O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Aljosa Rebolj

Derber Frauenverführer auf Schleuderkurs

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
14. Dezember 2017
(Premiere)

 

Stadt­theater Klagenfurt

Er trägt eine schwarze Leder­jacke und einen Cowboyhut. Er säuft, raucht und kifft. Er rast mit dem Auto herum, prügelt sich und lässt den Proleten und Krimi­nellen skrupellos und ungeniert heraus­hängen. Dieser Don Giovanni ist von einem Edelmann, wie ihn der Librettist Lorenzo da Ponte und Mozart erdacht haben, weit entfernt, eher ist er ein Typ aus dem Wim-Wenders-Film Paris, Texas: So drastisch zeigt Florentine Klepper den notori­schen Frauen­ver­führer aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper aller Opern, dem jede Noblesse und Gefühls­regung fehlt.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Gefühls­kälte atmet auch das überwiegend dunkle Bühnenbild, eine Tankstelle mit kaltem Neonlicht im Westen Amerikas – das Bühnenbild stammt von Martina Segina –  sowie ein Auto im Mittel­punkt, wo sich in schäbigen, heutigen Kostümen, die Adriane Wester­barkey erdacht hat, die Story wie ein Roadmovie abspielt. Standes­un­ter­schiede, wie bei Da Ponte vorge­sehen, sind nicht mehr auszu­machen. Zusätzlich wird die düstere Insze­nierung mit einer Unmenge von Video­clips aufge­motzt, die auf einen trans­pa­renten Vorhang proji­ziert werden. Das beginnt schon bei der Ouvertüre und endet zum Finale, wo die letzte Autofahrt symbolhaft in einen schwarzen Tunnel mündet. Sie zeigen meist eine großen­teils entbehr­liche, noch detail­rei­chere Verdop­pelung der Handlung, nerven wegen der hohen Quantität und lenken vom Gesang ab. Völlig verschenkt werden die Fried­hof­szene, die sich darauf beschränkt, dass der Kofferraum des Autos sich öffnet, wo seinerzeit der tote Komtur hinein­ge­hievt wurde und die Polizei mit Blaulicht erscheint, und das Finale: Die „Höllen­fahrt“ des Wüstlings findet wieder einmal im Krankenhaus  und zwar in der Psych­iatrie statt: Der Wüstling wird von einer Horde von Ärzten, Pflegern und Kranken­schwestern am Bett mit Gurten fixiert, und nieder­ge­spritzt, bis er letztlich stirbt. Zweifellos hat Klepper viele Ideen und weiß, Personen bis in kleinste Details zu führen, nur ist ihre eigen­willige Konzeption verstörend, teils ärgerlich und kann nicht wirklich beeindrucken.

Foto © Aljosa Rebolj

Beein­drucken kann hingegen die Mehrheit der Sänger: Rodion Pogossov ist ein derber, absto­ßender, aller­dings zu wenig präsenter Frauen­ver­führer mit kernigem Bariton. Markant hört man den Bariton des Nicholas Crawley als Leporello. Anna Rajah ist eine kolora­tur­si­chere, reich schat­tierte Donna Anna, Keri Fuge eine mädchen­hafte, glocken­reine Zerlina. Paola Giardina muss eine völlig hyste­rische Donna Elvira mimen, die mit einer Vespa ankommt und mit viel Stimm­kraft, aller­dings auch Vibrato ausge­stattet ist. Joshua Owen Mills ist ein blasser, Rad fahrender Anzug­träger Don Ottavio, dem unver­ständ­li­cher­weise seine erste wunderbare Arie Dalla sua pace gestrichen wurde. Davide Giang­re­gorio als Masetto singt solide, Jisang Riu gibt einen stimm­ge­wal­tigen Komtur ohne Dämonie, den Don Giovanni mit dem Auto überfahrend tötet. Den Chor des Hauses – dessen Einstu­dierung Günter Wallner besorgte – dem man etliches gestrichen hat, hört man tadellos. Der morali­sie­rende Schluss­gesang wurde gestrichen. Die Übertitel der neuen deutschen Übersetzung waren noch nie so flapsig!

Passend zur Insze­nierung wählt Giedre Slekyte am Pult rasante, speziell zum ersten Finale mörde­rische Tempi. Sie schlägt teils so unnach­giebig und straff den Takt, dass beim Kärntner Sinfo­nie­or­chester für ein ausschwin­gendes Musizieren zu wenig Raum bleibt.

Jubel zum Schluss, aber die Regie spaltet das Publikum hörbar, es gibt doch etliche Buhs.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: