O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Augenweide mit Pepp

FRAU LUNA
(Paul Lincke)

Besuch am
13. Januar 2018
(Premiere)

 

Theater Dortmund, Oper

Ist die Welt auch noch so schön, einmal muss sie untergeh’n: Je übermü­tiger die gute Laune, die die Operetten um die Jahrhun­dert­wende verbreiten sollten, umso tiefer die realen Risse und Krisen, die sie übertünchen wollten. Das gilt für das berühmtere Wiener Genre um Franz Lehár und Emmerich Kálmán ebenso wie für die stark vernach­läs­sigte Berliner Operette. Von der hat sich lediglich Paul Linckes Erfolgs­stück Frau Luna ins heutige Reper­toire retten können. In Dortmund hält die mondäne Mondgöttin derzeit in einer ebenso opulenten wie flotten Produktion Hof. Sehr zum Vergnügen des Publikums, das die Premiere mit ungetrübtem Beifall bedenkt.

1899 als Einakter urauf­ge­führt, hat Lincke das Werk 1922 um einen präch­tigen Monden­scheinball erweitert und dafür etliche weitere Zugnummern seiner anderen Operetten verwendet, wie zuvor bereits für die Urfassung Hits wie die Berliner Luft oder Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe. In Dortmund hat man dem Fest gleich noch drei zusätz­liche Stücke, darunter das Glühwürmchen-Lied, einver­leibt. Der Unter­hal­tungswert des flotten Potpourris ist groß. Aller­dings gerät der zweite Teil dadurch zu einer reinen Revue, die nahezu jeden Bezug zur ohnehin dürftigen Handlung verliert.

Drei arme Berliner Vorstadt-Typen wollen ihrer nervigen Vermie­terin und dem restlichen beschwer­lichen Alltag entfliehen und fliegen mit einem selbst­ge­bauten Luftschiff auf den Mond. Die Hoffnung, dass es in dem scheinbar kulti­vier­teren Ambiente des Erdtra­banten besser zugehen könnte als auf der Erde, erweist sich freilich als Illusion. Man begegnet auf dem Mond den gleichen Menschen mit ihren Intrigen, Eifer­süch­te­leien, Profil­neu­rosen und Betrü­ge­reien aller Art wie zu Hause.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Diese Erkenntnis geht in dem Festtags­trubel der Dortmunder Insze­nierung freilich verloren. Es wird nicht einmal klar, ob der Trip auf den Mond als Traum des Mecha­nikers Steppke aufzu­fassen ist. Entspre­chend offen verflüchtigt sich das Ende. Da ist das Theater Krefeld Mönchen­gladbach in seiner beschei­dener ausge­stat­teten Insze­nierung vor zwei Jahren drama­tur­gisch hinter­grün­diger vorgegangen.

Nicht zu Unrecht wird das Stück als „Revue“- oder „Ausstat­tungs-Operette“ bezeichnet. Regisseur Erik Petersen und vor allem die Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Tatjana Ivschina nehmen diese Gattungs­be­zeich­nungen wörtlich und versuchen erst gar nicht, nach Spuren­ele­menten tieferen Sinns zu suchen oder gar eine Beziehung zur pulsie­renden bis explo­siven Situation der Entste­hungszeit herzu­stellen. Petersen erweist sich als Genre-kundiger Handwerker, der weiß, wie man Figuren lebendig führt, glanz­volle Tableaus mit Heerscharen von Statisten und Choristen erstellt und rundum gute Laune auf die Bühne bringt.

Ivschina, die in den letzten Jahren in der Region mit fanta­sievoll ausge­stat­teten Märchen­opern hervor­ge­treten ist, schöpft auch hier aus dem Vollen. Eine pitto­reske Häuser­front mit einem skurrilen Luftschiff im ersten Akt erinnert an verklä­rende Postkarten-Ansichten des Berliner Alltags­leben. Und der Ball-Akt präsen­tiert sich so üppig wie eine nostal­gische Revue in einem der damaligen Berliner Tanz-Paläste. Ausla­dende Freitreppen, raumgrei­fende Balus­traden, perspek­ti­visch flexible Hinter­grund­pro­spekte und knisternde Feuer­werk­ef­fekte bilden den optischen Humus für das mit Tanzein­lagen und Songs üppig garnierte Mondfest, wobei der glamouröse Auftritt der Titel­figur, wie in der Urauf­führung 1899, von zwei Luftbal­let­teusen reizvoll veredelt wird. Nicht weniger beein­druckt die von Tatjana Ivschinas grenzen­loser Fantasie beflü­gelte Kostüm­parade der Mondwesen, Planeten, Ballett­ratten und Meteo­riten. Und die pfiffige Video-Einblendung von Steppkes Mondfahrt rundet den glänzenden Eindruck ebenso ab wie die virtuos agierende Licht­regie. Optischer Luxus, der die drama­tur­gi­schen Mängel der Produktion weitgehend vergessen lässt.

Foto © Björn Hickmann

Philipp Armbruster lässt es mit den Dortmunder Philhar­mo­nikern nicht an musika­li­schem Pepp fehlen und spürt den spezi­fi­schen, im Unter­schied zur Wiener Konkurrenz weit weniger senti­men­talen Tonfall des Stücks stilsicher auf. Eine kleine Combo im Souterrain der Ballszene erinnert ein wenig an die Tanzschuppen der ach so „goldenen“ 1920-er Jahre.

Gespielt wird von der Titel­heldin bis zur letzten Statis­ten­partie mit anste­ckender Lust an der glamou­rösen Klamotte. Das schließt den Chor ebenso ein wie fünf anmutig tanzende, von Kati Farkas choreo­gra­fierte Mondgrazien. Gesanglich hält sich das Niveau aller­dings in Grenzen. Emily Newton in der Titel­rolle spielt ihre bewährte Bühnen­präsenz wirkungsvoll aus, verknüpft Selbst­be­wusstsein mit feiner Selbst­ironie und überzeugt als gewandte Tänzerin noch mehr denn als Sängerin. Und sie scheut sich nicht einmal, zusammen mit den Luftbal­let­teusen Petra Idelberger und Petra Tobias, vor akroba­ti­schen Übungen in luftigen Höhen. Auch Hannes Brock als Prinz Stern­schnuppe, der sympa­thisch überheb­liche Schür­zen­jäger, zieht alle Register meist gedie­gener Komödi­anten-Kunst. Mit glänzender Agilität verkörpert Bonko Karadjov den Ur-Berliner Mecha­niker Steppke und Johanna Schoppe liefert als impulsive Frau Pusebach die ideale Rollen­studie einer derb auftrump­fenden Nervensäge mit Herz. Dirk Weiler alias Theophil überrascht mit einem vorzüg­lichen Stepptanz, Ileana Mateescu als Stella und Julia Amos als Mondgroom erfreuen mit ihrer jugend­lichen Ausstrahlung und ihren frischen Stimmen.

Großer Beifall für alle Betei­ligten und einen Abend mit ungetrübtem Unter­hal­tungswert. Lange­weile und tiefere Bedeutung sind hier chancenlos.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: