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Familiengeburtstag

KUNST MUSS (ZU WEIT GEHEN)
(Helmut Oehring)

Besuch am
11. Dezember 2017
(Premiere am 9. Dezember 2017)

 

Oper Köln, Staatenhaus

Am 21. Dezember wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Die Kölner Oper nimmt das denkwürdige Datum zum Anlass, zusammen mit dem Ensemble Musik­Fabrik den Berliner Kompo­nisten Helmut Oehring mit einem Musik­theater-Projekt zu betrauen, das an den Nobel­preis­träger erinnern soll, der seit seinem Tod 1985 ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist. Kunst muss (zu weit gehen) nennt Oehring sein andert­halb­stün­diges Projekt und bezieht sich damit auf die denkwürdige Rede Bölls zur Eröffnung des Wupper­taler Schau­spiel­haues vor etwa 50 Jahren. „Nie kann die Kunst Ruhe geben“ gehört zu den Schlüs­sel­sätzen der Ansprache, die, von Böll mit gewohnt sanfter Stimme vorge­tragen, Protest­stürme in etlichen Honora­tio­ren­kreisen hervor­ge­rufen hat.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Es lohnt sich, daran zu erinnern, welche Spreng­kraft leise, aber deutlich formu­lierte Worte entfalten können. Böll vertei­digte seine Ansichten mit unerschro­ckener Konse­quenz, trat aber niemals aggressiv in Erscheinung. Er hätte sich niemals dazu hinreißen lassen, einen braun gefärbten Bundes­kanzler wie Kurt Georg Kiesinger zu ohrfeigen, wie es Beate Klarsfeld getan hat. Aber er schickte der Bürger­recht­lerin als Anerkennung 50 Rosen. Oehrings neues, jetzt in Köln urauf­ge­führtes Werk klingt entspre­chend versöhnlich. Der Komponist nennt es Dokupoe­ti­sches Instru­men­tal­theater für 16 Instru­men­tal­Vo­kal­So­lis­tInnen, drei Sänge­rinnen, Kinder­so­lis­tInnen, vorpro­du­zierte Zuspiele + Live-Elektronik, dessen Libretto aus Sequenzen der Wupper­taler Rede, anderer Texte Bölls, aber auch autobio­gra­fi­scher Berichte einiger Mitwir­kender zusam­men­ge­setzt ist. Der colla­gen­hafte Charakter ist beabsichtigt, und das Ganze erinnert weniger an ein zusam­men­hän­gendes Theater­stück als ein Famili­en­treffen zu Ehren eines großen Verstorbenen.

Foto © Paul Leclaire

Einige Musiker einschließlich des Kompo­nisten binden bewusst ihre zum Teil sehr kleinen Kinder in das Geschehen ein. Die Kinder malen, singen, kommu­ni­zieren mit den Instru­men­ta­listen, greifen selbst zu einigen Instru­menten und ihr unbeküm­mertes Verhalten wirkt geradezu beklemmend, wenn Bölls Sohn René einge­spielte Auszüge aus Bölls Kriegs­er­in­ne­rungen vorträgt. Eindring­licher lässt sich die Botschaft Bölls, alles zu tun, um Katastrophen wie die des 20. Jahrhun­derts zu verhindern und unseren Kindern zu ersparen, kaum ausdrücken.

Dafür bedarf es keinerlei aggres­siver Töne, die Oehring nur ganz selten einstreut. Statt­dessen lässt er den exzel­lenten Musikern des Kölner Ensembles Musik­Fabrik viel Freiraum, mit mehr oder weniger impro­vi­sierten Soli quasi spiele­risch in das Geschehen einzu­greifen. Sei es als ein auf dem Boden liegendes Streich­quartett oder als Tubist, dem ein kleines Mädchen einen Eimer Tisch­ten­nis­bälle in die Röhre kippt.

Oehrings eigene Klang­schöp­fungen, die durch instru­mental geführte Vokal­stimmen der fabel­haften Kölner Solis­tinnen Emily Hindrichs, Adriana Bastidas-Gamboa und Dalia Schaechter eine sphärisch weltent­rückte Färbung erhalten, kombi­niert Oehring mit Zitaten aus klassi­schen Highlights von Beethoven, Schubert, Mahler und Weill.

Und es sind immer wieder die stets anwesenden Kinder, die den gespro­chenen und gesun­genen Texten zusätz­lichen Nachdruck verleihen. Nicht zuletzt Oehrings eigene zwölf­jährige Tochter Mia, die mit ihrer klaren Stimme und ihrem wallenden Haar dem Unter­titel des Projekts „oder Der Engel schwieg“ einen hinter­grün­digen Akzent verleiht.

Insgesamt eine würdige Erinnerung an den großen Schrift­steller und Mahner, dessen Schriften und Reden nichts von ihrer Aktua­lität verloren haben. Langan­hal­tender Beifall des sichtlich beein­druckten Publikums im Kölner Staatenhaus.

Pedro Obiera

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