es Andrew George gestaltet hat. Aber die Perso­nen­führung ist durchaus detail­ver­liebt, auch bei den Neben­dar­stellern und Statisten genau gearbeitet, mit vielen Symbolen angerei­chert. Und man kann bei der heutigen Geschmacks- und Meinungs­vielfalt auch solche Insze­nie­rungen akzep­tieren, wenn sie gut gearbeitet und nachvoll­ziehbar sind.

Am Ende überschlägt sich das Publikum mit Jubel für alle Protago­nisten, von denen aller­dings Anna Netrebko, die mehrmals jubelnd ihrem Vater im Publikum zuwinkt, hörbar am meisten abbekommt.

Helmut Christian Mayer

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