O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Jochen Quast

Familienfreundlich

DRACULA
(Frank Wildhorn)

Besuch am
1. Dezember 2017
(Premiere)

 

Landes­theater Detmold

Das Premie­ren­pu­blikum ist auffallend gemischt. Die mit ihrem Vater gekommene Fünft­kläss­lerin zieht die Schuhe aus und macht es sich im Parkett­sessel bequem, um mit voller Aufmerk­samkeit dem Bühnen­ge­schehen folgen zu können. Zum Glück sitzt das hochge­wachsene Gothic-Pärchen, dessen weiblicher Teil auch noch einen Kopfschmuck trägt, nicht direkt vor des Kindes Nase. Im Rang nimmt eine Schul­klasse Platz. Überhaupt sind die Besucher dieser Premiere im Schnitt erstaunlich jung.

Frank Wildhorns auf dem Roman von Bram Stoker basie­rendes Musical stellt Dialoge und Tanz hintenan, es gehört mit seinen zahlreichen Ensembles eher in die Linie der Opéra comique und der Rockoper. Beide Genres sind vom Kompo­nisten einige Male weich­ge­spült worden. Immerhin bietet das Ergebnis Aussicht auf einen kurzwei­ligen Abend.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Da reicht es völlig aus, wenn Lars Helmer die Figuren­kon­stel­lation deutlich heraus­ar­beitet, für effekt­volle Auftritte und Abgänge sorgt und optisch attraktive szenische Arran­ge­ments trifft. Sogar für den blutsaugenden Grafen ein wenig Sympathie zu wecken, gelingt dem Regisseur. Dracula ist im tiefsten Herzen ein Melan­cho­liker, der gleicher­maßen unter dem Fluch der bösen Tat und der Verdammung zu ewigem Leben leidet. Eher als das Schreck­ge­spenst kehrt der trans­syl­va­nische Hochadlige die triviale Ausgabe eines Byron­schen Dandys und Weltschmerzlers hervor.  Grausam­keiten serviert Helmer meist dezent als Schat­ten­spiel. Die Kinder im Saal sind da aus ihren Märchen- und Sagen­bü­chern Schlim­meres gewohnt. Und wenn van Helsing mit Lucys abgeschla­genem Kopf über die Bühne läuft, bleibt der Lacherfolg weder bei der Schul­klasse im Rang noch im übrigen Publikum aus. Auch die Erotik zeigt sich jugendfrei. Was sich zwischen Dracula und Mina auf dem Kanapee taktil und haptisch abspielt, kommt dennoch eindeutig über die Rampe. Freilich lässt die Dialog­regie zu wünschen übrig. Die kurzen Sprech­texte scheinen bloßer Ballast.

Kay Anthonys Bühne setzt auf Licht­stim­mungen und Hinter­grund­pro­jek­tionen, die den jewei­ligen Schau­platz andeuten. Das wirkt ein wenig dürftig, ist aber sicher prakti­kabel für Abste­cherorte mit nur beschei­denen techni­schen Möglichkeiten.

Die Kostüme von Torsten Rauer mischen 19. Jahrhundert für die Titel­figur mit Art-déco- Kreationen für die Damen. Die Herren­gar­derobe gehört unbestimmter ins zweite Viertel des 20. Jahrhunderts.

Foto © Jochen Quast

Versiert entledigt sich der von Francesco Damiani einstu­dierte Chor des Landes­theaters seiner überschau­baren Aufgabe.

Für ein Musical denkbar diffe­ren­ziert und klang­kul­ti­viert tönt es aus dem Graben. Das Sympho­nische Orchester des Lande­theaters unter Mathias Mönius gibt alles, um zwischen den Gefahren von Seifigem und Zucker­watte, die beide in Wildhorns Partitur lauern, hindurch zu schiffen. Dirigent und Orchester holen mehr aus der Musik heraus, als vermeintlich in ihr steckt. Dass hier Sympho­niker und nicht Musiker einer kommer­zi­ellen Produktion aufspielen, wirkt sich entschieden zum quali­ta­tiven Vorteil aus.

Auch die Sänger­dar­steller dürfen Facetten jenseits rein profit­ori­en­tierter Musical­in­dustrie zeigen. So wartet Lucius Wolter in der Titel­rolle mit markantem Timbre und drama­ti­schem Aplomb auf. Angelina Biermann als Mina Murray und Katrin Merkl als Lucy Westenra profi­lieren sich durch intel­li­gente Phrasierung. Der van Helsing von Udo Eickelmann trägt durch darstel­le­rische Agilität und gepflegte Sprech­kultur die schau­spie­le­rische Palme des Abends davon. Nur Julian Culemann als Jonathan Harker bleibt blass. Alle weiteren Rollen sind angemessen besetzt.

Bürger­liche Premie­ren­abon­nenten, Gothic-Leute, Jugend­liche und Kinder, sie alle sind höchst angetan. Die Detmolder Begeis­terung für das heimische Theater kennt wieder einmal keine Grenzen. Sofort erhebt sich das Publikum zu standing ovations. Auf Auswärtige wirkt das befremdlich, anderer­seits hat die Verbun­denheit des Publikums mit „seinem“ Haus etwas Gewin­nendes. Jeden­falls kann über die Famili­en­taug­lichkeit der Produktion kein Zweifel bestehen. Wer das adrette, einstige lippische Residenz­städtchen mit seinem Theater nicht kennt, mag sie als Abend­pro­gramm für einen Wochen­end­ausflug mit dem Nachwuchs dorthin vormerken.

Michael Kaminski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: