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TROUBLE IN TAHITI
(Leonard Bernstein)
Besuch am
17. November 2017
(Premiere am 11. November 2017)
In Detmolds quirliger Fußgängerzone stößt man in einigen Werbevitrinen auf ein kleines Plakat, das zwei scherenschnittartig konturierte schwarze Figuren zeigt, eine Frau und einen Mann: Trouble in Tahiti. Der Namenszug darunter weist auf Leonard Bernstein hin – also wohl ein Musical in der Aula des örtlichen Gymnasiums? Wagen sich da die Theater-AG oder der Deutsch-Leistungskurs an die Öffentlichkeit, Weihnachtszeit und so? Doch der Betrachter liegt mit dieser Vermutung – völlig daneben. Mit Trouble in Tahiti wagen sich der 16-jährige Ruben Michael und sein Team ein zweites Mal in die Öffentlichkeit, um ein anderes, sein Theater zu präsentieren, einfach, mutig, unterhaltsam und professionell. Im letzten Jahr blieb Ruben Michael mit Bastien und Bastienne noch in einem Café, jetzt, durch den Erfolg ermutigt, darf es schon die Aula sein.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Das 1952 in den USA uraufgeführte, von Bernstein als Oper bezeichnete und selten gespielte Musical Trouble in Tahiti erzählt die Geschichte eines Paares, das sich selbst und seiner Ehe überdrüssig geworden ist, weil es im Mief des Alltags langsam erstickt. Diese kleine Alltagsgeschichte, gleichgültig, ob sie im US-Bundesstaat Massachusetts, im bürgerlich-satten Europa oder in einer verträumten lippischen Kleinstadt spielt, dreht sich um Langeweile und Frust in Küche und Schlafzimmer. Da kann man ohne Träume, ohne Fantasien kaum überleben, und so flüchten Dinah, lebendig und etwas verträumt gespielt von Paula Rohde, und Sam, als vertrocknet-korrekter Bürolangweiler von Laurin Siebert authentisch verkörpert, in die Traumwelt von Südseeschnulzen, etwa nach Tahiti. Auch als sie sich eigentlich zu einem „klärenden Gespräch“ verabreden und nicht den Anfang finden, landen sie wieder im Kino in Tahiti, nichts als Trouble. Ihnen bleiben – ihre Träume, ach ja.

Diese fast langweilige Alltagsgeschichte hat der junge Ruben Michael mit einfacher Ausstattung inszeniert. Als Bühnenbild reicht ihm ein aus Latten zusammen gezimmerter, einfacher Kasten, der mit Papier oder Tapeten in ein Zimmer verwandelt wird und für alle möglichen Zwecke dient, hier ist auch Platz für weitere Träume, die sich Protagonisten und Zuschauer als Graffiti herbei zaubern. Wozu sich in der Realität langweilen, wenn es sich so schön träumen lässt. Die banale Geschichte, in Englisch vorgetragen, erzählen Dinah und Sam oder ein kleiner Chor von drei Schauspielern, die häufig den Szenenwechsel markieren. Evangelia Giannopoulou, Florian Kretlow und Simon Herten, alle noch im Studium an der benachbarten Hochschule für Musik, geben diesen Gesangsszenen viel Schwung und Tempo, da klingt häufig, trotz dieser sparsamen Besetzung, der leichtfüßig-harmonische Bernstein-Klang durch. Als musikalische Hauptakteure treiben Paula Rohde, Sopran, als Dinah, und Laurin Siebert, Bass-Bariton, als Sam die kleine Geschichte voran und erfüllen sie musikalisch mit ihren Sehnsüchten und Fantasien. Sie singen Bernsteins gefällige Melodien in schönen Linien gefühlvoll heraus und tragen ein wenig ihre Sehnsüchte und Träume ins Publikum. Besonders Rohdes Dinah, der das heutige Amerika nicht fremd ist, nimmt man die Sehnsucht nach einem anderen, wirklichen Leben gern ab. Auch das nur achtköpfige Orchester zaubert unter der souveränen Leitung von Julian Wolf Klänge und Rhythmen, die das Publikum mitnehmen – beste Stimmung in der Aula. Keine Frage, eine große Fangemeinde und die Familien der Mitwirkenden sind begeistert von dieser einfachen, aber flotten, leichtfüßigen Aufführung von jungen Schauspielern in der Ausbildung, solchen Beifall spenden nur Theaterfans.
Michael hält sich als Jungregisseur weitgehend im Hintergrund und überlässt den Schlussapplaus vor allem „seinen“ Darstellern. Er steht längst schon mit einem Bein im Studium und im Theaterbetrieb, hat erste Erfahrungen als Regieassistent – und weitere werden folgen. Er freut sich darüber, dass die meisten Lehrer und der Schulleiter seine Leidenschaft verstehen, akzeptieren und erkennen, dass sich seine Leistungsschwerpunkte etwas von denen anderer Schüler unterscheiden. Und er will mehr leisten, hat weitreichende Pläne, die nicht nur ihn persönlich betreffen. Ihn stört vieles am traditionellen Theaterbetrieb, er vermisst Neugier, Kreativität und Wagnis. – Nur zu!
Horst Dichanz