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Publikumsmagneten wie Giuseppe Verdis La Traviata seien jedem Haus gegönnt. Auch dem Aachener Theater, dem nach zwei ambitionierten Produktionen von Monteverdis Krönung der Poppea und Leoš Janáčeks Katia Kabanova, die, vor allem im Fall Janáčeks, das Publikum nicht in hellen Scharen anziehen, ein sicherer Erfolgstreffer gut bekäme. Freilich lebt gerade ein Werk wie die Traviata von der Besetzung der Hauptpartien. Und damit haben selbst große Häuser, wie die aktuelle Kölner Produktion zeigt, ihre Probleme. Und Aachen ergeht es nicht wesentlich besser.
Die Inszenierung bewegt sich in gediegenen Bahnen. Ewa Teilmans kann sich mit Solen Mainguené in der Titelrolle auf eine äußerst wandlungsfähige und attraktive Darstellerin stützen, die so viel Energie ausstrahlt, dass man ihr das Endstadium der Tuberkulose nicht so recht abnehmen will. Teilmans sieht in der Figur ohnehin eine junge, sozial desorientierte junge Frau, die sich immer wieder ein Näschen Koks gönnt, um ihre innere Leere auszufüllen.
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In diesem Kontext erzählt die Regisseurin die Geschichte unspektakulär, aber einfühlsam und mit detailgenauer Personenführung nach. Eine rundum solide Regie-Arbeit ohne jeden aufgesetzten originellen Ehrgeiz.
Gespielt wird auf einer schrägen runden Spielfläche, die an Wolfgang Gussmanns eindrucksvolles Bild aus Willy Deckers Salzburger Traviata erinnert. Damit nutzt Bühnenbildnerin Elisabeth Pedross den Effekt geschickt aus, die Personen oft an den Rand des Absturzes zu bringen. Ein schönes Sinnbild für die unsichere Lebensbasis, auf der sich die jungen Leute mit Spiel, Koks und Liebesaffären in Gefahr begeben. Dass die weiße Fläche zugleich als Tanzboden und als imaginäre, mit überdimensionalen Tischblumen hübsch garnierte Liebesstätte genutzt werden kann, erhört den effektiven Gebrauchswert des Bildes.

Aber die erste Geige in der Traviata spielt die Musik. Und da kann zumindest Karl Shymanovitz, der Zweite Kapellmeister des Aachener Theaters, seine erste große Aufgabe recht überzeugend erfüllen. Er entfaltet ein gut disponiertes Klangbild, sorgt für stimmige Tempi, achtet rücksichtsvoll auf die Sänger und hält den Abend dauerhaft unter Spannung. Probleme bereitet freilich die Besetzung. Optisch stellt Solen Mainguené eine Traumbesetzung für die Violetta dar. Und ihr stimmliches Potenzial könnte auch für eine vorzügliche gesangliche Umsetzung der anspruchsvollen Partie reichen, wenn sich nicht bereits in so jungen Jahren ein unüberhörbares Dauervibrato einstellen würde, das einer weiteren positiven Entwicklung der Stimme im Weg steht. Hier sind technische Korrekturen unbedingt nötig.
Die Leistung von Alexey Sayapin als Alfredo ist schwer einzuschätzen. Der Tenor leidet so stark unter den Folgen einer Erkältung, dass sein schönes Material nur erahnt werden kann und sich eine seriöse Einschätzung seiner Möglichkeiten verbietet. Hrólfur Saemundsson gehört zu den zuverlässigsten Bariton-Kräften des Aachener Theaters. Allerdings wirkt der Bariton als Vater Germont stimmlich weniger überzeugend als in nicht-italienischen Opern. Für Verdi fehlt seiner Stimme der balsamische Wohlklang und auch ein wenig das Einfühlungsvermögen in das spezifische melodische und klangliche Kolorit der Rolle.
Die kleineren Parten sind gut bis befriedigend besetzt. Der von der Regisseurin stets in Bewegung gehaltene Chor hat in der Premiere noch Probleme im Zusammenspiel mit dem Orchester, was sich im Laufe der Aufführungsserie wohl erübrigen wird.
Insgesamt eine ordentliche Traviata ohne spektakuläre Höhepunkte, aber auch ohne katastrophale Fehler. Das Publikum reagiert entsprechend dankbar.
Pedro Obiera