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Da recken doch einige Bielefelder Besucher überrascht und neugierig die Köpfe, als Zeppelin Z 69 im Miniformat über die Bühne knattert und dann sachkundig von der Bodenmannschaft an Seilen auf die Bühne geholt und verankert wird. Die Nähe zum Truppenübungsplatz Senne wird die Bielefelder längst daran gewöhnt haben, von allen möglichen Luftgefährten überflogen zu werden. Da würde auch ein Zeppelin kaum die Blicke zum Himmel lenken. Ob es der „Oper“ Benzin gelingt, mehr Aufmerksamkeit zu erregen, die das Theater Bielefeld zurzeit seinen Besuchern als „heiter- fantastisches Spiel mit Musik“ in zwei Akten anbietet, bleibt nach der Premiere zweifelhaft.
Unter den gut zwanzig Opern, Operetten und Singspielen, die der österreichische Komponist Emil Nikolaus von Reznicek hinterlassen hat, gehört das jetzt in Bielefeld inszenierte Stück Benzin zu den selten gespielten Kompositionen, zu der von Reznicek selbst das Libretto verfasst hat. Der Plot dieser Geschichte, zu der ihn 1916 wohl der Stapellauf des Luftschiffes Z 69 angeregt hat, ist doch arg dünn und zeitbezogen. Die von Reznicek gewählten Namen deuten darauf hin, dass der Österreicher bei der Komposition einige Elemente von Homers Circe und den Abenteuern des Odysseus im Kopf hatte.
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Das modernste Verkehrsmittel seiner Zeit, der Zeppelin, erfährt einen Tank-Havarieschaden und muss bei seinem Versuch einer Weltumrundung auf einer kleinen Insel bruchlanden – immerhin gibt es sie. Der smarte und ehrgeizige Luftschiff-Kapitän Ulysses Eisenhardt, unterwegs mit seinem Z 69, entdeckt bald, dass es auf dieser Insel nicht nur zahme Tiere, sondern ebenso zugängliche, junge Damen im Gefolge der Gladys Thunderbolt, Tochter des ansässigen Milliardärs gibt. Es kommt, wie es in einem heiteren Musikstück kommen muss, Gladys und Ulysses finden Gefallen aneinander – mindestens. Doch weil Ulysses nicht so recht will, versucht es Gladys mit einer Benzin-Erpressung, denn sie und ihr Vater Jeremias beherrschen die Benzinvorräte der Insel. Gladys, die außer ihren äußeren pinkfarbenen Reizen noch über die Fähigkeit verfügt, per Hypnose Menschen in Tiere zu verwandeln, sieht bei Ulysses‘ Gefährten ihre Chancen und hypnotisiert sie zu diversen Tieren um. Allerdings erfährt sie ihre Grenze, als sie ausgerechnet bei Ulysses mit ihren Künsten scheitert.

In einigen „Nebengefechten“ mischen sich Machulke und Lissy, Obertupfer und Nell, Violet und Freidank, Plumcake … Gefolgschaft und Übersicht gehen allmählich verloren. Selbst Gladys‘ letzter Versuch, Ulysses bei einem gemeinsamen Tango einzufangen, gelingt nicht; sie kann ihn schließlich nicht halten. Erst Thunderbolt persönlich beendet ihre erpresserische Benzinblockade und lässt Ulysses Eisenhardt und das Z 69 mitsamt seiner Tochter Gladys starten – „alles Super“, so die Beleuchtung dieses „unbenannten Airports“. Cordula Däuper reicht für ihre Inszenierung eine Alu-Baracke, die vielfach verwendbar als Tankstelle, Kontrollraum oder Terminal dient. Ralph Zegler, Sophie du Vinage und Sarah Sauerborn stecken auf dieser einfachen Bühne die Protagonisten in zeitgemäße Kleidung mit einem Touch von Pink. Gregor Rot sorgt mit den Bielefelder Philharmonikern und dem Opernchor dafür, dass auf diesem Airport musikalisch „alles Super“ ist und eine lockere Stimmung erhalten bleibt. Da klingen mancher Zwanziger-Jahre-Schlager und Jazz-Hits durch und sorgen für eine gute Stimmung.
Mit pinkfarbenem Pettycoat und klarem, höhensicherem Sopran beherrscht Melanie Kreuter als Gladys die Szene. Dagegen bleibt Jacek Laszczkowskis Mr Eisenhardt stimmlich wie darstellerisch blass, wohin gegen Yoshiaki Kimura als Mr Plumcake die komische Ergänzung des Personals bestens gelingt. Im weißen Unschulds-Engel-Kleid gibt Vuokko Kekäläinen die komische Alte, der Vladimir Lortkipanidze als Hausknecht Meyer noch verspätet den Hof macht.
Zum Amüsement des Publikums ergänzen Cordula Däupner und Sophie du Vinage das Personal noch um eine zeitgenössische Figur, den in Lindgrün gekleideten und mit blonder Tolle dekorierten Jeremias D. Thunderbolt alias Don Trump, den Moon Soo Park mit sichtlichem Vergnügen spielt.
Nach knapp zwei Stunden endet dieses fantastisch-heitere Spiel, bei dem die Handlung nicht so recht ins Rollen kommen und der belebende Funke nicht so recht überspringen will. Das Publikum braucht einige Minuten, um sich zum Schlussapplaus warm zu klatschen, bedankt sich dann aber mit ausführlichem Beifall bei allem Mitwirkenden.
Horst Dichanz