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Foto © O-Ton

Melone mit Erdbeermarmelade

JOB-SUEY
(Edward Taylor)

Besuch am
12. Januar 2018
(Premiere am 6. Januar 2018)

 

KS-Theater in der Komödie Wuppertal

Man hatte sich so schön gewöhnt. Die schon familiäre Atmosphäre, das Grillfest im Theater, die Schau­spieler alle persönlich bekannt. Parkplätze in Hülle und Fülle vor dem Tanzhaus. Aber auch der nagende Zweifel, ob hier noch eine künst­le­rische Weiter­ent­wicklung möglich wäre. Weg vom schlichten Boulevard-Theater hin zu raffi­nier­teren Stücken. Und dann das Aus. Das Theater im Tanzhaus in Wuppertal-Elberfeld gibt es nicht mehr. Da will so was wie Wehmut aufkommen.

Aber der Phoenix steigt aus der Asche. Genauer: Am 6. Januar zieht das Kristof-Stößel-Theater in die Komödie Wuppertal ein. Ebenfalls in Wuppertal-Elberfeld, vielleicht nicht ganz so abgelegen. Das Umfeld: profes­sionell. Ein vorge­la­gertes Restaurant, das Theater mit Kasse, Garderobe und richtigem Theatersaal. Und die Preise in der Gastro­nomie sind mehr als selbst­be­wusst. Trotzdem sind die Tische vollbe­setzt. Dazwi­schen läuft Ilka Schäfer herum und macht Stimmung.

Der Saal ist mit einer Kino-Bestuhlung in plüschigem Theater-Rot ausge­stattet, die Bühne bietet ausrei­chend Platz, einen „richtigen“ Theater­vorhang sowie eine ordent­liche Licht- und akustische Technik. Kristof Stößel, in T‑Shirt, Boxer-Shirts und Socken, sagt den mangel­haften gesund­heit­lichen Zustand nahezu des gesamten Ensembles an. Die Erstbe­setzung ist ohnehin fast vollständig ausge­fallen. Es klingt schlimmer, als es ist.

Das Stück Job Suey – Kein Dinner für Sünder ist Boulevard-Theater der besseren Sorte nach einem Stück von Edward Taylor. Regis­seurin Michéle Connah lässt ein ordent­liches Bühnenbild bauen. Ein geräu­miges Wohn- und Esszimmer bietet einen Ausgang zum Schlaf- und Badezimmer auf der rechten Seite, einen Abgang zur nicht einseh­baren Küche, Arbeits‑, Gäste­zimmer und nach vorn den Ausgang aus der Wohnung. Für den Schwank reicht die Bühne vollkommen aus.

POINTS OF HONOR

Musik
Schau­spiel
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Jim Watt arbeitet im inter­na­tio­nalen Börsen­handel. Dem Angestellten geht es gut. Seine Stellung ist nicht nur sicher, sondern eine Beför­derung steht an. Freundin Helen Foster freut sich mit ihm. Bevor der neue Vertrag unter­zeichnet werden kann, will sich aber Unter­neh­mens­in­haber Bill McGregor von der morali­schen Integrität seines Managers überzeugen. Und dazu gehört selbst­ver­ständlich auch, dass Watt ordentlich verhei­ratet ist. Ist er leider nicht. Und so bittet Jim Helen, seine Ehefrau zu spielen, weil McGregor sich mit eigener Ehefrau Nancy zum Abend­essen angemeldet hat. Aber Helen verweigert ihm die Gefolg­schaft und verlässt wutent­brannt die Wohnung. Nun muss also eine „Ersatz-Ehefrau“ her. Die Verflos­senen, die Watt abtele­fo­niert, erweisen sich als ungeeignet. Mitar­bei­terin Terry Pringle wäre ideal, hat aber keine Zeit. Übrig bleibt Putzfrau Edna Chapman, deutlich älter als Jim und vielleicht nicht ganz so attraktiv, wie man es von der Ehefrau eines erfolg­reichen Börsen­händlers erwartet. Es hilft nichts. Edna brezelt sich ordentlich auf und verspricht, ein ordent­liches Abend­essen auf den Tisch zu bringen. Beides misslingt gründlich, aber Nancy und Bill McGregor sind pünktlich da. Später kehrt Helen reumütig zurück und Terrys Termin für den Abend ist ebenfalls ausge­fallen, so dass sie sich in der Wohnung einfindet. Das Chaos ist perfekt, der Schwindel fliegt auf, nur eine abermalige überra­schende Wendung sorgt schluss­endlich für das Happy End.

Kristof Stößel und Stefen Laube – Foto © O‑Ton

Taylor spitzt die Dialoge, bis sie als Pfeile ordentlich die Lachmuskeln der Besucher kitzeln. Platti­tüden sind auf das absolut Notwendige beschränkt. Und dass es kein Ohnsorg-Theater wird, dafür sorgen die Darsteller. Natürlich übernimmt Kristof Stößel die Rolle des Jim Watt, diesmal so ganz ohne Frauen­kleider, dafür in der Pointierung auf den Punkt überzeugend. Für den Neustart hat Stößel sein Personal ordentlich aufge­stockt, und so steht Luisa Hegge erstmals als Helen Foster an seiner Seite auf der Bühne. Erfri­schend natürlich sorgt sie für eine Verjüngung im Ensemble. Und darf auch gleich viel Haut zeigen. Der Spritzer Erotik, der im Tanzhaus ein wenig kurz kam, peppt die neue Produktion ordentlich auf. Obwohl Thekla Gras als Terry Pringle ihre körper­lichen Reize nur sehr begrenzt zeigen darf, gelingt ihr Debüt ganz hervor­ragend. Steffen Laube als Bill McGregor und Amanda Whitford als Ehefrau Nancy sind auch im wahren Leben verhei­ratet. So können sie die feinge­spon­nenen Fäden zwischen einem Ehepaar besonders gut darstellen, auch ohne Eheringe zeigen zu müssen, die sie aber selbst­ver­ständlich tragen. Edna Chapman ist Ilka Schäfer auf den Leib gezeichnet. Hier kann sie das zeigen, was sie am besten kann: Schnod­der­schnauze mit Herz und rheini­schem Humor. Mit gesundem Menschen­ver­stand treibt sie die Gewinne des Unter­nehmens – unwis­sentlich – nach oben. Aber zu mehr als Melonen­schnitten mit Erdbeer­mar­melade reicht es bei ihr in der Küche nicht.

Das Publikum ist hin und weg. Es hat sich köstlich amüsiert. Und von dem neuen Wind gespürt, der durch das Theater weht, ohne die alten Werte zu verraten. Wie immer stehen die Darsteller nach der Aufführung im Spalier, um die Gäste zu verab­schieden. Und die Besucher lieben es.

Michael S. Zerban

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