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CARMEN
(Georges Bizet)
Besuch am
4. Februar 2018
(Premiere am 26. Januar 2018)
Die Lütticher Oper hat mehrfach bewiesen, dass sie musikalisch zu beachtlichen Höhenflügen ansetzen kann. Über szenische Schwächen kann man da bei Belcanto-Klassikern wie Bellinis Norma oder Verdis Jérusalem hinwegsehen, wenn die anspruchsvollen Gesangspartien adäquat besetzt werden können. Weniger bei psychologisch und dramaturgisch so raffiniert gebauten Stücken wie Georges Bizets Carmen. Wenn es dann noch an der musikalischen Qualität fehlt, ist der Weg zum Flop nicht weit.
Davon betroffen ist auch die Aufführungsserie der Carmen, die zwar unter der Obhut der neuen Musikchefin Speranza Scappucci steht, die aber in der Zweitbesetzung unter Leitung von Pierre Dumoussaud erheblich an musikalischem Glanz verliert. Von der teilweise hanebüchenen Inszenierung von Henning Brockhaus ganz zu schweigen. Der sieht den packenden Geschlechterkampf als eine Art Zirkus-Revue, angereichert mit Flamenco- und artistischen Einlagen ohne erkennbaren Bezug zum Stück, angesiedelt im Ambiente einer putzigen Zirkusarena. Was die Charakterisierung der Figuren angeht, verharrt Brockhaus in Klischees einer mit dem Hintern wackelnden Carmen, die sich eher als Karikatur einer femme fatale präsentiert denn als selbstbewusste starke und letztlich aufrichtig liebende Frau. Und Don José, dem knorrigen, aufgrund einer Gewalttat ins verhasste Andalusien strafversetzten Basken, verweigert Brockhaus gleich jedes Profil. Mehr als eine vordergründig und plakativ aufgemöbelte Banalität ist szenisch nicht zu sehen.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Das färbt auch auf die gesanglichen Leistungen ab, die in diesem Fall allenfalls als durchschnittlich anzusehen sind. Sowohl, was die recht scharf timbrierte Stimme von Gala El Hadidi in der Titelrolle angeht als auch den in den Höhen sehr angestrengten Tenor von Florian Laconi als Don José und den ausgesprochen blassen Bariton von Laurent Kubla als Escamillo. Angenehm sticht lediglich Silvia dalla Benetta als Micaëla hervor. Und Maestro Dumoussaud geht den filigranen dramatischen Impulsen der Musik recht routiniert nach, wobei es immer noch zu etlichen Wackelkontakten zwischen Orchester und Bühne kommt.
Viel mehr ist nicht zusagen zu dieser schwachen Produktion, die beim Publikum dennoch freundliche Reaktionen auslöst. Kein Glanzstück des ambitionierten Opernhauses, das ab Ende Februar mit dem Domino Noir von Auber mit einer echten Rarität punkten kann. Hoffentlich dann wieder auf gewohnt hohem vokalem Niveau.
Pedro Obiera