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Die Revolution frisst ihre Kinder

DANTONS TOD
(Gottfried von Einem)

Besuch am
20. Januar 2018
(Premiere)

 

Theater Magdeburg

Anlässlich des 100. Geburtstags von Gottfried von Einem hat das Theater Magdeburg seine Oper Dantons Tod, frei nach Georg Büchner, ausge­graben. 1947 wurde die Oper mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen urauf­ge­führt. In den letzten Jahrzehnten war es aller­dings still um von Einem geworden.  Nun erinnert man sich wieder ihn, der sich selbst einmal als lebenden Dinosaurier bezeichnete und so gar nicht in irgendeine Schublade passt. Er galt Zeit seines Lebens als ein Mensch, der aus der Zeit gefallen schien. Auch musika­lisch. Jetzt scheint die Zeit für seine Renais­sance gekommen. In Wien, wo der kauzig-knorzige Einzel­gänger unter den „Compo­nisten“ – er bestand auf diese Schreib­weise – halb respektvoll, halb ironisch „der Eine“  genannt wird, kommt an der Wiener Staatsoper im März Dantons Tod heraus, gleich­zeitig im Theater an der Wien sein Besuch der alten Dame  und die Salzburger Festspiele bringen, konzertant, aber immerhin, seine Oper Der Prozess heraus.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

In Dantons Tod geht es um die Franzö­sische Revolution, aber auch um Terror, Massen­ma­ni­pu­lation und Populismus. Themen, die auch in der heutigen Welt vielerorts aktuell sind. Karen Stone belässt das Stück denn auch nicht in der Zeit des ausge­henden 18. Jahrhun­derts. Sie zeigt es statt­dessen in zeitloser Moderne mit Anklängen ans Histo­rische auf mehreren Ebenen, die durch Treppen verbunden sind. Bühnen­bildner und Ausstatter Ulrich Schulz hat sich vor allem inspi­rieren lassen von der Mode der 1960-er Jahre, ohne aber beispiels­weise auf die so genannte Achtund­sech­ziger-Revolution hinzu­weisen, auch Anspie­lungen auf Kommu­nismus oder Faschismus bleiben außen vor. Also keine konkrete, eindeutige Aktua­li­sierung. Nein, Stone geht es wirklich um die zeitlos-aktuelle Frage, wie und auf wessen Kosten ein gerechtes System politisch durch­ge­setzt werden kann. In der Konfron­tation der beiden Haupt­fi­guren, des fanati­schen, grausamen Macht­men­schen Maximilien de Robes­pierre und des idealis­ti­schen Freiheits­kämpfers Georges Danton macht sie nur zu deutlich, dass das Sprichwort, dass am Ende die Revolution ihre eigenen Kinder frisst, meist recht behält. Nicht nur in Frank­reich. Und nicht nur am Ende des 18. Jahrhun­derts. Stone führt ein eindrucks­volles Stück morali­schen, um nicht zu sagen, politi­schen Musik­theaters demons­trativ vor. Sie lässt den Chor der manipu­lier­baren, wankel­mü­tigen und sensa­ti­ons­lüs­ternen Masse immer wieder die geballte Faust gen Himmel strecken. Erinne­rungen an Massen­ver­an­stal­tungen in zwei unter­schied­lichen Regimes Deutsch­lands kommen hoch. Das wirkt zuweilen etwas plakativ. Aber es hat durchaus seine massen­psy­cho­lo­gische Wahrheit.

Am Ende ihrer drasti­schen Insze­nierung lässt die Regis­seurin ein riesiges Guillo­ti­nen­messer vom Bühnen­himmel herab­fahren, auf dem die Worte Fraternité, Egalité und Liberté geschrieben stehen, also das republi­ka­nische Motto: Freiheit, Gleichheit und Brüder­lichkeit. Aber Hekto­liter von Blut fließen an ihm herab. Ein starkes Bild.

Noa Danon als Lucile – Foto © Kirsten Nijhof

Auch die Musik dieser Oper ist stark. Gottfried von Einem, er war übrigens Schüler von Boris Blacher, hat sich nie einer musika­li­schen Schule der Moderne angeschlossen. Seine Musik ist im Wesent­lichen tonal, also tradi­tio­nelle Musik und erschließt sich dem breiten Opern­pu­blikum relativ leicht. Es ist wirkungs­volle, drama­tische Theater­musik. Natürlich hat sie bei der Urauf­führung 1947, nach dem Ende des so genannten Dritten Reiches, eine wesentlich stärkere Wirkung gehabt. Von Einem hat mit dieser Oper ja nicht zuletzt den überwun­denen Totali­ta­rismus Deutsch­lands angeprangert. Heute kommt uns seine Musik vermutlich weit harmloser vor als den Opern­be­su­chern damals. Kimbo Ishi, der GMD des Magde­burger Theaters, hat alle Register gezogen, die Qualität dieser eigen­wil­ligen Musik zwischen Richard Strauss und Igor Strawinsky aufs Beste zur Geltung kommen zu lassen. Die Magde­bur­gische Philhar­monie spielt vorzüglich.

Unter den insgesamt zwar respek­tablen Gesangs­so­listen – darunter Noa Danon als Lucile, Robert Bartneck als de Séchelles, Johann Stermann als Saint-Just und Roland Fenes als Martial de Herman – ragen ausge­rechnet zwei der kleinsten Neben­partien, die beiden Henker Alejandro Muñoz Castillo und Frank Heinrich, mit tadel­losen Gesangs­leis­tungen hervor.  Von den Inter­preten der Haupt­partien – Peter Bording als Danton, Stephen Chaundy als Robes­pierre – hätte man sich aller­dings etwas mehr Textver­ständ­lichkeit gewünscht, zumal von Einem einen dekla­ma­to­ri­schen Gesangsstil schreibt. Sehr anständig.  Da kommt es auf anderes als nur Phonstärke an. Großartig ist der Chor des Hauses in der Einstu­dierung von Martin Wagner. Der lässt keine Wünsche offen.

Das Publikum spendet begeis­terten Applaus für alle Mitwir­kenden. Die Insze­nierung ist eindrucksvoll und deutlich. Ihre Botschaft wird verstanden. Ob das Stück auf Dauer heute noch den Erfolg hat, Häuser zu füllen wie Ende der 1940-er, Anfang der 50-er Jahre, bleibt abzuwarten.

Dieter David Scholz

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