Zu selten gespielt

REQUIEM OPUS 89
(Antonín Dvořák)

Besuch am
22. November 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Karl-Forster-Chor, Konzerthaus Berlin

Im November werden bekanntlich die meisten Requiem-Werke aufge­führt. Leider gehört das Requiem von Antonín Dvořák viel zu selten dazu. Liegt es vielleicht daran, dass es ursprünglich nicht als litur­gi­sches Werk gedacht war? Oder, dass es keinen dritten Teil hat, wie in konven­tio­nellen Kompo­si­tionen? Es wurde ja immerhin auch nicht von einem Kirchen­herrn in Auftrag gegeben, sondern vom Birmingham Triennial Music Festival – übrigens das Festival mit der längsten Lebens­dauer, von 1784 bis 1912 fand es statt und war von Anbeginn als Spenden­sammler für den Bau eines Kranken­hauses gedacht.

Dennoch hat sich der katho­lische Komponist eine eigene Textcollage für dreizehn Musik­nummern aus den elf Stationen einer tradi­tio­nellen Missa Pro Defunctis zusam­men­ge­stellt. Diese Collage hat er dann mit eigenen Themen und mit Ablei­tungen aus grego­ria­ni­schen Gesängen und alttsche­chi­schen Liedern angerei­chert.  Dvořák erhielt den Auftrag in einer Zeit seines Lebens, in er schon gefeiert war und sich in einer Hochschaf­fenszeit befand.  Als düster und dunkel ist sein Requiem nicht einzu­ordnen. Eher als elegisch, meditativ und erhaben, indem er den Zuhörer mit der Unaus­weich­lichkeit des Todes wie selbst­ver­ständlich konfron­tiert. Momente der Ekstase – beispiels­weise das Sanctum – werden vom Chor und den Solisten prägend ausgearbeitet.

Foto © Gerald Pahn

Das abend­fül­lende Werk von rund 100 Minuten ist für großes Orchester inklusive Orgel und Schlag­in­stru­mente wie Gong und Glocken geschrieben. Dazu kommen vier Solisten und gemischter Chor.  Allein die Besetzung deutet auf Auffüh­rungen eher im Konzertsaal als in Kirchen hin.

Der 1998 gegründete und nach dem ehema­ligen Domka­pell­meister Karl Forster benannte Chor mit Sitz in Berlin widmet sich mit einem etwa 70 Stimmen starken Ensemble regel­mäßig den großen Chorwerken. Seit 2007 wird er von Volker Hedtfeld geleitet.  Dem liegt die Trans­parenz und hohe Klang­reinheit des Ensembles sehr am Herzen. Und diese Quali­täten beweisen die Damen und Herren in hohem Maße.  Besonders die Männer­stimmen beein­drucken mit einem homogenen und melodiösen Klang.

Sopran Martina Rüping, Alt Laura Atkinson, Tenor Michael Zabanoff und Bass Carsten Sabrowski sind gut aufein­ander abgestimmt und ergeben ein harmo­ni­sches Ganzes.  Zusammen mit der Kammer­sym­phonie Berlin, einem seit 1991 bestehenden Ensemble, sorgt Hedtfeld dafür, dass die Inten­tionen des Kompo­nisten gewürdigt werden.

Das Publikum im nicht ausver­kauften Konzerthaus honoriert die Leistungen der Inter­preten mit langan­hal­tendem Applaus.

Zenaida des Aubris

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