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Foto © Xenorama

Laut und schwarzweiß

RESONANCE
(Daniel Luka)

Besuch am
20. Januar 2018
(Urauf­führung am 19. Januar 2018)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Pünkt­lichkeit ist eine Zier, doch in der so genannten Freien Szene geht es gerne ohne ihr. Das ist weder „frei“ noch profes­sionell. Auf der Eintritts­karte steht nicht, der Beginn sei irgendwann nach 20 Uhr, sondern da steht klipp und klar exakt um 20 Uhr. Und da auf der Eintritts­karte auch steht „Freie Platzwahl“, ist man gezwungen, wie ein Idiot vor der Tür anzustehen, gerne schon mal eine Viertel­stunde und mehr. Mit Respekt gegenüber dem Publikum hat das überhaupt nichts zu tun. Daran mangelt es auch an diesem Samstag im Tanzhaus NRW. Um 20.08 Uhr endlich erlischt das Saallicht. Ohne dass die Abend­spiel­leitung eine Veran­lassung sieht, sich für die Unhöf­lichkeit des Hauses gegenüber seinem Publikum zu entschuldigen.

Das überwiegend junge Publikum im nahezu vollbe­setzten Saal fiebert indes der Aufführung entgegen. Schließlich ist der Choreograf und Tänzer des heutigen Abends Daniel Luka, der die Stepptanz-Akademie am Tanzhaus NRW leitet. Und an seiner Seite tanzt Ana Gudiño Aguilar, Dozentin an der Akademie. Die Urauf­führung mit dem Titel Resonance ist also ein Heimspiel, das unter dem Motto zu stehen scheint: Gib Männern elektro­ni­sches Spielzeug, und sie werden schon was Tolles draus basteln.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Der Stepptanz entstand in den 1830-er Jahren in New York und erlebte seine Blütezeit zwischen 1900 und 1955, zunächst am Broadway, später bevorzugt im Film. Unver­gessen bis heute sind Namen wie Fred Astaire, seine Filmpart­nerin Ginger Rogers, Sammy Davis jr. oder Gene Kelly. Nach Deutschland brachte den Tap Dance Egon Bier, der mit Astaire das Steppen lernte und es später in seiner Tanzschule vermit­telte. Im deutschen Film der Nachkriegszeit glänzten vor allem Evelyn Künneke und Marika Rökk. Für eine Renais­sance des Stepp­tanzes sorgte Michael Flatley, der mit seinen Tanzshows River­dance, Lord of the Dance oder Feet the Flames für Furore sorgte. „Als Tap Dancer drücke ich meine Persön­lichkeit durch meinen Tanz aus, und jede Bewegung wähle ich, um einen bestimmten Klang zu erzeugen. Mich auszu­drücken heißt also, mich in den Dienst des Sounds zu stellen und ihn aus meinem Inneren nach außen zu tragen“, beschreibt Daniel Luka seine Faszi­nation am Stepptanz.

Weder Flatley noch Luka scheinen der Wirkung des Stepp­tanzes allein zu vertrauen. Während der eine auf den Massen­auf­tritt unter möglichst vielen Schein­werfern setzt und damit ein Millio­nen­pu­blikum begeistert, baut der andere auf modernen Bühnen­zauber. Für eine einstündige Aufführung betreibt Luka einen hohen Aufwand. Mit an Bord geholt hat er Xenorama, ein inter­dis­zi­pli­näres Kollektiv für audio­vi­suelle Medien, und den Pianisten Roman Babik. Ebenso wie der dritte Tänzer im Bunde, Nikolai Kemeny, alles keine Unbekannten.

Foto © Xenorama

Die Bühne wirkt eher wie ein Klang­labor. Boden und Hinter­grund sind mit Projek­ti­ons­flächen ausge­stattet, auf denen sich drei Stationen befinden. Vorne rechts scheint das Pult für die Compu­ter­tricks aufge­stellt. Dahinter hat Babik sein Reich einge­richtet. Links hinten ist Platz für das Pult von Tim Georg Heinze, der für den elektro­ni­schen Klang­teppich zuständig ist. Vor den Pulten von Babik und Heinze sind Podeste aufgebaut, Ausgangs­punkte für die Tänzer.

Die Grundidee ist so einfach wie aufwändig: Der Tanz steuert scheinbar Klang und Video­pro­jektion. Die Compu­ter­ani­ma­tionen, die dazu notwendig sind, überzeugen auf ganzer Linie. Vielleicht auch deshalb, weil sie das einzig wirklich Sichtbare in Schwarzweiß sind. Von den Tänzern sind nur Bewegungen zu erahnen, aber die soll man ja wohl auch eher als Resonanz hören. Das Problem der Idee von flackernden und schim­mernden Compu­ter­ani­ma­tionen ist: Sie erschöpft sich. Längen sind da unver­meidlich. Am Ende der Aufführung wird dermaßen viel Nebel auf die Bühne geblasen, dass nun wirklich gar nichts mehr erkennbar ist.

Heinze hat außer dem üblichen Grund­rau­schen und den Resonanzen auf die Tanzschritte wenig zu bieten, Babik lässt immerhin am Klavier hörens­werte Töne erklingen. Dass der Klang­hin­ter­grund auf überdi­men­sionale Lautstärke hochge­dreht wird, hat wohl eher zur Grundlage, dass auch die Tanzschritte elektro­nisch verstärkt werden können.

Das Publikum jubelt Akteuren zu, die nicht zu sehen sind, aber das macht auch nichts, weil sie sie ja aus vielen Unter­richts­stunden kennen. Gewiss, es gab an diesem Abend außer­or­dent­liche Effekte. Augen­wi­scherei, die für den Stepptanz nichts getan hat. Und beim nächsten Mal geht es wieder zu Flatley. Da kann man sich wenigstens um die Kniege­lenke der Akteure fürchten. Die sieht man nämlich.

Michael S. Zerban

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