O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Die Kärntner sind ausgehungert nach Ballett. Denn seitdem die Ballettkompagnie am Stadttheater Klagenfurt schon vor Jahrzehnten aufgelöst wurde, gibt es am Haus auch bei anderen Produktionen kaum noch Balletteinlagen, geschweige denn ein eigenes, abendfüllendes Ballett. Man fragt sich schon, wie ein Mehrspartentheater, das im Musiktheater und im Schauspiel durchaus mit mehrheitlich höherer Qualität punkten kann, so lange auf diese Sparte verzichten kann. Interesse besteht in der Region durchaus und sogar reichlich, wie die ausverkaufte Premiere und der Kartenverkauf der nachfolgenden Reprisen beweisen. Und so wählt man jetzt einen Kompromiss und lädt einerseits das Ballettensemble der benachbarten Oper aus Ljubljana zu einem Gastspiel ein und lässt andererseits das eigene Orchester im Graben spielen.
Gewählt wurde das Ballett schlechthin: Schwanensee von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Nach missglückter Uraufführung 1877 in Moskau konnte das zauberhafte Meisterwerk erst 1895 von St. Petersburg aus in der Choreografie von Marius Petita und Lew Ivanow seinen Siegeszug um die Welt starten.
| Musik | ![]() |
| Tanz | ![]() |
| Choreografie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Schon 2015 gab es die gefeierte und höchst erfolgreiche Premiere dieses Ballettklassikers in der slowenischen Hauptstadt in der Choreografie der bekannten New Yorker Choreografin Lynn Charles, die durch große Nähe zu diesem Original und gleichzeitig Neugewichtung der Rollen punktet, die jetzt auch in Klagenfurt am Stadttheater aufgeführt wird. Man erlebt die traurige Liebesgeschichte jenes Mädchens, das in einen Schwan verwandelt wird, in exemplarisch klassischem Tanz, in klassischen, sehr geschmackvollen Kostümen, die von Uros Belantic erdacht wurden, in wunderbarer Ästhetik und einer sehr atmosphärischen Bildsprache: Vor Wasserprojektionen, wie herabstürzenden Wasserfällen oder schimmernden Seen mit leichten Wellen oder unzähligen, hochgezogenen Kristalllüstern in der Palastszene – die Bühne stammt von Vadim Fiskin und Miran Mohar – begeistert das relativ kleine Ensemble des Nationaltheaters aus Laibach mit makelloser Präzision, totalem Gleichklang in den Bewegungen und hohem, technischem Können.

Dabei gefallen vor allem die Solisten, wie Nina Noc in der tragischen Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan Odette beziehungsweise Odile mit schwebender Grazie und liebreizender Anmut. Bombensicher in Drehungen und Sprüngen wie auch mit feiner Eleganz erweist sich Kenta Yamamoto als hin- und hergerissener Prinz Siegfried, ihr kongenialer Partner. Faszinierend ist auch ihr langes, gemeinsames, poetisch-sinnliches Pas de deux. Lukas Zuschlag, ein gebürtiger Kärntner, der schon viele Jahre in diesem Ensemble aktiv ist, zeigt als böser und unerbittlicher Zauberer Rotbart, dessen Rolle hier stark erweitert wird, viel Energie wie auch ungemein hohe und exakte Sprünge. Auch in den kleineren Partien ist keine Schwachstelle auszumachen.
Das Kärntner Sinfonieorchester unter Giedre Slekyte lässt, abgesehen von so manch eigenwilligen, insbesondere raschen Tempi, viel Klangschönheit in den Lyrismen, aber auch große Dramatik vernehmen. Dabei gefallen die immer wieder herrlich aufblühenden Streicher, inklusive der zahlreichen, exzellenten Soli der Konzertmeisterin und die fast immer präzisen Blechbläser wie auch die warmen Holzbläser.
Und das tanzausgehungerte Publikum ist restlos begeistert, es spendet ständig Zwischenapplaus und jubelt zum Schluss lautstark.
Helmut Christian Mayer