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Bedrohlich aktuell

LE PROPHÈTE
(Giacomo Meyerbeer)

Besuch am
26. November 2017
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Auch wenn die Oper ihre Erstauf­führung 1849 hatte und Giacomo Meyerbeer den histo­ri­schen Aufstand der Wieder­täufer im westfä­li­schen Münster in der Mitte des 16. Jahrhun­derts als Vorlage genommen hat – so wirken die Bilder dieser Produktion an der Deutschen Oper Berlin, als würden sie aus der aktuellen Abend­schau stammen.  „Ein Mann, dessen Braut verge­waltigt wurde, verschafft sich durch den religiösen Funda­men­ta­lismus die Möglichkeit zur Rache”, fasst Regisseur Oliver Py die Handlung präzise zusammen.

Py und sein Bühnen- und Kostüm­bildner Pierre-André Weltz haben die Geschichte von Liebe, Macht, Korruption, Macht­miss­brauch und Fanatismus in einer namen­losen, grauen, schmut­zigen, urbanen Platten­bau­land­schaft angesiedelt. Hier werden alle aktuellen Klischees bedient: Verge­wal­tigung von Frauen und Männern gleicher­maßen, Radika­li­sierung durch Terror, Verdummung des Volkes, Wunder­hei­lungen, Einsatz von Autos und lebenden Tieren: Sogar der geliebte Schäferhund, der auch noch – es wird unmiss­ver­ständlich angedeutet – vom Tenor erschossen werden soll. Und das geschieht alles unter dem Mantel des Glaubens, wo doch nur die eigene Lust, Berei­cherung und Macht­gefüge eine Rolle spielen. Da kann nicht einmal ein halbnackter Engel, der immer und immer wieder mit seinen Pappkarton-Flügeln und ‑Sprüchen herein­schwebt, Ordnung hinein­bringen, nur Lacher.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

An halbnackten Männern mangelt es nicht – vermutlich sollen sie die wilde Erotik darstellen. Aber wenn sie en masse auftreten, als fanati­sches Solda­ten­ballett, wirken sie eher als Parodie. Insgesamt wird viel homoero­ti­sches Fleisch gezeigt. Besonders beim obligaten Ballett – das berühmte Schlitt­schuh­läu­ferbild. Somit ergeben sich fast 20 Minuten von sich rhyth­misch drehender Bühne mit Folter, Verge­wal­ti­gungen, Water­boarding und brennenden Autos und im Graben eine Walzer-anmutende musique de ballet.

Den Sängern wird in dem fünfak­tigen Werk einiges abver­langt, zumal Meyerbeer oft Stimm­liches in Zwischen­reichen schreibt.  Allen voran die Haupt­rolle – Jean de Leyde, hier von Gregory Kunde verkörpert. Zwar forciert er im ersten Akt noch, wird aber zunehmend freier, und singt seine große Arie Roi du Ciel mit Überzeugung, wenngleich die Mittellage nicht unbedingt die reichste ist.

Mezzo­so­pra­nistin Clèmentine Margaine in der Rolle der Fidès, die über alles geliebte Mutter von Jean, kann zu Recht einen vollen Erfolg verbuchen –  sowohl stimmlich wie drama­tisch überzeugen die Gefühle, die sie als Mutter und später als verachtete Irre vorträgt.

Als die junge Berthe bringt Elena Tsailagova einen klaren Sopran, der wunderbar zur unschul­digen jungen Braut­figur passt. Später dann, wenn sie sich als rächende Furie zeigt, entwi­ckelt sie ein erstaun­liches Selbst­be­wusstsein, wächst stimmlich über sich selbst hinaus.

In den Neben­rollen stellen die drei oppor­tu­nis­ti­schen Wieder­täufer-Mönche Derek Welton, Andrew Dickinson und Noel Bouley ein homogen düsteres Trio dar.  Bass-Bariton Seth Carico gibt den lokalen Mafia-Boss Graf Oberthal mit schur­ki­scher Eleganz und fiesem Zynismus.

Foto © Bettina Stöß

Bei Meyerbeer ist der Chor weit mehr als nur Statist. Unter der Leitung des neuen Chordi­rektors Jeremy Bines wird der schon immer hervor­ra­gende Chor der Deutschen Oper zur leben­digen, hievenden Masse, die sich von falschen Propheten zwar blenden lässt, dann aber doch für Gerech­tigkeit sorgt und überlebt.

Musika­lisch wird hier die Premiere in der revidierten Fassung der histo­risch-kriti­schen Edition gespielt. „In der Neuausgabe sind sowohl die erste Fassung, wie auch die von Meyerbeer nach der Premiere 1849 abgesegnete Fassung vertreten. Das hat den Vorteil, dass auf die Möglich­keiten des Opern­hauses und die Leistungs­fä­higkeit der Sänger Rücksicht genommen werden kann. Nicht anders, als das zu Meyer­beers Zeit der Fall war“, sagt Enrique Mazzola. So hält auch der Dirigent die Balance zwischen Bühne und Graben, zähmt das große Orchester mit seinen vier Trompeten, vier Hörnern und zwei Harfen und erlaubt den Sängern den notwen­digen akusti­schen Spielraum.

Mit Le Prophète setzt die Deutsche Oper Berlin ihren Meyerbeer-Zyklus fort – nach Vasco da Gama und Les Huguenots – ein sehr ambitio­niertes Projekt, sind die Werke von Meyerbeer doch als der Inbegriff der Grand Opéra einge­stuft.  Auch bei dieser Produktion ist klar, dass nur ein Opernhaus mit ausrei­chenden Mitteln ein solches Projekt auf die Beine stellen kann – Ballett, Chor, Extra- und Kinderchor, Statis­terie, Drehbühne, pyrotech­ni­schen Effekten, doppel­stö­ckigen Stahl­bauten, Panoramen und Projek­tionen –  die Werkstätten der Oper müssen hier gesondert erwähnt und gelobt werden.

Am Ende des fast fünf Stunden langen Abends feiert das Publikum den Chor, die Solisten und den Dirigenten. Das Regieteam erntet geteilt starke Bravo- und Buhrufe.

Zenaida des Aubris

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