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Foto © Thomas Krügler

Scherben auf Tahiti

TROUBLE IN TAHITI
(Leonard Bernstein)

Besuch am
17. November 2017
(Premiere am 11. November 2017)

 

Musik­theater Horn, Gymnasium Leopol­dinum, Detmold

In Detmolds quirliger Fußgän­gerzone stößt man in einigen Werbe­vi­trinen auf ein kleines Plakat, das zwei scheren­schnitt­artig kontu­rierte schwarze Figuren zeigt, eine Frau und einen Mann: Trouble in Tahiti. Der Namenszug darunter weist auf Leonard Bernstein hin – also wohl ein Musical in der Aula des örtlichen Gymna­siums? Wagen sich da die Theater-AG oder der Deutsch-Leistungskurs an die Öffent­lichkeit, Weihnachtszeit und so? Doch der Betrachter liegt mit dieser Vermutung – völlig daneben. Mit Trouble in Tahiti wagen sich der 16-jährige Ruben Michael und sein Team ein zweites Mal in die Öffent­lichkeit, um ein anderes, sein Theater zu präsen­tieren, einfach, mutig, unter­haltsam und profes­sionell. Im letzten Jahr blieb Ruben Michael mit Bastien und Bastienne noch in einem Café, jetzt, durch den Erfolg ermutigt, darf es schon die Aula sein.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das 1952 in den USA urauf­ge­führte, von Bernstein als Oper bezeichnete und selten gespielte Musical Trouble in Tahiti erzählt die Geschichte eines Paares, das sich selbst und seiner Ehe überdrüssig geworden ist, weil es im Mief des Alltags langsam erstickt. Diese kleine Alltags­ge­schichte, gleich­gültig, ob sie im US-Bundes­staat Massa­chu­setts, im bürgerlich-satten Europa oder in einer verträumten lippi­schen Klein­stadt spielt, dreht sich um Lange­weile und Frust in Küche und Schlaf­zimmer. Da kann man ohne Träume, ohne Fantasien kaum überleben, und so flüchten Dinah, lebendig und etwas verträumt gespielt von Paula Rohde, und Sam, als vertrocknet-korrekter Bürolang­weiler von Laurin Siebert authen­tisch verkörpert, in die Traumwelt von Südsee­schnulzen, etwa nach Tahiti. Auch als sie sich eigentlich zu einem „klärenden Gespräch“ verab­reden und nicht den Anfang finden, landen sie wieder im Kino in Tahiti, nichts als Trouble. Ihnen bleiben – ihre Träume, ach ja.

Paula Rohde als Dinah – Foto © Thomas Krügler

Diese fast langweilige Alltags­ge­schichte hat der junge Ruben Michael mit einfacher Ausstattung insze­niert. Als Bühnenbild reicht ihm ein aus Latten zusammen gezim­merter, einfacher Kasten, der mit Papier oder Tapeten in ein Zimmer verwandelt wird und für alle möglichen Zwecke dient, hier ist auch Platz für weitere Träume, die sich Protago­nisten und Zuschauer als Graffiti herbei zaubern. Wozu sich in der Realität langweilen, wenn es sich so schön träumen lässt. Die banale Geschichte, in Englisch vorge­tragen, erzählen Dinah und Sam oder ein kleiner Chor von drei Schau­spielern, die häufig den Szenen­wechsel markieren. Evangelia Giann­o­poulou, Florian Kretlow und Simon Herten, alle noch im Studium an der benach­barten Hochschule für Musik, geben diesen Gesangs­szenen viel Schwung und Tempo, da klingt häufig, trotz dieser sparsamen Besetzung, der leicht­füßig-harmo­nische Bernstein-Klang durch. Als musika­lische Haupt­ak­teure treiben Paula Rohde, Sopran, als Dinah, und Laurin Siebert, Bass-Bariton, als Sam die kleine Geschichte voran und erfüllen sie musika­lisch mit ihren Sehnsüchten und Fantasien. Sie singen Bernsteins gefällige Melodien in schönen Linien gefühlvoll heraus und tragen ein wenig ihre Sehnsüchte und Träume ins Publikum. Besonders Rohdes Dinah, der das heutige Amerika nicht fremd ist, nimmt man die Sehnsucht nach einem anderen, wirklichen Leben gern ab. Auch das nur achtköpfige Orchester zaubert unter der souve­ränen Leitung von Julian Wolf Klänge und Rhythmen, die das Publikum mitnehmen – beste Stimmung in der Aula. Keine Frage, eine große Fange­meinde und die Familien der Mitwir­kenden sind begeistert von dieser einfachen, aber flotten, leicht­fü­ßigen Aufführung von jungen Schau­spielern in der Ausbildung, solchen Beifall spenden nur Theaterfans.

Michael hält sich als Jungre­gisseur weitgehend im Hinter­grund und überlässt den Schluss­ap­plaus vor allem „seinen“ Darstellern. Er steht längst schon mit einem Bein im Studium und im Theater­be­trieb, hat erste Erfah­rungen als Regie­as­sistent – und weitere werden folgen. Er freut sich darüber, dass die meisten Lehrer und der Schul­leiter seine Leiden­schaft verstehen, akzep­tieren und erkennen, dass sich seine Leistungs­schwer­punkte etwas von denen anderer Schüler unter­scheiden. Und er will mehr leisten, hat weitrei­chende Pläne, die nicht nur ihn persönlich betreffen. Ihn stört vieles am tradi­tio­nellen Theater­be­trieb, er vermisst Neugier, Kreati­vität und Wagnis. – Nur zu!

Horst Dichanz

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