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Foto © Magali Dougados

Der Triumph Marguerites

FAUST
(Charles Gounod)

Besuch am
1. Februar 2018
(Premiere)

 

Grand Théâtre Genève, Opéra des Nations

Sanie­rungs­ar­beiten, die früher oder später keinem Opernhaus erspart bleiben, bringen jeden Inten­danten in Verle­genheit, wenn nicht in Verzweiflung. Denn geeignete Ausweich­quar­tiere, auch wenn sie nur zwei Spiel­zeiten und nicht, wie in Köln, zehn Jahre in Anspruch nehmen, finden sich nirgendwo leicht. Davon kann auch Tobias Richter, seit 2009 Intendant des Grand Théâtre Genève, ein Lied singen. Fünf Mal in seiner langen Tätigkeit als Opern­in­tendant sah er sich schon mit dieser heiklen Aufgabe konfron­tiert. Unter anderem an der Deutschen Oper am Rhein und in Genf jetzt schon zum zweiten Mal.

Aller­dings ist ihm mit der Opéra des Nations, in dem die Genfer Oper voraus­sichtlich noch ein Jahr ausharren muss, ein Coup gelungen, der die Schrecken des Exils wohltuend lindert. Während die Stadt die Sanie­rungs­kosten des Stamm­hauses in Höhe von etwa 67 Millionen Schweizer Franken übernimmt, hat Richter allein mit Sponso­ren­geldern elf Millionen Franken aufbringen können, mit denen er ein hölzernes Theater der Pariser Comédie française aufkaufen konnte. Eine Spiel­stätte, die sich längst bewährt hat und die den Namen Provi­sorium nicht verdient. Am Rigot-Platz in unmit­tel­barer Nähe der UNO wirkt die Opéra des Nations äußerlich zwar unscheinbar und auch die Innen­aus­stattung mit ihren immerhin über 1100 Plätzen ist eher zweck­ge­bunden als dekorativ ausge­richtet. Aber man sitzt äußerst bequem, hat beste Sicht­ver­hält­nisse und, besonders wichtig, die Akustik erweist sich mit ihrer Trans­parenz und samtenen Wärme als geradezu ideal. Besonders für kleiner besetzte Werke des Barocks und der Klassik. Weniger für Wagner, weshalb man in Genf auf die tradi­tio­nellen Auffüh­rungen des Nibelungen-Rings vorüber­gehend verzichten muss.

Nach der Rückkehr ins Stammhaus wird das Theater übrigens nach China verkauft, zusammen mit Lizenzen von Genfer Produk­tionen, die dann in Peking und Hongkong gezeigt werden sollen, so dass sich die Kosten des Umzugs-Inter­mezzos quasi amorti­sieren. Und ein wenig Missi­ons­arbeit in Sachen Opern­kultur im Reich der Mitte wird auch noch geleistet.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Mit Charles Gounods groß besetztem Faust stellt man jetzt den Theaterbau auf eine harte Probe. Ein Risiko, das sich in Grenzen hält, wenn ein so fachkun­diger und sensibler Meister der franzö­si­schen Oper am Pult steht wie Michel Plasson. Mit seinen mittler­weile 85 Jahren drängte er sich nicht an die kräfte­zeh­rende Aufgabe der dreiein­halb­stün­digen Oper, erklärte sich aber nach einigen Überre­dungs­künsten bereit, die Leitung für den ernsthaft erkrankten Jesús López Cobos zu übernehmen. Und Plasson siegt auf ganzer Linie. In jedem Takt spürt man die enge Verbun­denheit des Dirigenten mit dem spezi­fi­schen Kolorit und Tonfall des Werks. Das Orchestre de la Suisse Romande klingt seiden­weich und leucht­kräftig in den schönsten und feinsten Farben. Ein orches­traler Nährboden, auf dem Plasson die rundum jungen Sänger wie auf Wolken durch den langen Abend trägt. Da findet die bestri­ckend ausstrah­lungs­starke und intensiv gestal­tende Ruzan Mantashyan als Marguerite zu lyrischen Höhen­flügen von berückender Schönheit. Und den heiklen Wechsel der Partie ins drama­tische Fach im letzten Akt kann sie dank der umsich­tigen Leitung von Plasson mühelos und ohne jede stimm­liche Verschleiß­erscheinung bewältigen.

Es sind die musika­li­schen Akzente, die der Produktion ein beson­deres Flair verleihen. Weniger die unspek­ta­kuläre Insze­nierung von Georges Lavaudant, der die Handlung recht brav erzählt, aller­dings den Figuren zu so viel indivi­du­ellem Profil verhilft, dass sich die jungen Sänger recht frei und rollen­ge­recht entfalten können. Weniger geglückt ist die Führung des Chores, der sich durchweg puppenhaft mecha­nisch gebärden muss. In der Tanzszene roboterhaft steril und bei der Rückkehr der Soldaten in trister Monotonie. Der elegant gezeichnete Méphis­to­phélès wird sekun­diert von putzigen kleinen, letztlich aber überflüs­sigen Teufelchen. Inter­essant, dass Marguerite bei Lavaudant auch in der Kerker­szene ihr Selbst­be­wusstsein nie ganz aufgibt und sich nicht in einem Niemandsland des Wahnsinns verliert. Eine eigene Handschrift des Regis­seurs lässt auch die letzte, verklä­rende Szene erkennen, wenn er den Aufer­ste­hungs­choral zur Erlösung Margue­rites in einem Höllen­am­biente erklingen lässt. Der Regisseur misstraut der christ­lichen Hoffnung stärker als der tief katho­lische Gounod, wodurch er sich eher Goethes Haltung zur Kirche annähert.

Foto © Magali Dougados

Jean-Pierre Vergiers Bühnenbild beherrscht eine schmucklose, aber flexibel wandelbare Wand mit dem Charme eines Garagentors. Aller­dings lässt sie sich verschieben und öffnen, so dass die Szenen­wechsel reibungslos ausge­führt werden können. Für die spezi­fische Atmosphäre der einzelnen Szenen wirkt sich die raffi­nierte Licht­technik erheblich effek­tiver aus als das Bühnenbild.

Doch den Erfolg der Neupro­duktion garan­tieren Plasson und die bis die kleinste Rolle vorbildlich besetzte Sänger-Crew. Angefangen bei Samantha Hankey, die den Siebel mit ihrem frischen Mezzo­sopran klang­schön und makellos gestaltet. Das gilt auch für Marina Viotti als Marthe. Jean-François Lapointe verleiht dem Valentin barito­nales Volumen, verbunden mit einer kulti­vierten Stimm­führung. Adam Palka arbeitet den hinter­grün­digen Charakter des Méphis­to­phélès stimmlich nuanciert aus, wobei er im Rondo vom goldenen Kalb seine Zurück­haltung aufgibt und die Größe seiner Stimme druckvoll, aber nicht brüllend zeigt.

John Osborn debütiert als Faust. Ein Sänger mit betörenden lyrischen Quali­täten, die er klug für die vielen Fassetten der großen und stilis­tisch schil­lernden Partie einsetzt. Es liegt nicht an ihm, dass ihm dennoch die bereits erwähnte Ruzan Mantashyan als Marguerite ein wenig die Show stiehlt. Gounod lag diese Figur ganz besonders am Herzen und die dankbaren Aufgaben löst die Sängerin, wie bereits erwähnt, in Höchstform. Bei ihr wird verständlich, weshalb das Werk in Deutschland lange Zeit unter dem Titel Margarete Erfolge feierte. Nicht zu vergessen der stimm­mächtige Chor, der den entspre­chenden Szenen einen angemessen effekt­vollen Glanz verleihen kann.

Das Premieren-Publikum reagiert begeistert auf die musika­li­schen Akteure der Aufführung, feiert insbe­sondere Plasson und Mantashyan für eine Gounod-Produktion mit allen Ingre­di­enzien kulti­vierter franzö­si­scher Gesangskultur.

Pedro Obiera

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