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Foto © Sabine Haymann

Gut gesprüht

HAIRSPRAY
(Marc Shaiman)

Besuch am
17. Januar 2018
(Einma­liges Gastspiel)

 

Euro-Studio Landgraf im Forum Leverkusen

Zum Jahres­auftakt lässt es das Forum Lever­kusen richtig krachen und hat das Euro-Studio Landgraf mit seiner neuesten Produktion Hairspray einge­laden. Das Musical ist ein Feuerwerk gegen die Diskri­mi­nierung von Schwarzen und Dicken. Mark O’Donnell und Thomas Meehan verfassten das Buch, Scott Whittman und Marc Shaiman steuerten die Liedtexte bei und Shaiman kompo­nierte auch die Musik. Am 15. August 2002 wurde das Stück am Neil Simon Theatre in New York urauf­ge­führt und mehr als 2.500 Mal gespielt. Sieben Jahre später, just als es am Broadway abgesetzt wurde, fand die deutsche Erstauf­führung im Kölner Musical Dome statt. Für die deutsche Fassung schrieb Jörg Ingwersen die Dialoge und Heiko Wohlgemuth die Liedtexte.

Die Geschichte spielt im Baltimore der 1960-er Jahre. Die ameri­ka­nische Gesell­schaft ist im Umbruch. Die racial segre­gation – also die martia­lische Rassen­trennung, die nicht davor zurück­schreckte, Schwarzen besondere Lebens­räume zuzuweisen – wird immer häufiger in Frage gestellt. Auch die Dicken bilden ihre eigene Lobby, um mehr Toleranz zu gewinnen. Tracy Turnblad, schwer­ge­wichtige Tochter von Edna, die mit zuneh­mendem Gewicht ihre eigenen Träume von einer Modis­ten­kar­riere begraben hat und sich mit einer Wäscherei über Wasser hält, und Wilbur, der einen Scherz­ar­ti­kel­laden betreibt, will in einer angesagten Fernseh­schau auftreten. Entgegen aller Wider­stände gelingt ihr das auch. Im nächsten Schritt möchte sie in der Schau auch mit Schwarzen auftreten. Natürlich gelingt ihr das zum Schluss, aber bis dahin ist es ein steiniger Weg.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das Forum Lever­kusen hat in dieser Spielzeit das Motto Zeiten­wende ausge­rufen, und da passt Hairspray wie Faust aufs Auge. Und mit dem Musical erreicht der städtische Kultur­be­trieb noch deutlicher junge Menschen als mit Auffüh­rungen zeitge­nös­si­schen Tanzes im nahezu ausver­kauften Forum. Das ist gut, denn die „Nachwuchs-Besucher“ erleben hier einen ganz außer­or­dent­lichen Abend. Das muss einfach Lust auf mehr machen. Katja Wolff insze­niert in einem atembe­rau­benden Tempo, ohne die Perso­nen­führung auch nur einen Moment außer Acht zu lassen. Die Choreo­grafien von Chris­topher Tölle bestechen in Präzision und Fantasie. Auch wenn das Stück an sich in der zweiten Hälfte hier und da ein wenig schwä­chelt, ist das für Regis­seurin und Choreo­grafen kein Grund, in ihrer Akribie nachzu­lassen. Jan Freese entwirft ein meister­haftes Bühnenbild. Rund 50 Städte bereist das Euro-Studio Landgraf während einer Tournee. Das bedeutet nicht nur einen enormen logis­ti­schen Aufwand, sondern vor allem auch – wenn man es gut machen will – viel Einfalls­reichtum für die Bühnen­ge­staltung. Freese hat nachge­dacht. Sein Grund­konzept besteht in einem Rahmen eines Fernseh­bild­schirms im Hinter­grund, vor dem ein Podest und ein paar Einzel­ele­mente aufgebaut sind. Letztere lassen sich auch schon mal schnell in eine Gefäng­nis­zelle, ein Liebesnest oder Bestand­teile eines Geschäfts im Schwar­zen­viertel umbauen. Geradezu genial, wenn mit einem Bügel­brett, ein paar Requi­siten, einer Kiste und einem Kissen das Laden­lokal der Turnblads entsteht. Eine solch durch­dachte Bühne verdient passendes Licht. Das schafft Rolf Spahn gekonnt und erstaunt, wie viel da plötzlich auf der Lever­ku­sener Bühne möglich wird, auch wenn es mit dem dazu notwen­digen Theater­nebel ein wenig sehr gut gemeint ist. Bei einer solchen Leistung erstaunt, dass Spahn es an der Tontechnik hapern lässt. Im ersten Teil treten erheb­liche Schwan­kungen in den Micro­ports auf, nach der Pause wird prompt überkor­ri­giert, so dass die Sprach­ver­ständ­lichkeit deutlich nachlässt. Heike Meixner schließlich steckt die Darsteller in Kostüme im Stil der 1960-er und 70-er Jahre. Dabei sieht man gern darüber hinweg, dass ausge­rechnet die Dame in dem hochge­schlos­sensten Kostüm als offen­her­zigste Darstel­lerin gepriesen wird.

Foto © Sabine Haymann

Aber das sind Haarspal­te­reien angesichts einer großar­tigen darstel­le­ri­schen, tänze­ri­schen und gesang­lichen Leistung. Beatrice Reece verkörpert wunderbar Tracy Turnblad. Richtig schön zickig führen sich ihre Gegen­spie­le­rinnen, Maja Sikora als Amber von Tussle und Nicole Rössler als Velma von Tussle, auf. Krisha Dalke als Freund von Amber und später Tracy schrammt ebenso haarscharf wie Janko Danailow als Corny Collins an Misstönen vorbei, aber sie kriegen eben die Kurve. Auch Claudius Freyer als Wilbur Turnblad scheint die Rolle des Schau­spielers mehr zu liegen als die des Sängers. Und Andrea Matthias Pagani konzen­triert sich voll und ganz auf die darstel­le­rische Seite der Edna Turnblad. In Kombi­nation mit der darstel­le­ri­schen Seite begeistert aber auch er das Publikum. Sänge­risch heraus­ragend dagegen ist Devi-Ananda Dahm, die neben der zuvör­derst tänze­ri­schen Leistung von Riccardo Haerri als Seaweed J. Stubbs glänzt. Auch die übrigen Rollen, allesamt profes­sionell besetzt, tragen zum überra­genden Gesamt­erfolg bei.

Aus der Big Band des Bulga­ri­schen Natio­nalen Rundfunks hat sich die Hairspray-Band heraus­ge­bildet, die unter der Leitung von Heiko Lippmann den Musical-Groove schöpft. So macht man das. Und mehr ist dazu im besten Sinne auch nicht zu sagen.

Das Publikum amüsiert sich, genießt und geht in jeder Faser mit. Am Ende gibt es Klatsch­marsch und stehenden Applaus. Beides wird von Musik und Ensemble befördert, geht aber völlig in Ordnung. Wenn dieses Gastspiel ein Versprechen war, steht den Lever­ku­senern ein aufre­gendes Jahr bevor.

Michael S. Zerban

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