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Foto © Thomas Jauk

Stereotypen im Kubus

EUGEN ONEGIN
(Peter Tschaikowski)

Besuch am
7. Dezember 2017
(Premiere am 2. Dezember 2017)

 

Theater Dortmund, Oper

Was ist los in Dortmund? Zugegeben, es ist Adventszeit, Weihnachts­markt. Aber wenn in der zweiten Vorstellung das Opernhaus gefühlt gerade mal zur Hälfte gefüllt ist, dann überrascht das schon. Vielleicht hatte sich nach der Premiere schon herum­ge­sprochen, dass die Neuin­sze­nierung Tina Laniks zwar sehr werkgetreu, aber leider auch eine Spur oberflächlich ist. Die Geschichte um die junge Tatjana, die sich in den arroganten Eugen Onegin verliebt, von ihm zurück­ge­wiesen wird und dann später seinen Absturz erlebt, wird sehr gradlinig erzählt, findet leider aber keine eindeutige Linie. Mal sind es symbo­lische Bilder, mal eine Handlung. Im ersten Fall fehlt es an optischem Zauber. Da bleibt der übermächtige Schatten des Onegin, der vor dem Duell den Lenski überragt, am ehesten im Gedächtnis hängen. Stefan Schmidt kann mit seiner Beleuchtung einiges zu der Atmosphäre beisteuern. Auch die Kostüme von Johanna Hlawica sind sehr schön anzusehen, insbe­sondere für die Damen. Der Kontrast von den Szenen auf dem Lande zum Ball in der Metropole beim Fürsten Gremin ist deutlich greifbar.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Auch Jens Kilian gelingt im Übergang zum dritten Akt eine gefällige Verän­derung, wenn die Sicht frei wird auf die Glaswände seines Kubus. In den ersten beiden Akten sind seine Wände passend zum Gutshof der Larina aus Holz. Auf die Drehbühne montiert, ermög­licht er kleinere, schnelle Umbauten. Über weite Strecken müssen alle Protago­nisten in diesen drei Wänden spielen, was recht eng und unüber­sichtlich werden kann, wenn der Chor mitmischt. Auf der anderen Seite fokus­siert er den Blick auf die zentrale Ausein­an­der­setzung Onegin und Tatjana. Leider übertreibt es Lanik, die an sich mit einer guten Perso­nen­führung aufwartet, wenn sie die Charaktere wie in einem emotio­nalen Bilderbuch für Hobby­psy­cho­logen ausbreitet. Tatjana muss fast wie in einem schlechten Ballett schüchtern an den Wänden entlang hasten, sich in die Ecken drücken. Kein Wunder, dass Onegin zunächst kein Interesse an ihr hat, aber dann auf sie aufmerksam wird, wenn sie sich wie ein Pin-up-Girl im roten Kleid auf dem Oldtimer räkelt. Und der Titelheld wird so unsym­pa­thisch und übertrieben arrogant gezeichnet, dass man keinen Funken Sympathie mit ihm verspürt. Im Gegenteil fragt man sich, warum sich Tatjana überhaupt die Mühe macht, diesem Mann einen Brief zu schreiben. Auch bei dem anderen Paar gibt es keine Überra­schung: Lenski klammert bei seiner Olga, die alles nicht so ernst nimmt.

Foto © Thomas Jauk

Die musika­lische Inter­pre­tation hätte durchaus das Potenzial, dem Abend mehr Tiefgang zu geben. Aller­dings läuft es in der zweiten Vorstellung nicht ganz rund. Selbst bei Emily Newton schleichen sich Schärfen ein, die man sonst nicht bei ihr hört. Ansonsten enttäuscht die Sopra­nistin mit einer emotio­nalen Darbietung auch als Tatjana nicht. Auf Augenhöhe mit ihr ist Simon Mechlinski als Eugen Onegin mit einem in sich ruhenden, kräftig timbrierten Bartion, der nur in der Höhe ein bisschen blass wird. Das Finale singt er dann fast eine Spur zu kontrol­liert. Der gefühlvoll singende Thomas Paul wartet als Lenski mit einem barito­nalem Kern auf, demons­triert in den Höhen den makel­losen Glanz eines Tenors. Ileana Mateescu bleibt als Olga überra­schen­der­weise vokal etwas unscheinbar, zeigt aber szenische Präsenz. Gutes Niveau in den kleinen Rollen: Almerija Delic überzeugt als Larina, und Judith Christ singt die Filip­jewna sehr sauber – ein Genuss, den man nicht häufig hat. Luke Stoker holt aus seinem kurzen Part als Gremin das Beste heraus. Auch Fritz Stein­bacher wickelt mit den wenigen Takten des Triquet das Publikum um seinen Finger.

Die Stimmen in den Ensembles fügen sich nicht immer sauber zusammen, und auch der Chor, einstu­diert von Manuel Pujol, lässt eine gewisse Harmonie und zuweilen auch die richtigen Tempi vermissen, ist aber voller Einsatz dabei. Ob Philipp Armbruster am Pult hätte mehr helfen können, ist fraglich. Aber auch bei den Dortmunder Philhar­mo­nikern vermisst man die Präzision. Die Inter­pre­tation mit teilweise recht zügigen Tempi, aber auch mit einigen ungewohnten Verzö­ge­rungen ist aber auch sehr schwer zu spielen. Immer wieder blitzt die Klasse des Orchesters durch, wenn die Instru­mente den Geist von Tschai­kowskys Musik, seine ganz spezi­ellen Farben plötzlich packen, aber leider auch schnell wieder verlieren.

Die Lust am Applaus hat das Publikum wohl an der Garderobe abgegeben. Gibt es eine größere Strafe für die Künstler? Wenige Zuschauer, die noch dazu mit dem Beifall knausern und sich statt­dessen unter­halten. Es gibt ganz selten Szenen­ap­plaus, der dann aber wenig motiviert klingt. Am Schluss werden Klatschen und Bravorufe immerhin deutlich kräftiger, aber schon bei der nächsten Gelegenheit verlässt man schnell den Zuschau­erraum. Das ist eine ganz schwache Leistung.

Rebecca Hoffmann

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