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DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)
Besuch am
14. Dezember 2017
(Premiere)
Er trägt eine schwarze Lederjacke und einen Cowboyhut. Er säuft, raucht und kifft. Er rast mit dem Auto herum, prügelt sich und lässt den Proleten und Kriminellen skrupellos und ungeniert heraushängen. Dieser Don Giovanni ist von einem Edelmann, wie ihn der Librettist Lorenzo da Ponte und Mozart erdacht haben, weit entfernt, eher ist er ein Typ aus dem Wim-Wenders-Film Paris, Texas: So drastisch zeigt Florentine Klepper den notorischen Frauenverführer aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper aller Opern, dem jede Noblesse und Gefühlsregung fehlt.
| Musik | ![]() |
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Gefühlskälte atmet auch das überwiegend dunkle Bühnenbild, eine Tankstelle mit kaltem Neonlicht im Westen Amerikas – das Bühnenbild stammt von Martina Segina – sowie ein Auto im Mittelpunkt, wo sich in schäbigen, heutigen Kostümen, die Adriane Westerbarkey erdacht hat, die Story wie ein Roadmovie abspielt. Standesunterschiede, wie bei Da Ponte vorgesehen, sind nicht mehr auszumachen. Zusätzlich wird die düstere Inszenierung mit einer Unmenge von Videoclips aufgemotzt, die auf einen transparenten Vorhang projiziert werden. Das beginnt schon bei der Ouvertüre und endet zum Finale, wo die letzte Autofahrt symbolhaft in einen schwarzen Tunnel mündet. Sie zeigen meist eine großenteils entbehrliche, noch detailreichere Verdoppelung der Handlung, nerven wegen der hohen Quantität und lenken vom Gesang ab. Völlig verschenkt werden die Friedhofszene, die sich darauf beschränkt, dass der Kofferraum des Autos sich öffnet, wo seinerzeit der tote Komtur hineingehievt wurde und die Polizei mit Blaulicht erscheint, und das Finale: Die „Höllenfahrt“ des Wüstlings findet wieder einmal im Krankenhaus und zwar in der Psychiatrie statt: Der Wüstling wird von einer Horde von Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern am Bett mit Gurten fixiert, und niedergespritzt, bis er letztlich stirbt. Zweifellos hat Klepper viele Ideen und weiß, Personen bis in kleinste Details zu führen, nur ist ihre eigenwillige Konzeption verstörend, teils ärgerlich und kann nicht wirklich beeindrucken.

Beeindrucken kann hingegen die Mehrheit der Sänger: Rodion Pogossov ist ein derber, abstoßender, allerdings zu wenig präsenter Frauenverführer mit kernigem Bariton. Markant hört man den Bariton des Nicholas Crawley als Leporello. Anna Rajah ist eine koloratursichere, reich schattierte Donna Anna, Keri Fuge eine mädchenhafte, glockenreine Zerlina. Paola Giardina muss eine völlig hysterische Donna Elvira mimen, die mit einer Vespa ankommt und mit viel Stimmkraft, allerdings auch Vibrato ausgestattet ist. Joshua Owen Mills ist ein blasser, Rad fahrender Anzugträger Don Ottavio, dem unverständlicherweise seine erste wunderbare Arie Dalla sua pace gestrichen wurde. Davide Giangregorio als Masetto singt solide, Jisang Riu gibt einen stimmgewaltigen Komtur ohne Dämonie, den Don Giovanni mit dem Auto überfahrend tötet. Den Chor des Hauses – dessen Einstudierung Günter Wallner besorgte – dem man etliches gestrichen hat, hört man tadellos. Der moralisierende Schlussgesang wurde gestrichen. Die Übertitel der neuen deutschen Übersetzung waren noch nie so flapsig!
Passend zur Inszenierung wählt Giedre Slekyte am Pult rasante, speziell zum ersten Finale mörderische Tempi. Sie schlägt teils so unnachgiebig und straff den Takt, dass beim Kärntner Sinfonieorchester für ein ausschwingendes Musizieren zu wenig Raum bleibt.
Jubel zum Schluss, aber die Regie spaltet das Publikum hörbar, es gibt doch etliche Buhs.
Helmut Christian Mayer