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Im Spielplan der Komischen Oper Berlin war die Operette Ball im Savoy von Paul Abraham einer der ersten Höhepunkte in der Ära Barrie Koskys. Mit ihr begann auch die wunderbare Entdeckungsreise in die Unterhaltungskultur der 20-er und frühen 30-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die viel zur Rehabilitation der vielen im Dritten Reich verfolgten jüdischen Komponisten dieses Genres beigetragen hat. Einem von ihnen, Emmerich Kálmán, galt gar ein ganzer Zyklus, der sich über mehrere Spielzeiten erstreckte und eine Handvoll seiner seltener gespielten Bühnenwerke in konzertanter Form präsentierte. Diese Saison startet eine neue Reihe, diesmal mit Operetten von Paul Abraham. Er emigrierte, wie Kálmán, nach Amerika, konnte sich dort aber wie viele seiner Schicksalsgenossen nicht etablieren. Er erkrankte schwer und verbrachte jahrelang in psychiatrischen Kliniken. Auf Initiative von Freunden kehrte er zwar nach Deutschland zurück, gesundete aber nicht mehr.
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Abraham, der mit Viktoria und ihr Husar, Blume von Hawaii und Ball im Savoy drei der populärsten Operetten um 1930 kreierte, brachte wie kein zweiter Jazz und Swing in das Genre ein. So auch in der 1934 in Wien uraufgeführten Lustspieloperette Märchen im Grand-Hotel, dem Auftakt der Abraham-Serie, die europäischen Operettenschmelz und amerikanische Broadway-Revue aufs Wirkungsvollste verbindet. Das Stück spielt zunächst in Hollywood, wo der Filmproduzent Sam Makintosh nach einer guten, neuen Story sucht. Deshalb macht sich Tochter Marylou auf den Weg nach Europa, genauer nach Frankreich in das mondäne Grand-Hotel Place in Cannes. Hier residiert die spanische Prinzessin Isabella mit ihrem Verlobten Prinz Andreas. Der Kellner Albert verliebt sich in die Infantin, die Amerikanerin in den Prinzen und nach irrwitzigen Verwicklungen mischt sich zum Happy End der Adel mit dem Bürgertum, Verfilmung inclusive!
Durch den Abend führt Max Hopp. Er hat gerade am selben Haus ein grandioses Debüt als Milchmann Tevje in Anatevka gegeben und stellt sich nun nur zwei Wochen später in einer weiteren neuen Rolle vor. Und wieder zeigt er sich als begnadeter Singdarsteller, der nicht nur als Conférencier die Tücken der Technik mit trockenem Witz und Improvisationsgeschick überspielt, sondern dazu noch in die Rolle des Albert schlüpft. Sarah Bowden als Marylou scheint direkt vom Broadway eingeflogen zu sein. Wie ein Wirbelwind fegt sie über die Bühne, strahlt Sinnlichkeit pur aus, steppt und singt ihre Buffo-Szenen mit überbordender Vitalität. Allein wie sie den schnellen Foxtrott Jonny, brauchst du Money hinlegt, ist ganz große Show. Ganz anders Talya Lieberman, die hier als Infantin die Operettendiva gibt. Sie ist eine stimmliche Grande Dame, doch mit unendlich vielen Untertönen und Klangfarben – betörend, wie träumerisch und lässig zugleich sie die Titelmelodie vorträgt. Johannes Dunz als Prinz kann wunderbar blasiert schauen, singt dabei hinreißend und schmettert wie nebenbei eine lang anhaltende Topnote ins Publikum. Tom Erik Lie macht aus der Gräfin Inez keine Knallcharge, sondern stattet diese Frauenfigur mit feinem Humor aus.
Was aber wäre solch ein Abend ohne Adam Benzwi? Der Dirigent, ausgewiesener Experte für Musical und Unterhaltungsmusik jeglichen Genres, bringt Abrahams schmissige Melodien dem Orchester der Komischen Oper durch seine Stilsicherheit so nahe, dass es locker und fetzig wie eine Jazzband spielt.
Im nahezu ausverkauften Haus strahlen Mitwirkende und Zuschauer schon während der Aufführung um die Wette. Am Ende gibt es Riesenapplaus.
Karin Coper