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JESUS CHRIST SUPERSTAR
(Andrew Lloyd Webber)
Besuch am
25. Dezember 2017
(Premiere am 23. Dezember 2017)
Man mag viele der späteren Erfolgs-Musicals von Andrew Lloyd Webber, von Evita bis School of Rock, als kommerziell ausgerichtete Konfektionsware abtun. Seiner Auseinandersetzung mit der Passionsgeschichte, die unter dem Titel Jesus Christ Superstar 1971 aus der Taufe gehoben wurde, täte man damit Unrecht. Zusammen mit seinem Texter Tim Rice ist ihm ein Werk von erstaunlicher Reflexionstiefe und einer musikalischen Frische ohne jeden sentimental-kitschigen Anstrich gelungen. Wenn man das ebenso berührende wie mitreißende Werk in einer so seriösen und handwerklich nahezu perfekten Darstellung wie jetzt am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier erleben darf, verdient es einen Ehrenplatz in der qualitativ nicht gerade prall gefüllten Galerie exzellenter Musicals.
| Musik | ![]() |
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Oberflächlichkeit im Umgang mit dem auf den ersten Blick für ein Musical untauglichen Stoff kann man Lloyd Webber und Tim Rice wirklich nicht vorwerfen. Aus der Sicht von Judas Iscariot erleben wir einen Messias und eine Gefolgschaft, die an ihrer Bestimmung zweifeln und damit die religionskritische Einstellung der 1968-er Jahre hintergründig reflektieren. Auch die Verführbarkeit und Verlässlichkeit der Menge wird argwöhnisch betrachtet und der medienwirksame Hype um den Erlöser nach seinem spektakulären „Abgang“ am Kreuz erst recht. Lloyd Webber kleidet das Thema in eine Musik von stilistischer Vielfalt und Frische, die in keinem Takt sentimentale Larmoyanz oder anbiedernde Einfalt verströmt. Rockige Töne, expressive Balladen, sanfte Arien und aufheizte Tanzrhythmen beherrschen die Partitur, die Heribert Feckler in Gelsenkirchen noch dezent mit gregorianischen und anderen klassischen Sentenzen mischt und mit seiner Band perfekt umsetzt.

Intendant Michael Schulz, der sich im Oktober noch mit Hindemiths Mathis der Maler einem religiösen Thema von einer ganz anderen Seite näherte, inszeniert das Musical mit dem Ernst und der Präzision, wie man es von seinen Opernproduktionen gewohnt ist. Und zwar so, dass die von Paul Kribbe glänzend choreografierten Tanzeinlagen und die teilweise bedrohlichen Chorszenen ihre Schlagkraft ungehindert entfalten können. Angesiedelt ist das Ganze in einem leeren Bühnenraum, in dem Kathrin-Susanne Brose mit wenigen Bildern unterschiedlicher Christusdarstellungen und einigen Versatzstücken den spezifischen Charakter der einzelnen Szenen trifft. Umso aufwändiger ist der Einsatz der Bühnentechnik, die mehrere Ebenen einschließt und durch lichttechnische Raffinesse begeistert.
Die Figuren werden scharf charakterisiert, oft im Gegensatz zu landläufigen Vor- und Darstellungen. Judas präsentiert sich als verantwortungsvoller, warnender Christ, Petrus als jähzorniger Fanatiker, Maria Magdalena als selbstbewusste Gläubige und Pilatus als wankelmütiger Zyniker. Überzeichnet wird niemand. Allenfalls, das aber mit einer Prise Ironie, Herodes an seinem sadomasochistisch angehauchten Hof.
Auch Jesus entspricht nicht dem Bild des zarten, bärtigen Wohltäters. Henrik Wager verkörpert einen athletischen, glatzköpfigen, aufbrausenden Menschen, der sich von der Situation, in die er sich mit seiner Glaubensgemeinschaft gebracht hat, überfordert und letztlich von Gott verlassen fühlt. Am Ende hängt ein Double einsam am Kreuz, während sich der auferstandene Messias wie ein Volksheld und Medienstar feiern lässt.
Henrik Wager in der Titelrolle und Serkan Kaya als gleichwertiger Judas gestalten und singen ihre Partien mit bestrickender Intensität. Nicht weniger der Rest des vielköpfigen Ensembles, aus dem Edward Lee als Pilatus und Theresa Weber als Maria Magdalena hervorstechen. Desgleichen Chor und Tanz-Ensemble.
Insgesamt eine der besten Musical-Produktionen der letzten Jahre, die das Publikum mit recht begeistert feiert.
Pedro Obiera