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Foto © Fabio Parenzan

Alptraumhafte Visionen

EUGEN ONEGIN
(Peter Iljitsch Tschaikowsky)

Besuch am
17. November 2017
(Premiere)

 

Teatro Verdi Trieste

Von Anfang an verliert er sich traumhaft in seinen Erinne­rungen. Omnipräsent auf der Bühne blättert er immer wieder in seinem Tagebuch und findet sich dann im Geschehen wieder. Als etwa der von Tatjana an ihn geschriebene Brief aus dem Buch heraus­fällt, sieht er sich in der intimen Brief­szene der Tatjana wieder oder hört Lenski bei seiner wunder­baren Abschiedsarie vor der Duell­szene zu. Nach der Tötung seines Freundes kommen ihm selbst­mör­de­rische Gedanken hoch. Er setzt wiederholt die Pistole an. Einmal drückt er sogar ab, aber die Waffe funktio­niert nicht.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Vera Petrova sieht ihre Insze­nierung von Peter Iljitsch Tschai­kowskys Eugen Onegin, der diesjäh­rigen Eröff­nungs­pre­miere am Teatro Verdi in Triest, als traum­hafte Rückblende des Lebens des Titel­helden. Kein schlechter Ansatz, wenn auch etwas beliebig und in der Tat nicht wirklich neu. Irgend­welche Extra­va­ganzen bietet sie nicht, eher nur stati­sches Kammer­theater. Denn sie lässt in der reduzierten, aber durchaus mit sugges­tiven, beein­dru­ckenden Licht­stim­mungen angerei­cherten Szenerie mit einigen Zwischen­vor­hängen, drehenden, großen Türele­menten, Video­ein­spie­lungen und den histo­ri­sierten Kostümen – die Ausstattung, Alexander Kostyu­chenko schuf das Bühnenbild, Steve Almerighi die Kostüme, stammt aus der Natio­naloper in Sofia und wurde dort bereits im Frühjahr 2017 gezeigt – die Perso­nen­führung eher schleifen. Auf das Ballett wird trotz der geradezu dazu heraus­for­dernden Tänze, die in der Musik hörbar sind, fast völlig verzichtet.

Foto © Fabio Parenzan

Sehr gut und vor allem sehr jung erlebt man das Sänger­ensemble: Valentina Mastrangelo vor allem ist eine ungemein mädchen­hafte Tatjana mit vielen feinen und leisen Zwischen­tönen und einem herrlich blühenden Sopran. Als Titelheld ist Catalin Toropoc mit warmem Edeltimbre und noblem Gehabe zu vernehmen. Dann singt hier der erst 23-jährige Tigran Ohanyan einen darstel­le­risch eher ungelenken Lenski mit etwas kleinem, aber sehr schönem und höhen­si­cherem Tenor. An seiner Darstellung sollte er noch dringend arbeiten, denn außer einigen Schritten auf der Bühne ist keine Bewegung oder Emotion erkennbar. Auch hat man ihn mit einer völlig unpas­senden Langhaar­pe­rücke „verschönert“. Wohltönend mit der notwen­digen Basstiefe hörte man Vladimir Sazdovski als sehr würdigen Fürst Gremin. Ideal besetzt sind auch Anastasia Boldyreva als Olga, Giovanna Lanza als deren Mutter Larina, Dmytro Kyforuk als Triquet. Die übrigen kleineren Rollen sind rollen­de­ckend besetzt und einen gut singenden, homogenen Chor des Teatro Verdi, den Francesca Tosi genau einstu­diert hat, hört man auch.

Wiewohl Fabrizio Maria Carminati mit fordernden Gesten das recht dünn klingende Orchester des Teatro Verdi immer wieder zu mitrei­ßendem Spiel mit zugespitzten Tempi auffordert, folgen ihm die Musiker dazu nur bedingt. Es fehlt an mehr ausge­reizten Akzenten und zündenden und packenden Momenten, etwa bei der Polonaise, während die Lyrismen mit feinen Tönen klang­schön ausschwingen.

Viel Jubel erklingt zum Schluss im feierlich gestimmten Haus. Denn die Inaugu­ra­zione der neuen Saison wird tradi­tionell immer mit der italie­ni­schen Hymne begonnen. Zudem tritt die gesamte lokale Prominenz in exqui­siter Kleidung in Erscheinung. Mehrere Carabi­nieri in schmucken Galauni­formen mit Säbel schmücken die Eingänge.

Helmut Christian Mayer

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