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DIE WALKÜRE
(Richard Wagner)
Besuch am
28. Januar 2018
(Premiere)
Als die Deutsche Oper am Rhein vor einem halben Jahr ihren neuen und seit über 20 Jahren mit Spannung erwarteten Ring des Nibelungen mit Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung des Rheingolds startete, stellte sich folgende Frage: Wagners apokalyptische Vision als Familien-Saga. Reicht das als Basis für einen ganzen Ring? Die Antwort: Für die Walküre mit Sicherheit nicht.
Bedrohliche Rotorengeräusche leiten den dritten Akt der Walküre ein, in Wotans Wohnzimmer prangt ein gestrandeter Kampfhubschrauber. Dieser Einstieg gehört zu den raren starken Momenten in Hilsdorfs Inszenierung, die ein wenig vom globalen Bedrohungspotenzial des Stücks erahnen lassen. Ansonsten hält Hilsdorf in der neuen Produktion der Deutschen Oper am Rhein an dem bereits im Rheingold zu eng gefassten Vorgehen fest, Wagners Vision einer durch Materialismus und Lieblosigkeit zum Untergang verdammten Welt als Saga verfeindeter Familien-Clans zu deuten.
| Musik | ![]() |
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Im zweiten Teil der monumentalen Tetralogie bewahrheiteten sich jetzt die Befürchtungen, die das Rheingold vor einem halben Jahr auslösten. Angesiedelt als Kammerspiel in Walhalls Wohnstube geht nicht nur ein Teil der weltumspannenden Sprengkraft von Wagners Warnung an die Menschheit verloren. Dramaturgisch bringt eine solche Inszenierung jede Menge Stolperfallen mit sich, die zu dramatischen Spannungseinbußen führen können. Eine Gefahr, die in dem aktionsreichen und erheblich kürzer gefassten Rheingold noch unter Kontrolle gehalten werden kann, im zweiten Akt der Walküre mit seinen langen Monologen und Dialogen jedoch zum szenischen Stillstand führen muss. Ein Esstisch am linken Bühnenrand wird zum szenischen Mittelpunkt, der die Figuren magisch anzieht und in ihrer Bewegung einschränkt. Sowohl der Streit zwischen Wotan und Fricka als auch Brünnhildes Todesverkündung und erst recht Wotans ausgedehnter Monolog nehmen so die Formen von Tischgesprächen an.
Am Tisch beäugen sich im ersten Akt auch Siegmund und Hunding argwöhnisch, und an diesem Möbelstück wird auch Brünnhilde im Finale von ihrem Vater in den schattenhaft feurig umloderten Schlaf versenkt. Sogar die Apocalypse-Now-Stimmung zu Beginn des dritten Akts verpufft schnell, wenn die von Renate Schmitzer in schicken Abendroben gekleideten Walküren ihren versammelten Helden mit Sektflöten zuprosten. Natürlich am heimischen Wohnzimmertisch.
Hier verspielt Hilsdorf die Chance, die Weltuntergangsstimmung des Werks in die richtigen Dimensionen zu rücken. Warum in der Walküre der von Dieter Richter entworfene Salon Walhalls schon ramponierte Spuren militärischer Angriffe aufweist, bleibt angesichts der aufs private Milieu zurechtgestutzten Konzeption unklar. Ebenso mancher skurrile Einfall wie der Kleidertausch von Siegmund und Sieglinde, bevor Notung aus „der Esche Stamm“ gezogen wird. Und handwerklich bedenklich wird es, wenn der explosive Überraschungseffekt, mit dem Sieglinde auf die Nachricht ihrer Schwangerschaft reagiert, ins Leere geführt wird, wenn Hilsdorfs Sieglinde schon im zweiten Akt unter der Last ihrer Leibesfrucht ächzt.
Hilsdorf mag das Wort Konzept nicht. Aber natürlich kommt auch er ohne Konzept nicht aus, wenn sich ein Werk und noch dazu ein solch komplexer Brocken wie Wagners Ring nicht in purer Unverbindlichkeit verlieren soll. Die Betonung der familiären Konflikte bildet den roten Faden der Inszenierung. Ein Faden, der sich freilich als sehr dünn erweist. Hier wird das Konzept zum Korsett.
Dass vor allem der zweite Akt, aber auch das finale Duett szenisch durchhängen, kann Axel Kober am Pult der Düsseldorfer Symphoniker nur bedingt auffangen. Dafür drosselt er den natürlichen Fluss der Musik zu oft, wenn er ihn durch unmotiviert lange Generalpausen nicht sogar zum Stillstand bringt. Die Folge sind Temposchwankungen, die die Koordination von Orchester und Sänger immer wieder ins Wanken bringen. Das ist der Preis für ein detailverliebtes Dirigat, bei dem zwar die kammermusikalischen Passagen recht plastisch zur Geltung kommen, der dramatische Sog aber immer wieder durchbrochen wird. Dem Walküren-Ritt, auch der ekstatischen Schlussszene des ersten Akts bleibt Kober zwar nichts an Energie schuldig. Aber in den dynamisch exponierten Stellen wirkt sich die problematische Akustik des Düsseldorfer Opernhauses aus, die einem ausgewogenen Mischklang im Wege steht.
Gesanglich kann sich die Produktion hören lassen. Geradezu sensationell präsentiert sich Elisabet Strid als Sieglinde mit ihrem mühelos ansprechenden Sopran voller Leuchtkraft und Wärme, der auch in den kräftezehrenden Höhepunkten keine Spur von Schärfe oder Überforderung erkennen lässt. Verbunden mit ihrer auch szenisch intensiven Darstellung gebührt ihr die vokale Palme des Abends. Dicht gefolgt von Simon Neal als klug deklamierendem Wotan mit seinem voluminösen, sicher geführten Bariton. Linda Watson erweist sich wie gewohnt als eine Brünnhilde ohne konditionelle Grenzen, auch wenn man etliche Schärfen in Kauf nehmen muss. Als Siegmund erklimmt Corby Welch eine weitere Stufe auf seiner sehr sorgfältig gepflegten Karriereleiter. Sein Siegmund zählt mit seiner eher lyrisch als dramatisch zupackenden Darstellung zu den Höhepunkten der Besetzung. Sami Luttinen wirkt als Hunding stimmlich und szenisch etwas eindimensional und farblos, während Renée Morloc als Fricka ihren Gatten ohne übertriebene Hysterie zur Raison bringen kann. Einen rundum verlässlichen Eindruck hinterlässt das Walküren-Oktett.
Begeisterter Beifall des Premierenpublikums für die musikalische Riege, während sich das szenische Team einem Mix aus Zustimmung und Buh-Protesten ausgesetzt sieht.
Pedro Obiera