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DANCE & RESISTANCE
(Amanda Piña)
Besuch am
4. Februar 2018
(Premiere am 3. Februar 2018)
Ein Tanzabend allein reicht oft nicht, um dem Publikum ein komplexes Thema näherzubringen. Und so haben Amanda Piña und ihr Team der eigentlichen Aufführung einen viertägigen Workshop vorausgeschickt, an dem sich 16 Düsseldorfer beiderlei Geschlechts und vieler Altersklassen beteiligt haben. Neben der Beschäftigung mit der Bewegungssprache ging es auch um die Vermittlung von Wissen. Denn die Tänzerin und Choreografin befasst sich seit vier Jahren damit, längst vergessene Tänze – und da bezieht sie auch ausdrücklich Rituale mit ein – wiederzuentdecken und sie neu zu dokumentieren. Ihr zur Seite steht Daniel Zimmermann, bildender Künstler und Filmregisseur. Die beiden leben in Wien und haben gemeinsam das Langzeit-Forschungsprojekt Endangered Human Movements – also bedrohte menschliche Bewegungen – aufgesetzt. Was nach historischer Tanzforschung klingt, reicht für die Künstler dabei bis in die Gegenwart hinein. Die Arbeit erforsche auch den „potenziellen Widerstand des Körpers im Kontext der neoliberalen Marktwirtschaft und der steigenden Privatisierung von natürlichen Ressourcen“.
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Das Stück, das in Düsseldorf aus dieser Auseinandersetzung entsteht, nennt sich denn auch Dance & Resistance, Tanz und Widerstand. Zimmermann schafft dafür einen halbtransparenten Raum, in dem das Publikum auf kreisförmig angeordneten Stühlen und Kissen sitzt. Im Hintergrund sind technische Anlagen und Instrumente angeordnet. Die vier Tänzerinnen Amanda Piña, Alma Quintana, Yusimi Moya Rodriguez und Linda Samaraweerovà bewegen sich langsam zum Xylophon-Rhythmus, den Shayna Dunkelman vorgibt. Auf den weißen Tüchern, die das Karree auf der Bühne begrenzen, laufen die Logos von Firmen, die versuchen oder schon dabei sind, natürliche Ressourcen wie Trinkwasser zu privatisieren. Neue Tanzabschnitte werden durch wechselnde Projektionen markiert, die teils an Tapetenmuster der 1970-er Jahre erinnern, ohne dass man die Tänze aus Mexiko, von Indianerstämmen oder beispielsweise aus Papua-Neuguinea wirklich identifizieren könnte. Auch die spärlich eingesetzten Requisiten geben keine echte Aufklärung. Vor allem aber vermeiden sie wunschgemäß, Exotismus als Sensation zur Schau zu stellen. Zwischenzeitlich gesellen sich die Workshop-Teilnehmer, die bis dahin unkenntlich im Publikumskreis gesessen haben, in unterschiedlichen Konstellationen in den Kreis der Tänzer, alle hoch motiviert und sehr genau darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Aber alle strahlen vor Begeisterung. Es scheint ein sehr erfolgreicher Workshop gewesen zu sein.
Zu den eindrucksvollsten Momenten des Abends gehört sicher das Solo von Samaraweerovà, deren Markenzeichen ihr Zungenspiel ist – und das ist wirklich beeindruckend. Echsen würden sich sofort in sie verlieben. Ein förmliches Finale mit einem Sonnenrad der vier Tänzerinnen entzückt noch einmal das Publikum.
Die Musik, die Dunkelman und Christian Müller komponiert haben und jetzt auch live aufführen, wird lauter und aufdringlicher. Gegen Ende dominieren wummernde Bässe und das Geräusch, das in der Trommel des Computertomografen entsteht. Das ist nicht unbedingt angenehm, verstärkt aber das Gefühl von Intensität.
Nach gut einer Stunde ist das Schauspiel vorbei. Ein schönes Erlebnis, das den hehren Anspruch nicht so recht einzulösen vermag. Weder ist etwas von Widerstand zu sehen oder zu spüren, noch löst das Gesehene im Betrachter den Wunsch nach Gegenwehr aus. Die Tänzerinnen jedenfalls dürfen sich sicher sein, das Publikum gut unterhalten zu haben, und die Kursteilnehmer, eine gute Aufführung abgeliefert zu haben. Das ist doch schon eine Menge.
Michael S. Zerban