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OLD, NEW, BORROWED, BLUE
(David Dawson, Uwe Scholz, Bridget Breiner, Jiří Kylián)
Besuch am
25. November 2017
(Premiere)
Old, new, borrowed, blue: Einem englischen Brauch nach soll ein Brautkleid etwas Altes, Neues, Geborgtes und „Blaues“ enthalten, um dem Ehepaar Glück zu bringen. Bridget Breiner, die ebenso erfolgreiche wie fantasievolle Ballett-Direktorin des Gelsenkirchener Balletts im Revier, stellte unter diesem Motto vier Arbeiten bedeutender Choreografen zusammen, die dem Titel des kurzweiligen Programms, bei etwas großzügiger Auslegung, gerecht werden.
Eine Uraufführung fehlt diesmal zwar, aber für das Gelsenkirchener Publikum hält Breiner dennoch viel Neues bereit. So die hier erstmals zu sehende Aufführung von Uwe Scholz‘ berühmtem Pas de deux Jeunehomme-Klavierkonzert, 2. Satz aus dem Jahr 1986. Zu den introvertierten Klängen aus Mozarts Klavierkonzert konzipierte der viel zu früh verstorbene Choreograf eine Studie von bestrickender Sensibilität und Hintergründigkeit. Vor dem autografen Notenausschnitt als Bühnenbild entfalten Lucia Solari und Carlos Contreras einen Liebestanz, der feinfühlig zwischen Zuneigung, Irritation und Distanz changiert, bis es am Ende zu einem zarten Happy End kommt. Tanzkunst auf klassischer Basis von ergreifender Inspiration.
| Musik | ![]() |
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Damit führt das Werk die Ästhetik weiter, die David Dawson mit A sweet spell of oblivion – Ein süßer Zauber des Vergessens – zum Auftakt des Abends anklingen lässt. Zu neun Präludien Johann Sebastians Bachs aus dem Wohltemperierten Klavier zelebriert Dawson, der Choreograf der erfolgreichen Gelsenkirchener Giselle, eine halbstündige Traumsequenz wechselnder menschlicher Beziehungen, in denen er Elemente des modernen Tanzes ebenso fein mit klassischen Essenzen verknüpft wie Scholz. Tänzerisch fehlt es der Kombination der beiden Arbeiten ein wenig an Kontrast. Ein kleines Manko, das durch die bunte Mischung der Bach-Präludien immerhin musikalisch gemildert wird.

Und Welten trennt auch Breiners eigene Choreografie In honour of nicht von den Stücken Dawsons und Scholz‘. Ein Pas de trois, das 2014 in Riga uraufgeführt wurde und erst jetzt als borrowed, geborgte Gabe ins Gelsenkirchener Repertoire aufgenommen wurde. Auf leerer, dunkler Bühne entsteht ein wechselndes Beziehungsgeflecht zwischen zwei Männern und einer Dame – Valentin Juteau, Ledian Soto und Francesca Berruto – zu den impulsiven Klängen von Georges Pelēcis‘ moderner Verbeugung vor dem barocken Meister Henry Purcell, die die Neue Philharmonie Westfalen eigens für die Produktion eingespielt hat. Breiner verknüpft tänzerische Elemente als Referenz vor großen Vorbildern von Balanchine bis Forsythe mit ihrer eigenen, expressiven Bewegungssprache, ohne die „alten Meister“ zu kopieren. Ein fahrbarer Scheinwerfer, den die Tänzer wechselweise über die Bühne schieben, sorgt für ständig neue Perspektiven im filigran verästelten Beziehungsmosaik der Tänzer.
Turbulent geht es zum Abschluss in Jiří Kyliáns Indigo Rose zu, dem blauen Element des Programms. Eine vierteilige Studie aus dem Jahre 1998 zur Musik von Robert Ashley, François Couperin, John Cage und Johann Sebastian Bach, die Kylián als eine Art Spielwiese und Experimentierfeld für junge Tänzer entwickelte. Die Buntscheckigkeit und Vitalität des kontrastreichen Werks kommen dem jugendlichen Bewegungsdrang deutlich entgegen, wobei Kylián freilich auch nicht die verletzliche Sensibilität vermissen lässt, die den Prozess des Erwachsenenwerdens begleitet. Brillant wechselt er die Tempi der Abläufe von vorwärtsdrängender Energie bis zu zeitlupenhaften Verzögerungen, die am Ende in atemlosem Stillstand enden. Dabei verhilft ein schlichtes dreieckiges Tuchsegel, das zeitweise die Bühne diagonal verhüllt, zu grotesken Schattenrissen, die dem Werk zusätzlichen sinnlichen Reiz verleihen.
Dass das Ensemble des Balletts im Revier zu den führenden Tanzcorps des Landes gehört, bestätigt sich durch diesen eindrucksvollen Abend erneut. Entsprechend begeistert reagiert das Premierenpublikum.
Pedro Obiera