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Foto © Lorraine Wauters

Liebe zwischen Kloster und Königsthron

LA FAVORITE
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
16. November 2017
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Man könnte dem Inten­danten der Lütticher Oper, Stefano Mazzonis di Pralafera, vorwerfen, mit seiner Programm­po­litik allzu einseitig seiner Liebe zur italie­ni­schen Oper zu folgen. Nach Puccinis Manon Lescaut und Bellinis Norma steht in der noch jungen Saison mit Gaetano Donizettis Oper La Favorite bereits das dritte Werk aus Pralaferas Heimatland auf dem Spielplan.

Aller­dings muss man dem leiden­schaft­lichen und inter­na­tional gut vernetzten Opern­di­rektor beschei­nigen, dass er alle drei anspruchs­vollen Werke hervor­ragend besetzen konnte, so dass man sich musika­lisch in diesem Genre auf einem Niveau bewegt, das auch in größeren Häusern nicht immer anzutreffen ist.

Die in Zusam­men­arbeit mit dem Teatro La Fenice Venedig entstandene Donizetti-Produktion ist zwar nicht ganz neu, aber szenisch muss man sich in Lüttich ohnehin mit einem recht konser­va­tiven Kurs abfinden und die Belcanto-Knüller mit ihren teilweise diffusen Libretti eignen sich auch nicht unbedingt als ideale Objekte für szenische Sensationen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Aller­dings waren am Textbuch der Favorite mit Alphonse Royer, Gustave Vaëz und vor allem Eugène Scribe drei Könner ihres Fachs am Werk, und der Erfolg der 1840 in Paris urauf­ge­führten Oper gab ihnen sowie auch dem Kompo­nisten Recht. Bis etwa 1918 gehörte La Favorite zu den am häufigsten aufge­führten Opern Donizettis, bevor sie ins Abseits geriet und erst seit kurzer Zeit, nicht zuletzt durch den Einsatz von Publi­kums­lieb­lingen wie Elīna Garanča, eine kleine Renais­sance erfährt.

Wie in vielen Opern der Belcanto-Meister Bellini und Donizetti entspinnt sich auch in der franzö­sisch gesun­genen Favorite eine unglück­liche Dreiecks­ge­schichte, die von kirch­lichen und politi­schen Ereig­nissen zu einem tragi­schen Ende geführt wird. Léonor de Guzman, die Titel­heldin und Mätresse von König Alphonse XI. bringt durch eine zufällige Begegnung den Kloster­no­vizen Fernand in Gewis­sens­kon­flikte. Der verliebt sich nämlich in die geheim­nis­volle Schöne. Der bereits vermählte König gerät wegen seiner Geliebten mit der Kirche in Bedrängnis. Um der Exkom­mu­ni­kation zu entgehen, vermählt er Fernand mit Léonor. Als Fernand von den Intrigen des Hofes erfährt, kehrt er ins Kloster zurück, ohne Léonor zu vergessen. Léonor stirbt, und Fernand will ihr so bald wie möglich folgen.

Foto © Lorraine Wauters

Eine nicht in jedem Detail logische Handlung, die die Regis­seurin Rosetta Cucchi in den Dekora­tionen von Massimo Checchetto in einer unwirklich märchenhaft verschlei­erten Welt ansiedelt, die von dunklen, mit Grabkammern verse­henen Mauern begrenzt ist, die sich ab und zu öffnen. Léonor selbst wie auch die Damen des Chores escheinen in weißen Gewändern wie irreale Undinen. Die bizarre Dreiecks­handlung, in der sich Léonor zwischen dem Mönch Fernand und dem König aufreibt, führt die Regis­seurin präzise aus, wobei sie sich auf das Liebes­drama konzen­triert und die Spannungen zwischen Kirche und Staat im Hinter­grund belässt. Sogar die musika­lisch etwas dünnblütige Ballett­einlage wird gezeigt, in der die Choreo­grafin Luisa Baldi­netti mit etwas eindi­men­sio­nalen Bewegungs­for­ma­tionen auf das düstere Ende vorausweist.

Mit Sonia Ganassi für die Parade­rolle der zentralen Haupt­figur Léonor de Guzman hat Intendant Stefano Mazzonis du Pralafera erneut ein besonders glück­liches Händchen für die Besetzung bewiesen. Die Mezzo­so­pra­nistin zeigt sich sowohl den lyrischen als auch den verzweifelt-drama­ti­schen Aspekten der Partie gesanglich so souverän gewachsen, dass ein zentrales Problem der meisten Donizetti-Opern gegen­standslos wird. Nämlich die Frage, ob bei Donizetti die Stimm­kultur des Belcantos im Vorder­grund steht oder ob sich nicht bereits realis­tische Aspekte abzeichnen, wie sie dann Verdi zum Höhepunkt bringen sollte. Wer puren Schön­klang erwartet, dürfte in Lüttich nicht ganz auf seine Kosten kommen. Dafür setzt Luciano Acocella am Pult des Lütticher Orchesters auf zu starke drama­tische Akzente, von denen sich vor allem die männlichen Figuren bisweilen ein wenig bedrängt fühlten, so dass Celso Albelo in der Tenor-Rolle des frommen Liebhabers Fernand und vor allem Mario Cassi in der drauf­gän­ge­ri­schen Bariton-Partie des Königs Alphonse bisweilen die Pfade bruch­loser Gesangs­linien verlieren. Dennoch eine musika­lisch vertretbare und in vielen Punkten überzeu­gende Darstellung.

Begeis­terter Beifall für einen weiteren Erfolg der ambitio­nierten Lütticher Bühne.

Pedro Obiera

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